Winterthur

Der höchste Schweizer und sein Winterthurer «Knick»

Jürg Stahl blickte am Donnerstagabend im StadTalk auf seine Halbzeit als Nationalratspräsident zurück und erklärte, warum er die Olympischen Winterspiele in die Schweiz holen möchte.

Stadtalk in der Coal Mine - Nationalratspräsident Jürg Stahl spricht mit Moderatorin Karin Landolt.

Stadtalk in der Coal Mine - Nationalratspräsident Jürg Stahl spricht mit Moderatorin Karin Landolt. Bild: Madeleine Schoder

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Die kurzbiografische Einführung von StadTalk-Moderatorin Karin Landolt über ihren Gast erinnerte an Tellerwäscherkarrieregeschichten aus dem Land jenseits des Atlantiks: vom Drogistenlehrling aus dem Arbeiterquartier Töss über die lokale Politik und eine Ausbildung an der HSG ins nationale Parlament. Daneben vom erfolgreichen Kunstturner zum Chef des Dachverbandes von Swiss Olympic und neben all dem noch Major im Stab der Schweizer Luftwaffe. «Ich bin ­immer gut gefahren mit ein paar Funktionen nebeneinander: Ehrenamt, Sport, Arbeit und Politik.» Das habe ihm die nötige «Bodenhaftung» gegeben. «Wenn wir uns immer mehr spezialisieren und uns nur in einem Teilbereich der Gesellschaft einbringen, verpassen wir die Gesamtsicht, die für die Gesellschaft wertvoll ist.»

Die Pedergnana-Geschichte

Diese «Bodenhaftung» half ihm, als seine Bilderbuchkarriere und sein Ehrgeiz, wie er selber zugibt, in den Stadtratswahlen 2001 und 2002 einen Knick erhielten. In der Ersatzwahl 2001 lag er zuerst eine Stimme vor der SP-Kontrahentin Pearl Pedergnana, nach der nochmaligen Auszählung eine Stimme hinter ihr. Wenige Monate später verpasste er als Überzähliger bei den Gesamterneuerungswahlen erneut den Sprung in die Winterthurer Exe­kutive.

Im nächsten Jahr wird Jürg Stahl fünfzig. Das halbe Leben lang hat er politisiert. Seit 17 Jahren sitzt er für die SVP im Nationalrat. Vor sieben Monaten ist er zum höchsten Schweizer gewählt worden, oder, wie er präzisiert: «Ich bin ins höchste zu vergebende politische Amt in der Schweiz gewählt worden.» Die gängige Bezeichnung «höchster Schweizer» behagt ihm nicht so, aber es sei ihm klar, dass man damit zum Ausdruck bringen wolle, dass dieses Amt das höchste ist, das eine direkt von der Bevölkerung gewählte Person innehabe. Er ist sichtlich stolz auf dieses Amt, fühlt sich auch wohl darin. «Ich repräsentiere gerne, kann gut ­organisieren.»

«Ratsglocke» immer dabei

Seine Erfahrung als Gemeinderatspräsident erleichtere es ihm, das Jahr als Nationalratspräsident zu geniessen. Stolz präsentiert er die Nachbildung der Ratsglocke, die er von seinen engsten Freunden geschenkt bekommen habe. Eingraviert das Emblem «seiner» Fallschirmaufklärer- Kompanie 17 – die Zahl passend zum Amtsjahr. «Ich nehme sie an Anlässe mit, an die ich nicht allein gehen möchte.»

Sein Amtsjahr sei bislang ja ­ereignislos gewesen, konstatiert Moderatorin Landolt, da habe er Glück, dass er im Herbst eine Bundesratsersatzwahl leiten dürfe. In der Tat sei er stolz, dass er am 20. September dem ganzen Land den neuen Bundesrat oder die neue Bundesrätin bekannt geben dürfe. Auf die Ereignislosigkeit angesprochen, entgegnet er aber dezidiert, dass er bewusst atmosphärisch mit einer gewissen Gelassenheit dazu beizutragen versuche, dass der parlamentarische Comment eingehalten werde, dass keine Situationen pro­voziert würden, die dann medial spektakulär ausgeschlachtet werden könnten. Den Vorwurf, gerade seine Partei sei nicht bekannt für Anstand, kontert er mit der Bemerkung, dass er in seiner langen Zeit im Parlament den verschiedensten «Haudegen» aus allen Parteien begegnet sei und auch «nicht zartbesaiteten Mitgliedern im Bundesrat».

Sein grösstes Ziel als Chef von Swiss Olympic ist, die Olympischen Winterspiele 2026 in die Schweiz zu holen. Die letzten Winterspiele in der Schweiz ­fanden 1948 in St. Moritz statt. «Europa lag nach dem Zweiten Weltkrieg am Boden. Es war die Schweiz, die die Nationen durch den Sport wieder zusammenbrachte.» Heute herrschten wieder Spannungen in Europa, auf der Welt. Die neutrale Schweiz könne mit der Durchführung von Olympischen Spielen erneut eine Pionierrolle einnehmen: «Sport verbindet Menschen emotional.»

Erstellt: 01.07.2017, 08:45 Uhr

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