Kurswechsel

Der Jugendpreis geht an die Klimabewegung

Der Stadtrat würdigt das gesellschaftliche Engagement der Klimajugend mit 10000 Franken. Bisher ging der städtische Jugendpreis stets an etablierte unpolitische Organisationen. Was sagen bürgerliche Parteien zu diesem Kurswechsel des Stadtrats?

Die Jugend setzte sich dieses Jahr auch in Winterthur für das Klima ein. Das Engagement der Organisatoren wird nun von der Stadt gewürdigt.

Die Jugend setzte sich dieses Jahr auch in Winterthur für das Klima ein. Das Engagement der Organisatoren wird nun von der Stadt gewürdigt. Bild: mad

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Der mit 10000 Franken dotierte Jugendpreis geht an die Klimajugend. Der Stadtrat hat diesen Entscheid schon vor einem Monat gefällt, nun wurde er kommuniziert, kurz vor einer neuen Aktionswoche der Klimabewegung, die mit einer grossen Demo in Bern enden wird.

Es ist neu in Winterthur, dass das Engagement junger Menschen auf diese Weise gewürdigt wird; bisher waren die Geehrten mehrheitlich Erwachsene in Institutionen, die sich für Kinder und Jugendliche engagieren. Der Jugendpreis ging in den zehn Jahren seines Bestehens an die Spielgruppen, an die Ludotheken, an Jugendtreffs oder auch an die lokalen Fussballvereine, die Junioren und Juniorinnen trainieren. Warum nun dieser neue Fokus? «Wir wünschen uns ja, dass sich die Jungen einbringen», sagt Stadtrat Nicolas Galladé (SP). Am 1. August und an Jungbürgerfeiern sei ja oft davon die Rede. «Hier nun haben wir eine Jugend, die sich in der Zivilgesellschaft engagiert, das würdigen wir mit dem Jugendpreis.»

Es ist also primär das Engagement, das der Stadtrat honoriert: «Die unzähligen Stunden Arbeit, die beeindruckende Motivationsarbeit, kombiniert mit Know-how und Organisationskompetenz», wie es in der Medienmitteilung heisst. Speziell erwähnt wird auch die Klimakundgebung im April, «eine der grössten Demonstrationen, die Winterthur je gesehen hat».

«Der Preis ist nicht als Stellungnahme des Stadtrats zu den klimapolitischen Forderungen  der Jugendlichen zu verstehen» Stadtrat Winterthur

Man habe an der Stadtratssitzung auch über andere mögliche Empfänger des Jugendpreises diskutiert, sagt Galladé. Doch bestand laut dem Sitzungsprotokoll «Einigkeit darüber, dass eine Anerkennung des Engagements der Klimajugend keinen Aufschub duldet». Andere Preiswürdige könnten auch später noch berücksichtigt werden.

Kein politisches Bekenntnis

Der Stadtrat betont jedoch, dass dieser Preis «nicht als Stellungnahme des Stadtrats zu den klimapolitischen Forderungen der Jugendlichen zu verstehen» sei. Diese Inhalte würden dann im Gemeinderat diskutiert.

«Es ist eine weitere Episode der Klimahysterie, aber aus meiner Sicht kein grosses Drama.»Simon Büchi, Gemeinderat und Parteipräsident der SVP Winterthur

Die Regionalgruppe der Klimastreik-Bewegung nimmt in einer Mitteilung zu dieser Differenzierung zwischen Preis und Politik Stellung. Man nehme den Jugendpreis dankend an und freue sich, dass der «Einsatz für eine lebenswerte Zukunft honoriert und unterstützt wird». Doch lasse sich das Engagement nicht von den Forderungen trennen, schreiben die Aktivisten und kritisieren. «Die Winterthurer Politik handelt noch nicht ausreichend konsequent.» Man erwarte, dass sich der Stadtrat zu den Forderungen der Klimabewegung «bekennt und entsprechend handelt».

Das sagen FDP und SVP

Darf und soll der Stadtrat den Jugendpreis an eine politisch ausgerichtete Gruppierung vergeben? «Ich bin nicht einverstanden damit», sagt der noch amtierende SVP-Präsident und Gemeinderat Simon Büchi: «Es ist eine weitere Episode der Klimahysterie und der Versuch von Politikern, auf den Zug aufzuspringen. Aber aus meiner Sicht ist die Preisverleihung auch kein grosses Drama.» Kantonsratspräsident Dieter Kläy, Präsident der FDP Winterthur, sagt: «Es ist unbestritten, dass wir gegen den Klimawandel vorgehen müssen. Ich bin zwar nicht mit allem einverstanden, was die Aktivisten fordern, aber ich habe mit der Preisvergabe keine Mühe.»

Was aber passiert mit den 10000 Franken? Die fliessen vorerst aufs Konto der Klimabewegung in Winterthur, das bisher durch Spenden geäufnet wurde. Das sagt Robin Huber, der als Sprecher der Gruppe Auskunft gab. Man werde das Geld für weitere Aktionen brauchen, für Bewilligungen, um Flyer zu drucken und Infrastruktur für Anlässe bereitzustellen.

Erstellt: 19.09.2019, 09:22 Uhr

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