Wahlkampf

Der freie Stadtratssitz ist 125'000 Franken wert

Kaspar Bopp vs. Annetta Steiner – das Duell um den freien Stadtratssitz ist zumindest finanziell ausgeglichen. Und ein immer wieder kolportiertes Gerücht bestätigt sich nicht.

Kaspar Bopp (SP) und Annetta Steiner (GLP) lassen sich ihren Wahlkampf einiges kosten.

Kaspar Bopp (SP) und Annetta Steiner (GLP) lassen sich ihren Wahlkampf einiges kosten.

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Es geht um etwas am 7. Juli, und das merkt man auch den Wahlkampfbudgets an. Die SP scheint nicht einfach blind darauf zu vertrauen, dass der Sitz von Yvonne Beutler und damit die links-grüne Mehrheit im Stadtrat erhalten bleibt.

Sie finanziert den Wahlkampf von Kaspar Bopp mit ganzen 42000 Franken – das ist viel für einen Winterthurer Einzelwahlkampf. Bopp zahlt 10000 Franken, nicht im Detail genannte Organisationen steuern 2000 Franken bei und ebenfalls nicht aufgeschlüsselte private Spender 13000 Franken.

«Der grosse Teil wird von engagierten SP-Mitgliedern mit Know-how getragen.»Erläuterung der SP
zum Wahlbudget

Auch die Grünliberalen sparen nicht. Mit einer Frau als Kandidatin und der grünen Welle im Rücken scheint man die eigenen Chancen höher einzustufen als auch schon. So finanzieren die lokale, die kantonale und die nationale Partei den Wahlkampf mit 20000 Franken mit. Annetta Steiner zahlt selber 15000 Franken.

Wie bereits bekannt, wird sie von den Winterthurer Wirtschaftsverbänden unterstützt – laut GLP-Schätzung mit 5000 Franken. Der Support der bürgerlich orientierten Verbände, die sonst spendabler sind, ist eine Premiere für die Grünliberalen. Private spendeten bisher 18000 Franken. Darunter seien keine Grossspenden, hält die Partei fest.

Gewerkschaften winken ab

Ein oft gehörtes Gerücht lautet, dass die SP-Kandidaten grosszügig von den Gewerkschaften unterstützt würden. Diese verneinen dies allerdings. Auf Anfrage sagen VPOD, Unia und der Winterthurer Gewerkschaftsbund, man zahle an Bopps Kandidatur keinen Rappen.

Es sei schon seit Jahren festgelegt, dass man Einzelkandidaturen nicht finanziell unterstütze. Je nachdem könne es aber mal zu ein bisschen Hilfe beim Flyern oder Ähnlichem kommen.

«Unter den privaten Spendern sind keine Grossspender.»Erläuterung der GLP zum Wahlbudget

Annetta Steiner hat dem «Landboten» im Detail aufgelistet, wie sie ihr Wahlkampfgeld verwendet. 25000 Franken kosten die Plakate und Flyer inklusive des Flyerversands. Für den Posten Layout/Gestaltung sind 15000 Franken einberechnet, für Inserate 7000 Franken. Für weitere Plakate und Veloscheiben stehen 6000 Franken zur Verfügung, 5000 Franken schliesslich für diverse Kosten und Give-aways.

Kaspar Bopp erhielt für seinen Wahlkampf eigens eine temporäre Campaignerin. Dabei handelt es sich um die Theaterschaffende und kürzlich nicht wiedergewählte Kantonsrätin Susanne Trost. Sie arbeitet bis im Juli im Parteisekretariat der SP Winterthur mit.

Professionell vergeben wurden bei der SP die Aufträge für Grafiken und Fotos, der grosse Teil der Kampagne werde aber «von engagierten SP-Mitgliedern mit Know-how» getragen, heisst es bei der Partei. Genannt wird beispielsweise die Hilfe der Kommunikationsagentur U&Me Projekte GmbH des Tössemer SP-Mitglieds Matthias Erzinger.

Mehr GLP-Support

Die beiden Wahlkampfbudgets in Höhe von 67'000 respektive 58'000 Franken sind hoch im Vergleich zu den Einzelbudgets bei der Gesamterneuerungswahl 2018. Barbara Günthard (FDP) führte damals die Rangliste zwar mit einem Budget von 87'500 Franken an. Dahinter kamen die weiteren bürgerlichen Kandidaten. Nicolas Galladé (SP), Jürg Altwegg (Grüne) und Yvonne Beutler (SP) hatten jeweils gegen 50'000 Franken zur Verfügung.

Aber die damals neu gewählte Christa Meier (SP) verfügte nur über 36000 Franken. Gleich viel Geld, und damit deutlich weniger als bei diesem Anlauf, hatte die im vergangenen Jahr glücklose Annetta Steiner in der Wahlkampfkasse. Von ihrer Partei gabs 2018 übrigens nicht 20'000 Franken wie jetzt, sondern nur 5000 Franken.

Erstellt: 07.06.2019, 18:32 Uhr

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