Musikhaus

Der Konkurrenz den Marsch blasen

Walter Grimm spielt als Multiinstrumentalist auf vielen Hochzeiten und führt im Hauptberuf seit 30 Jahren sein Musikhaus. Um der Onlinekonkurrenz zu trotzen, lanciert er zum Jubiläum nun eine eigene Instrumentenlinie.

Alle drei sind Instrumentenreparateure: Walter Grimm mit den Söhnen Danny und Josua.

Alle drei sind Instrumentenreparateure: Walter Grimm mit den Söhnen Danny und Josua. Bild: Nathalie Guinand

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Hier ein Grimm, dort ein Grimm und dann ist da noch einer. Walter Grimm ist der Vater, 58-jährig, Musiker und Chef des Musikhauses. Die anderen zwei, Danny und Josua, sind zwei seiner vier Söhne. Zeitweise waren drei von ihnen gleichzeitig in der Firma. Und die Mutter macht die Buchhaltung, daneben arbeitet sie als Agogin in der Quellenhof-Stiftung. Wie der Vater haben sich auch zwei Söhne der Blasinstrumentenreparatur verpflichtet, spielen Saxofon und weitere Instrumente. Die Grimms haben nicht nur ein Musikhaus, sie sind auch eines.

«Ich schaue immer nach vorn»

Walter Grimm hatte klein angefangen: Sein erster Laden vor dreissig Jahren und auch der zweite lagen in Veltheim. Dann expandierte er an die Römerstrasse, und seit 2000 ist das Geschäft an der Kreuzung Pflanzschulstrasse/St.-Galler-Strasse. Inzwischen hat er das Gebäude auch erworben.

Immer gings aufwärts, immer kamen neue Ideen und Instrumente hinzu, «ich schaue stets nach vorn», sagt Walter Grimm. Als Walter Baur am Obertor sein Pianohaus aufgab, integrierte Grimm die Pianoabteilung im Untergeschoss und übernahm den Verkaufschef gleich mit. Heute ist die Arbeitsteilung so: Grimm verkauft und vermietet, die Baur-Nachfolgerin transportiert, repariert und stimmt die Instrumente.

Ein Steinway, Jahrgang 1922

Im kürzlich umgebauten Keller stehen schlanke Digital- und Silent-Pianos neben schweren edlen Instrumenten von Schimmel, Bösendorfer oder Steinway. Derzeit zum Beispiel ist ein komplett revidierter Steinway-Flügel mit Baujahr 1922 für 36 000 Franken zu haben. Er glänzt wie neu und tönt himmlisch. Mit teuren Occasionsinstrumenten verhält es sich ähnlich wie mit alten Autos: Anhand aktueller Preise und des Jahrgangs sowie mit Fachbüchern kann festgelegt werden, wie teuer so ein Instrument ist; und manche Kunden wollen auch unbedingt einen Oldtimer.

Bild: Nathalie Guinand

Walter Grimm mag alte, besondere Instrumente: In seiner eigenen Sammlung im Obergeschoss hat er zum Beispiel ein Sopransax von Buffet Crampon aus Paris, Jahrgang 1958. Er schwärmt vom Klang seines Instruments und fast täglich am Abend übt er eine bis zwei Stunden für sich, nebst dem Saxofon auch Klarinette, Querflöte und Piano.

Nur Udo Jürgens schaffte es nie

Die Musik hat er von seinem Vater ins Ohr gesetzt bekommen, der ein Handörgeler und Klarinettist war. Die Folklore ist Grimms Liebe geblieben: Seine Ländlerkapelle hat es schon öfters ins Schweizer Fernsehen geschafft, dort gesellten sich jeweils Grössen wie Carlo Brunner dazu. Daneben spielt Grimm gelegentlich auch in anderen Formationen, bei Reto Parolari etwa: Vor einem Jahr gesellte sich auch Pepe Lienhard dazu, der Kunde im Laden ist. Erst kürzlich habe er ein neues Piccolo gekauft, wie er es auf der Hitsingle «Swiss Lady» spielte. Früher habe er selber jeweils Dutzende Auftritte pro Jahr gehabt und sei ständig unterwegs gewesen, erzählt Grimm; jetzt sei es etwas ruhiger geworden.

Apropos Pepe Lienhard: Grimm hatte stets gehofft, dass dieser auch einmal Udo Jürgens mitbringen würde in den Laden, was natürlich ein wunderbarer PR-Event hätte sein können. Doch Udo konnte nie kommen. Immerhin aber hat Grimm einen Kunden, der gerne einen Glasflügel hätte, wie Udo einen hatte.

Und die Internetkonkurrenz?

Frage an den Geschäftsmann Grimm: Macht ihm das Internet nicht auch Konkurrenz, so wie vielen anderen? Hier ausprobieren und dann online ordern? «Doch, natürlich spüren wir das», antwortet Grimm, «aber wir haben schon früh selber einen Onlineshop gestartet und vertrauen darauf, dass Musiker ein Instrument gern in Händen haben.»

Grimm hat zudem entschieden, noch einen anderen Weg zu gehen, um der Konkurrenz den Marsch zu blasen: Er bringt eine eigene Instrumentenlinie auf den Markt. Holz- und Blechblasinstrumente vom Piccolo bis zum Sousafon und natürlich Saxofone werden zuhaben sein. In verschiedenen Lackierungen, und alle gezeichnet mit «Victory by Grimm». Made by Grimm kann er nicht draufschreiben, dann wären die Instrumente unbezahlbar. Fabriziert werden sie in Taiwan. (Landbote)

Erstellt: 06.12.2018, 08:34 Uhr

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