Neubau

Der Neubau unter dem Pausenplatz

Allein die Bühne des neuen Festsaals der Rudolf Steiner Schule ist fast so gross, wie der frühere Saal insgesamt. Für die Schule ist der Neubau ein Meilenstein — und zugleich ein Bekenntnis zum bisherigen Standort im Tössfeldquartier.

Der neue Saal und die Mensa profitieren dank Lichtschächten  von Tageslicht.

Der neue Saal und die Mensa profitieren dank Lichtschächten von Tageslicht. Bild: Enzo Lopardo

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Sie sind etwas in die Jahre gekommen, die Schulhäuser der Rudolf Steiner Schule an der Maienstrasse. Doch wenn man das Haus mit der Nummer 15 betritt, steht man unerwartet in einem topmodernen Gebäude. Treppen führen in den Untergrund zum Herzstück der Schule, dem neuen Festsaal. Dieser bietet eine riesige Bühne und Sitzplätze für rund 220 Personen. Mittels schalldichter Wand kann er unterteilt werden, sodass ihn zwei Klassen gleichzeitig für den täglich Theater-, Musik- oder Eurythmieunterricht nutzen können. Im gleichen Gebäude wurde überdies eine neue Mensa geschaffen und es entstanden neue Toiletten und ein Lift. Dadurch ist das Schulhaus neu rollstuhlgängig.

Bescheidener wachsen

Mehr Platz braucht die Rudolf Steiner Schule schon seit einiger Zeit. Anfang der 2000-er Jahre plante man deshalb, auf dem Zeughausareal ein neues Schulhaus zu bauen. Doch daraus wurde letztlich nichts. «Das Projekt war eine Schuhnummer zu gross», sagt Daniel Plain, Geschäftsführer der Rudolf Steiner Schule bei einem Rundgang durch die neuen Räume. «Es hätte einen zweistelligen Millionenbetrag gekostet, das konnten wir schlicht nicht aufbringen.» Man habe sich deshalb entschieden, bescheidener am bestehenden Standort zu wachsen.

Bauen in der Tiefe

Schon im Jahr 2012 begannen die Planungsarbeiten für das Erweiterungsprojekt. Weil kein zusätzliches Land zur Verfügung stand, beschloss man, in die Tiefe zu bauen. Unter dem Pausenplatz sollten die neuen Räume zu liegen kommen. Mittels eines Wettbewerbs wurde ein Projekt ausgewählt und nach sorgfältiger Planung fand im April 2017 der Spatenstich statt.

Hübsches Detail: Die Mensa können Kinder vom Pausenplatz aus über eine Rutschbahn erreichen. Bild: Enzo Lopardo

Sieben Meter tief war die Baugrube zwischenzeitlich. Die Bauzeit verlangte von der ganzen Schule Flexibilität. Der Pausenplatz war massiv geschrumpft, oft war es laut wegen der Bauarbeiten. «Hin und wieder mussten wir ins Freie ausweichen», sagt Plain. Aber dafür konnten alle hautnah mitverfolgen, wie der Neubau entstand. «Die Kinder haben dadurch eine besondere Bindung zu diesem Saal. Bei der Einweihung war eine fast ehrfürchtige Haltung spürbar», sagt Schulvereinspräsidentin Marina Heusser.

Ebenfalls wichtig ist für die Schule die neue Mensa. Täglich essen hier im Schnitt 50 Kinder Zmittag. Dieser Raum ist neu hell und grösszügig, und was die Kinder besonders freuen wird, er kann vom Pausenplatz aus mittels Rutschbahn erreicht werden.

Der Neubau kostete 4,9 Millionen Franken. 1,8 Millionen konnte die Schule dank Spenden finanzieren. «Es war eine Herkulesaufgabe, dieses Geld zusammenzubringen», sagt Plain. Möglich geworden sei dies dank Stiftungen und Spenden, aber auch dank dem Einsatz von Eltern. «Sie haben in ehrenamtlicher Arbeit zahlreiche Aufgaben übernommen.» Zudem hätten alle Familie einen 13. Schulbeitrag in die Baukasse bezahlt. «Es war ein langer aufwendiger Weg, aber es hat sich gelohnt, wir sind mit dem Resultat sehr glücklich», sagt Heusser. Was sie besonders freut: Obwohl der Saal unter der Erde liegt, dringt dank Lichtschächten viel Tageslicht hinein.

Bei der Einweihung war eine fast ehrfürchtige Haltung spürbar.»Marina Heusser,
Schulvereinspräsidentin

Am 20. August konnte der Saal erstmals genutzt werden. Die erste Klasse wurde eingeschult und alle Schüler sowie die Eltern der neuen Schulkinder konnten an der Feier teilnehmen. «Bislang mussten wir dafür jeweils das Kirchgemeindehaus Töss mieten», sagt Plain.

Mehrwert fürs Quartier

Die Steiner Schule will die Räume nicht nur selber nutzen, sondern auch für Dritte öffnen. «Sie sollen für das Quartier einen Mehrwert bieten, deshalb werden wir den Saal und die Mensa auch vermieten», sagt Plain. Angst, dass der neue Saal mit 220 Plätzen für die insgesamt 230 Kinder schon bald wieder knapp werden könnte, hat Plain nicht. «Wir haben uns das gut überlegt. Der Saal wird selten von der ganzen Schule gemeinsam genutzt.Ein Teil der Jugendlichen ist ja bei Aufführungen auf und hinter der Bühne.»

Der Neubau ist von aussen kaum erkennbar. Deshalb soll nun in einem nächsten Schritt das Äussere der Schulhäuser an der Maienstrasse aufgefrischt werden. «Es ist uns wichtig, dass wir nicht nur gute Pädagogik bieten, sondern auch ein zeitgemässen Auftritt. Inneres und Äusseres sollen wieder zusammenpassen», sagt Heusser. Zudem entsteht auf dem Dach der neuen Mensa ein zusätzliches Schulzimmer. Die Kosten für diese Arbeiten betragen weitere 1,6 Millionen Franken. (Landbote)

Erstellt: 06.09.2018, 15:45 Uhr

Besichtigung

Interessierte, die den Umbau gerne anschauen möchten, haben an einem Infoabend am 29. Oktober, ab 19.30 Uhr, Gelegenheit dazu.

Links

Rudolf Steiner Schule

Die Rudolf Steiner Schule in Winterthur zählt 230 Kinder ab Spielgruppe bis zur 9. Klasse. Ältere Kinder können die Atelierschule in Zürich besuchen und dort eine eidgenössische Matura erlangen.

Die Pädagogik der Schule gründet in den Erkenntnissen Rudolf Steiners zur Entwicklung des Kindes. Begeisterung, Lernwille und Interesse der Kinder und Jugendlichen sollen durch Unterrichtsinhalte genährt und erhalten werden, die dem Entwicklungsstand der Kinder entsprechen. Der Lehrplan sieht vor, die kognitiven und handwerklich-künstlerischen Bereiche gleich zu gewichten. (mif)

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