Stadtratswahl

Der Kandidat und der Konkurs

Die Internetfirma Enyx des parteilosen Stadtratskandidaten Blerim Bunjaku (früher SP) ist konkurs. Bunjaku macht mit einer neuen Firma weiter und verbleibt vorerst im Stadtratswahlkampf. Er betont, alle Löhne seien bezahlt, alle Projekte ausgeliefert.

Die Software-Firma von Blerim Bunjaku ist konkurs.

Die Software-Firma von Blerim Bunjaku ist konkurs. Bild: Madeleine Schoder

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Schon länger wurde es gemunkelt: Die Software-Firma Enyx Web & Mobile GmbH des parteilosen Stadtratskandidaten Blerim Bunjaku hatte Geldprobleme. Gestern wurde in den amtlichen Mitteilungen die Einstellung des Konkurses publiziert. Laut Firmenchef Bunjaku, der vor seinem Austritt für die SP und zuvor für die EVP politisiert hatte, gab es zuletzt «eine Handvoll» Gläubiger mit Forderungen in Höhe von «einigen Zehntausend» Franken. Diese müssen sie nun abschreiben.

Die Gründe für die Finanzmisere liegen laut Bunjaku im Jahr 2015. Aufgeschreckt durch jugendliche Jihad-Reisende investierte der Familienvater viel Zeit in den Aufbau des Vereins Fairwinti, der radikalisierte Jugendliche und ihre Angehörigen beraten und zwischen den Kulturen vermitteln wollte. Dabei habe er den Überblick über die Finanzen seiner Firma verloren. Zudem sei ein einzelner Grossauftrag aus dem Ruder gelaufen – Bunjaku fühlt sich von einem damaligen Geschäftspartner betrogen.

«Löhne aus Privatgeld bezahlt»

«Ich habe bis zuletzt gekämpft, aber es reichte nicht», sagt Bunjaku. So habe er versucht, Rückstände aus privatem Vermögen und durch Lohnverzicht auszugleichen. Er betont: «Es sind keine Lohnforderungen offen und alle Projekte wurden erfolgreich geliefert.» Die Lehrlinge hätten die LAP bestanden oder seien bei anderen Firmen untergekommen.

«Ich hatte den Überblick über die Finanzen verloren.»Blerim Bunjaku, 
Unternehmer und  parteiloser Stadtratskandidat

Bereits seit Frühling ist der Name Enyx von Homepage und Klingelschild verschwunden. Bunjakus neue Firma Bexeo GmbH macht mit drei Mitarbeitern weiterhin Websites, Software und Apps. Gegründet habe er sie nicht aus Angst vor dem drohenden Konkurs, sondern weil er ein «revolutionäres Produkt» im Bereich Internet, TV und Telefon vermarkten wolle.

Zieht er die Kandidatur zurück?

Zieht sich der parteilose Bunjaku nach dem Konkurs aus dem Wahlkampf um den Stadtratssitz zurück? «Das lasse ich mir offen», sagt er. Es gebe Überlegungen, aber nicht wegen des Konkurses, sondern weil ein grosser Auftrag anstehe und er sich nicht verzetteln wolle. «Ein Konkurs ist nicht das Ende einer unternehmerischen Laufbahn», sagt er. «Man sollte aus einem Misserfolg Lehren ziehen und mit neuer Energie durchstarten.»

Letztlich habe er, als Politiker, Unternehmer und Muslim, der gegen Radikalisierung eintritt, wohl an zu vielen Fronten gekämpft, sagt Bunjaku. Insbesondere Letzteres hatte seinen Preis: «Ich und meine Familie erhielten Morddrohungen.» Trotzdem kämpfe er weiter: «Auch dank meines Engagements sind gefährliche Leute identifiziert worden, und zum Teil schuldig gesprochen.»

(Der Landbote)

Erstellt: 24.11.2017, 17:32 Uhr

Ein unzufriedener Kunde erzählt

«Bezahlt, aber nicht geliefert»

Für sein Handy-Geschäft iPong Repair in der Altstadt bestellte Kittipong Khundan bei Enyx Anfang 2015 eine professionelle Website im Wert von rund 17 000 Franken.

In Betrieb ging diese allerdings nie. «Was Enyx lieferte, hat nie richtig funktioniert», sagt Khundan. Beschwerden hätten nichts gebracht - «Irgendwann wurden meine Anrufe nur noch von Mitarbeitern angenommen, die kein Deutsch sprachen.»

Als sich Khundan weigerte, die letzten 20 Prozent zu zahlen, sei eine Betreibung ins Haus geflattert. Um einen teuren Rechtsstreit zu vermeiden, habe er zähneknirschend bezahlt. Blerim Bunjaku widerspricht dieser Schilderung. Die Website sei erfolgreich übergeben worden.

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