Winterthur

Der Hürdenlauf zur Heimhalle

Sportgrossprojekte haben es schwer in Winterthur, wie man an Eishalle und Hallenbad sieht . Dass das Win4 nun eröffnet, und das sogar ohne Geld der Stadt, ist kein kleines Wunder. Ein Rückblick auf turbulente Jahre voller Hoffnungen, Rückschläge und Macherfiguren, die nie aufgaben.

Was lange währt wird endlich gut: die neue Spielstätte von Pfadi Winterthur wird dieses Wochenende eingeweiht.

Was lange währt wird endlich gut: die neue Spielstätte von Pfadi Winterthur wird dieses Wochenende eingeweiht.

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1973

Die Eulachhalle wird eröffnet und wird zur Heimat Pfadi Winterthurs - wobei der Sport oft ausweichen muss, wenn Grossanlässe und Messen anstehen. In den glorreichen Neunzigerjahren, als Pfadi fünfmal hintereinander Meister wurde, träumten die Club-Oberen von einer eigenen Halle, am Deutweg oder im Ohrbühl. Doch die zu erwartenden Betriebskosten wären einfach zu hoch.

2006

Der Banker Ulrich Knopp und der Sporttrainer Roland Fust präsentieren dem Stadtrat ihre Vision: das Internationale Zentrum für Leistungs- und Breitensport, kurz IZLB. Es soll, neben Magglingen und Tenero, das dritte grosse nationale Zentrum werden.

August 2009

Der Traum wird konkreter. Die Stadt und die private Befair AG haben eine Entwicklungsvereinbarung unterzeichnet. Die knapp 21 000 Quadratmeter grosse Parzelle stellt die Stadt im Baurecht zur Verfügung. Doch nicht alle sind zufrieden: Daniel Frei vom Dachverband Winterthurer Sport (DWS) kündigt an, dass die Vereine an ihrer Initiative für eine Ballsportarena festhalten. Die bloss 700 bis 1000 Sitzplätze im IZLB wären nicht Champions-League-tauglich. Ein Jahr später lehnt der Stadtrat die Initiative aber ohne Gegenvorschlag ab und verweist aufs IZLB.

Februar 2011

Swiss Ice Hockey weckt Träume von der «Hockey-Hauptstadt Winterthur». Der Verband will im IZLB ein nationales Leistungszentrum mit Talent-Akademie schaffen. Zwei unterirdische Eisfelder sollen erstellt werden. Die Bausumme wächst von 50 auf über 80 Millionen Franken an. Im März übergibt Tennislegende Pete Sampras dem Stadtrat feierlich das Baugesuch. Die Befair AG kündigt einen Baustart noch im gleichen Sommer an. Schon Anfang 2013 soll das IZLB eingeweiht werden. Weil der Verkehrsgarten Gutschick im Weg ist, baut die Stadt Winterthur im Ohrbühl einen neuen.

August 2012

Der Baustart ist mehrfach verschoben worden, es fehle noch Geld. Die Organisatoren taufen das Projekt in «Wincity» um und verkünden, es werde nur ein Eishockeyfeld gebaut. Neuer Baustart soll im Frühling 2013 sein.Mai 2013: Das Schweizer Eishockeyteam gewinnt an der WM in Schweden Silber. Gleichzeitig wird bekannt, dass der Eishockeyverband die Pläne fürs Leistungszentrum begraben hat. Nach dem Abgang von Präsident Philippe Gaydoul hatte die Idee im Verband keine Lobby mehr.

Juli 2014

Nach langer Funkstille rechnen die wenigsten in der Stadt noch damit, dass Wincity gebaut wird. Im August 2014 läuft die Baubewilligung der Stadt aus. Doch der neue Befair-CEO, der frühere Implenia-Mann Roland Fisch, erklärt das Projekt zur Chefsache und lädt zur Medienkonferenz im August ein.

August 2014

Fisch überrascht alle mit der Ankündigung, dass Pfadi Winterthur Projektpartner wird. Der neu gewählte Pfadi-Präsident, Bauunternehmer Jürg Hofmann, bekundet damit öffentlich, dass Pfadi Wincity als beste Chance sieht, zur lang ersehnten Heimspielarena zu kommen.

März 2015

Der Durchbruch. «Privates Sportzentrum auf der Zielgeraden» titelt der «Landbote». Das überarbeitete und abgespeckte Projekt wird vorgestellt. Für 35 Millionen Franken soll eine Ballsportarena mit bis zu 2400 Sitzplätzen entstehen, zudem ein sechsstöckiges Nebengebäude mit Sportschule, Sportklinik und Fitnesscenter. Die Mieter und Investoren seien beisammen, heisst es. Die Stadt Winterthur beteiligt sich finanziell nicht am Projekt. Zu reden gibt einer der Investoren: Andi Kunz, der frühere Gründer der Freikirche Harvest Church. Er betont, sein Engagement sei nicht religiöser Natur, er habe seine Kirche längst aufgelöst.

Dezember 2015

Das Baugesuch wird eingereicht. Es entspricht bis ins Detail dem, was im März versprochen wurde. Für die Umsetzung wurde die Wincity AG gegründet, deren Geschäftsführer Jürg Hofmann ist. Inzwischen sind weitere Aktionäre bekannt geworden: Philipp Jöhr von der Baufirma BWT, die Siska Heuberger Holding sowie die gemeinnützige Johann-Jacob-Rieter-Stiftung. Auch Gemeinderätin Annetta Steiner (GLP) investiert eigenes Geld. Als Ankermieter im Sporttrakt wird Wintifit angekündigt. Diese ziehen sich später zurück. Den Fitness- und Wellnessbereich übernimmt am Ende Mfit (Migros).

April 2016

Der Spatenstich für Wincity erfolgt. Es waren keine Rekurse eingegangen. Auch der Sport-Dachverband DWS steht längst hinter dem Projekt. Nur die offene Jugendarbeit ist etwas traurig: Sie hatte den stillgelegten Verkehrsgarten zwischennutzen können (»Chillcity»).

Juli 2017

Wincity heisst jetzt Win4. «Der Name Wincity war in den Köpfen der Leute noch sehr mit dem alten Projekt verbunden», sagt Win4-Geschäftsführer Robert Risse. Die 4 soll für die vier Bereiche Sport, Gesundheit, Ausbildung und Events stehen. Im gleichen Atemzug wird bekannt, dass Swiss Unihockey hier das erste nationale Leistungszentrum einrichtet. Bald trainieren hier alle Nationalteams. Auch Länderspiele sind angedacht.

Januar 2018

Die Schweizer Handball-Nati gewinnt vor über 2000 Zuschauern gegen Estland und beschliesst damit 46 Jahre Länderspieltradition in der Eulachhalle. Pfadi bestreitet dort am 11. April das letzte Spiel, und zieht für die Playoff-Fortsetzung in die Eishalle um und verpasst den Meistertitel nur knapp.

Februar 2018

Win4 wird bereits erweitert. Neben dem Quartierzentrum Gutschick ist Spatenstich für die 1500 Quadratmeter grosse Multisport-Trainingshalle. Hier werden unter anderem Tennistalente trainieren, aber auch Schüler der Sportschule oder die Talentakademien verschiedener Sportarten.

Juni 2018

Die Arena ist weitgehend fertig, die Clubs nehmen das Training auf. Jetzt wird auch der Name des Sporttempels bekannt gegeben: Axa-Arena.

August 2018

Heute ist Pre-Opening mit geladenen Gästen, morgen Samstag Tag der offenen Tür. Und am 26. August ist bereits der erste sportliche Grossanlass: Der Handball Supercup.

Der letzte Schliff: Diese Woche montierte der Hauptsponsor und Namensgeber seinen Schriftzug.

(Der Landbote)

Erstellt: 17.08.2018, 12:06 Uhr

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