Burkhardt

Der Optimist ist halb zufrieden

Winterthurs Kompressorenbauer beendet die Kurzarbeit, schreibt aber im Hauptgeschäft weiter Verlust.

Marcel Pawlicek blickt zuversichtlich in die Zukunft. Mit Burckhardt soll es nächstes Jahr aufwärts gehen.

Marcel Pawlicek blickt zuversichtlich in die Zukunft. Mit Burckhardt soll es nächstes Jahr aufwärts gehen.

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Marcel Pawlicek macht meistens wenig Umschweife. «Ich bin ja als euphorisch bekannt», sagte er gestern am Rand einer Medienpräsentation. «Jetzt sage ich: Ich bin halb zufrieden.»Aussenstehende könnten das Resultat des Winterthurer Konzerns, der sein Geschäftsjahr jeweils per ­Ende März abschliesst, durchaus weniger wohlwollend beurteilen.

Auffallend ist vor allem der Verlust in der grössten Sparte: Beim Verkauf neuer Kompressoren fehlten neun Millionen Franken zur schwarzen Null. Das Servicegeschäft (Reparaturen) konnte das Loch stopfen – kein Wunder, setzt man voll auf das zweite Standbein und will damit bis 2022 mehr Umsatz generieren als mit dem Verkauf von Neuware.

Nach dem Stellenabbau werden wieder Leute gesucht

Immerhin scheint die Trendwende geschafft, Umsatz und Bestellungseingang erreichten 2017 sogar Rekordwerte. Am Standort Winterthur kommt das langsam an: Im März lief in der Montageabteilung die Kurzarbeit aus, die im letzten Frühling eingeführt worden war und zeitweise rund 200 Personen betraf. Knapp 40 Stellen hat man im letzten Geschäftsjahr abgebaut (siehe Grafik), es waren nicht die ersten.

«Die Mitarbeiter in Winterthur sind die kritischsten»

Nun sucht man aber wieder Leute, rund 50 offene Stellen seien aktuell zu besetzen, heisst es. Als Spätzykliker – so nennt man in der Industrie Firmen, die konjunkturelle Auf- und Abschwüngen später als andere spüren – hinkt Burckhardt Compression etwas hinterher. «Wenn es runter geht, bleiben die Mitarbeiter ­gerne noch etwas», so Pawlicek, «und wenn es rauf geht, hilft das zuerst anderen Firmen.»

Die Stimmung in der Belegschaft habe sich verbessert, erzählte der CEO an der Migros-Klubschule, wo die Präsentation stattfand. Dies habe auch eine Mitarbeiterumfrage mit hohem Rücklauf von fast 90 Prozent gezeigt. Offenbar habe man ver­mitteln können, dass die Zukäufe im Ausland die Gesamtfirma stärken und nicht zulasten des Hauptsitzes gehen sollen. Ergebnisse der Befragung gibt Pawlicek nicht im Detail an. «Die Mitarbeiter in Winterthur sind schon die kritischsten», sagt er, was aber nicht überrasche: «Sie sind einfach näher beim Ort, wo die Entscheidungen getroffen werden.»

US-Steuerreform nützt, ­Iran-Sanktionen schaden

Burckhardt stellt Kompressoren her, mit denen Gase verdichtet, gekühlt oder verflüssigt werden, etwa vor dem Schifftransport. Nebst dem Werk in Oberi betreibt man auch Fabriken in den USA, in Indien, China und Südkorea.

Die Winterthurer Firma betreffen auch Entscheide, die man in Washington oder anderswo fällt. Von der US-Steuerreform profitiert man langfristig: Statt 35 sind nur noch 21 Prozent Steuern zu zahlen; die mittlere Steuerquote beträgt bei Burckhardt 23,5 Prozent, Amerika rückt also zu den günstigeren Ländern vor.

Zunächst allerdings führt die Reform bei Burckhardt zu Abschreibungen von einigen Hunderttausend Franken: Da die Steuerlast sinkt, nimmt auch der Wert von Verlustvorträgen ab, ­also von in früher angefallenen Verlusten, die steuerlich geltend gemacht werden können.

Ebenfalls betroffen ist man von drohenden Sanktionen gegen den Iran, wo man eine Niederlassung aufgebaut hat, deren Zukunft nun ungewiss scheint.

(Der Landbote)

Erstellt: 29.05.2018, 18:05 Uhr

Burkhardt in Zahlen.

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