Davos

Der Rohdiamant ob dem Davoser See

Die Liegenschaft des Ferienkolonievereins Oberi beim Wolfgangpass ist mehrere Millionen Franken wert und für die Stadt Winterthur besonders interessant, weil diese ein Nachbargrundstück besitzt. Werden dort bald Wohnungen an Toplage gebaut?

Grosse Parzelle, Sicht auf den See, direkt an der Strasse zum Wolfgangpass: Die Lage des Ferienkolonieheims ist sehr gut.

Grosse Parzelle, Sicht auf den See, direkt an der Strasse zum Wolfgangpass: Die Lage des Ferienkolonieheims ist sehr gut. Bild: Lena Alig

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«Lichterlöschen in der Ferienkolonie» titelte der «Landbote» vor zwei Wochen. Der Ferienkolonieverein Oberwinterthur will sein Heim mit 50 Schlafplätzen in Davos in etwa zwei Jahren verkaufen, wenn das Heimleiterpaar pensioniert wird. Die Nachfrage nach Ferienkolonien ist klar rückläufig. Und klar ist auch: Ein Hausverkauf wäre nur in Absprache und in Zusammenarbeit mit der Stadt möglich. Denn der Ferienkolonieverein und die Stadt Winterthur sind in vielerlei Hinsicht verbunden. Der Verein schuldet der Stadt 720000 Franken, denn sie hatte ihm 2005 ein zinsloses Darlehen gewährt für die damalige Renovation. Schon 1957 hatte sich die Stadt ein Vorkaufsrecht «zum Selbstkostenpreis» ausbedungen, wobei nicht ganz klar ist, wie dieser Preis festgelegt werden soll. 1990, als ein Annexbau mit Heimleiterwohnung erstellt wurde, hat man dieses Vorkaufsrecht bestätigt.

Und noch weitere Verflechtungen gibts. Vor und neben dem Grundstück des Ferienkolonievereins besitzt die Stadt eine grosse Landparzelle - 1948/49 beim Erwerb des Heims hatten die beiden Teilstücke noch zusammengehört. Zusammen messen sie mehr als 4000 Quadratmeter, wobei das städtische Grundstück etwas grösser, das Vereinsgrundstück aber besser gelegen und besser nutzbar ist. Und die letzte Verbindung zwischen Verein und Stadt ist ein Passus in den Vereinsstatuten: Wird der Verein aufgelöst, geht das verbleibende Vermögen an die Stadt mit der Zweckbestimmung «für ähnliche Aufgaben».

Hoher Quadratmeterpreis

Nun, da der Verein beschlossen hat, sein Heim in etwa zwei Jahren zu verkaufen, ist auch die Stadt gefordert, sich Gedanken zur Zukunft zu machen. Stadt und Verein wissen: Das gesamte Land, also mehr als 4000 Quadratmeter, liegt in einer Bauzone, wo Wohnhäuser möglich sind. Und: Laut Auskunft des Davoser Bauamts ist das alte Ferienkolonieheim nicht geschützt, obschon es auf ein Gehöft aus dem Jahr 1731 zurückgeht.

«Vielleicht ist eine Stiftung an einem Weiterbetrieb interessiert. Dann müsste man über den Preis reden.»Richard Harlacher,
Präsident Ferienkolonieverein Oberwinterthur

Es könnte also abgebrochen werden, und das treibt natürlich den Quadratmeterpreis an dieser Lage mit Seesicht in die Höhe: 1500 Franken pro Quadratmeter sind gut möglich, das ergäbe einen Landwert von über sechs Millionen. «Immobilienentwicklern dürfte beim Anblick der Parzelle das Wasser im Mund zusammenlaufen», schrieb kürzlich die Zeitung «Südostschweiz», «damit liesse sich sicherlich einiges an Geld verdienen.» Spätestens seit diesem Zeitungsbericht weiss das ganze Bündnerland: Das Davoser Heim in Winterthurer Besitz ist ein roher Diamant. Ob er geschliffen und zu Geld gemacht wird, ist indes unsicher.

Bald Post aus Davos?

«Wir sind kein gewinnorientierter Verein», sagt Richard Harlacher, der den Ferienkolonieverein Oberwinterthur seit Jahren präsidiert. «Aber wir können und wollen das Haus nicht mehr weiter betreiben. Vielleicht ist eine Stiftung oder eine ähnlich orientierte Gruppierung an einem Weiterbetrieb interessiert. Dann müsste man über den Preis reden.» Und bei diesem Gespräch sässe sicher auch die Stadt mit am Tisch als Besitzerin der grossen Nachbarparzelle und als Gläubigerin.

Nach der Generalversammlung des Ferienkolonievereins hat sich der städtische Liegenschaftenchef Erich Dürig sofort an die Arbeit gemacht und will bis Ende April eine Auslegeordnung vorlegen. Vorkaufsrecht wahrnehmen? Zu welchem Preis? Interessenten? Weiterverkauf? An wen? Über welche Kanäle? Das sind Fragen, die er geklärt haben will, um dem Stadtrat eine Entscheidungsgrundlage zu liefern. Gut möglich, dass er bald auch Post auf dem Tisch hat von Immobilienmaklern aus Davos. Es gibt eine ganze Reihe davon, die diesen Rohdiamanten gerne zu Geld machen würden.

Erstellt: 08.04.2019, 14:42 Uhr

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