Winterthur

«Der Kanton Zürich soll ein Vorzeigemodell werden»

Der grüne Regierungsrat Martin Neukom war zu Gast beim Stadtalk. Dort hat der Winterthurer verraten, was ihm hilft, seinen stressigen Alltag durch zustehen.

Martin Neukom war zu Gast beim Stadttalk.

Martin Neukom war zu Gast beim Stadttalk. Bild: Madeleine Schoder

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Grün ist die Farbe der Stunde. Die Klimabewegung bringt immer wieder tausende auf die Strassen. Grün ist auch das Sofa im Retrolook, auf dem Regierungsrat Martin Neukom in der Coalmine Bar sitzt. Er ist zu Gast im Stadtalk bei Moderator Michael Zollinger.

«Jetzt wird etwas gehen»

Dass auch die Schweizerinnen und Schweizer ein offenes Ohr für grüne Anliegen haben, ist spätestens seit den nationalen Wahlen klar. Die Partei der Grünen hat um 6,1 Prozent zugelegt. «Jetzt wird etwas gehen», sagt Martin Neukom entschieden und schlägt die Beine übereinander.

Vor allem begrüsst Neukom es, dass das neue Parlament altersmässig durchmischt ist. «Es sind viele Junge dazugekommen und gleichzeitig gibt es viele Erfahrene.» Eine heterogene Regierung verspreche bessere Entscheidungen, dazu trage auch der höhere Frauenanteil bei.

Eine andere Welt

Seit Mai ist Neukom im Amt als Regierungsrat und hat die Wahlen diesen Herbst deshalb anders verfolgt als sonst: «Zum ersten Mal habe das von aussen miterlebt. Es ist schon eine andere Welt.» So kenne er viele Kandidaten der anderen Parteien nur von den Plakaten.

«Man sollte zu Fehlern stehen und nicht probieren, sie zu vertuschen.»

Mit seiner ohnehin vollgestopften Agenda, hätte der Baudirektor wohl sowieso kaum Zeit für Wahlkampf gehabt: «An manchen Tagen habe ich 30 Minuten Zeit pro Anliegen und dann kommen die nächsten», sagt der Regierungsrat. Damit Neukom trotz Stress bei der Sache ist, muss vor allem eines stimmen: «Ich brauche viel Schlaf, mindestens acht Stunden.»

Nach sechs Monaten hat sich der grüne Politiker in seiner neuen Aufgabe eingefunden. «Ich treffe immer wieder auf viele inspirierende Leute. Die Arbeit macht mir extrem viel Spass.» Neukom hat sich in seiner 100-Tage-Bilanz für das gegenseitige «Dreinreden» in seiner Direktion ausgesprochen. Moderator Zollinger hakt nach, wie er das meint. «Ich bin froh, wenn mir jemand zeigt, dass etwas vielleicht noch nicht bedacht habe», sagt Neukom.

Zu dieser Einstellung passt auch die offene Fehlerkultur, die der Regierungsrat fördern will. «Man sollte zu Fehlern stehen und nicht probieren, sie zu vertuschen.» Wo Menschen arbeiten, würden auch Dinge schief gehen. «Das heisst natürlich nicht, dass fahrlässiges Handeln toleriert wird.»

Prioritäten setzen

In seiner Zeit in der Zürcher Regierung möchte der 33-Jährige einiges voranbringen: «Ich möchte, dass der Kanton Zürich ein Vorzeigemodell für andere Kantone wird.» Im Bereich der Gebäude soll das auch visuell sichtbar sein. Neukom will auf mehr Holz und Solaranlagen an Hausfassaden setzten: «Auf den Dächern haben heute bereits viele Solarpanels angebracht, wir wollen einen Schritt weiter gehen.»

«Ich verstehe nicht, warum sich eine solche Angst vor Verboten entwickelt.»

Einen Schritt weitergehen möchte Neukom auch, wenn es ums Thema Energie geht. «Wir müssen neue Prioritäten setzen.» Damit meint er, dass künftig mehr in erneuerbare Energie investiert werden sollte. «Wie wir es heute bei der Bildung und Gesundheit tun, müssen wir auch in diesem Aspekt bereit sein, etwas zu investieren.»

Daher ist für Neukom das Verbot von Öl und Gas durchaus denkbar. «Ich verstehe nicht, warum sich eine solche Angst vor Verboten entwickelt.» Man müsse Anreize schaffen, um die Leute auf den Klimaschutz aufmerksam zu machen. Dazu gehöre auch, einige Dinge unbequemer zu gestalten: «Wenn es sehr umständlich ist das Auto zu nehmen, überlegt man es sich vielleicht zweimal.»

Ob das Öl- und Gas-Verbot nicht etwas illusorisch sei, möchte eine Besucherin am Ende der Veranstaltung vom Regierungsrat wissen. «Natürlich nützt es nichts, wenn nur die Schweiz etwas verändert». Es sei aber auch keine Lösung nichts zu tun. «Wir können mit gutem Beispiel voran gehen.»

Erstellt: 01.11.2019, 15:40 Uhr

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