Bezirksgericht

Der Serieneinbrecher vom Lagerplatz steht vor Gericht

Er stieg ins «Portier» ein, in Räume der ZHAW und ins Sport Center des ASVZ. Am Donnerstag muss sich der Einbrecher vom Lagerplatz vor Gericht verantworten. Auch für eine romantische Geste, die in einem Fiasko endete.

2017 brachte eine Einbruchsserie Unruhe auf den Lagerplatz in Winterthur. Allein ins «Portier» (vorne links) stieg der mutmassliche Täter zweimal ein.

2017 brachte eine Einbruchsserie Unruhe auf den Lagerplatz in Winterthur. Allein ins «Portier» (vorne links) stieg der mutmassliche Täter zweimal ein. Bild: Archiv: Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zigaretten, Bargeld, ein iPad, Salami und Bio-Bergkäse. Als M. im Juli 2016 im Restaurant Portier auf dem Lagerplatz in Winterthur einstieg, nahm er mit, was einen Wert hat oder ihm sonst gerade passte. Auf über 2000 Franken summierte sich an dem Abend die Beute – ein Umstand, an dem der Mittzwanziger offenbar gefallen fand. Wenige Monate später, im Januar 2017, durchsuchte er das «Portier» erneut, diesmal aber mit bescheidenerer Beute. Zigarettenpackungen im Wert von 117 Franken.Was dann folgte, war eine regelrechte Einbruchserie. Über ein Dutzend mal soll M., der diesen Donnerstag vor Bezirksgericht Winterthur steht, in den folgenden Monaten eingestiegen sein, mal mit Erfolg, mal ohne. Wie aus der 23-seitigen Anklageschrift hervorgeht, konzentrierte er sich dabei auf Gebäude auf dem Lagerplatz. Sein Vorgehen war meist identisch und vergleichsweise primitiv. Er zerstörte ein Fenster, verschaffte sich so Zugang, und wuchtete dann alles auf, wohinter er Wertsachen vermuten konnte.

Die Liste der Geschädigten

Zu den Mehrfachgeschädigten gehören nebst dem Verein Kraftfeld, der das «Portier» betreibt, die Lagerplatz-Besitzerin Stiftung Abendrot und die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW). Auch der Akademische Sportverband Zürich und die Hunziker Partner AG wurde zum Ziel von M. Im Februar verschaffte er sich über das Magazin der Firma Hunziker Zugang zur Lagerstrasse 28 und wuchtete dann die Türe zum Empfangsbüro des ASVZ auf. Am Ende erbeutete er in einem aufgebrochenen Korpus 100 Franken, nachdem er im Umfang von mehreren tausend Franken Sachschaden angerichtet hatte.

M. wollte seiner Freundin einen Liebesbeweis erbringen – in Form eines brennenden Herzens.

Zu den Opfern des Serieneinbrechers gehörten laut Anklageschrift auch die Bolero Lifestyle AG sowie – ausserhalb des Sulzer Areals – die Lux Bar. Hier, an der Technikumsstrasse erbeutete er Waren im Wert von über 2000 Franken, darunter auch Pfefferspray – sowie ein Geschenkgutschein der Bar über 50 Franken.

Sachschaden aus Romantik

Die Liste liesse sich verlängern. Insgesamt erbeutete M. in den drei intensiven Monaten Anfang 2017 Waren und Bargeld im Wert von mehreren 10 000 Franken und richtete Sachschaden in ähnlichem Umfang an. Weitaus grössere finanzielle Konsequenzen hatte ein Zwischenfall, bei dem M. nicht von krimineller Energie, sondern von Romantik angetrieben wurde. Im April 2017 wollte M. seiner in Bülach wohnhaften Freundin einen Liebesbeweis erbringen – in Form eines brennenden Herzens. Auf dem Weg zu ihrem Wohnort passierte er einen Lieferwagen und änderte kurzfristig seine Pläne. Weil die Aufschrift der Firma mit dem Vornamen seiner Freundin fast identisch war, kam er spontan auf die Idee, das brennende Herz zusammen mit dem Lieferwagen und dem Schriftzug vom Bahnbord des Bahnhofs Bülach aus mit dem Handy zu fotografieren.

Zuerst brannte in Bülach im April 2017 ein Lieferwagen, dann ein Gebäude und am Ende noch das Bahnbord. Archivbild: Kapo ZH

Wie es dann weiterging, erzählt die Anklageschrift wie folgt: «Hierzu formte er auf dem Asphalt vor dem Lieferwagen ein Herz aus einer alten Trainerhose, übergoss sie mit Benzin und zündete sie an. Da sich in der Zeitspanne vom Übergiessen bis zum Anzünden eine grosse Benzindampfwolke gebildet hatte, verursachte der Beschuldigte gleich beim Anzünden einen riesigen Feuerball, sodass er das in der Nähe stehende Fahrzeug der Firma in Brand setze.» M. sei darob erschrocken und weggerannt, ohne die Szenerie zu fotografieren.

Gefängnisstrafe verlangt

Am Lieferwagen, der komplett ausbrannte, entstand damals ein Sachschaden von 70000 Franken. Damit aber noch nicht genug: Durch das Feuer und den Russ wurden auch ein hinter dem Lieferwagen parkiertes Auto, Fassade und Dach eines Gewerbebetriebes sowie das Bahnboard des Bahnhofs Bülach beschädigt. Der Gesamtschaden summierte sich auf über 200 000 Franken.

Die Staatsanwaltschaft fordert wegen mehrfachen Diebstahls und Hausfriedensbruchs sowie wegen der «fahrlässigen Verursachung einer Feuersbrunst» eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten, wovon laut Anklage zwölf vollzogen werden sollen. Für die restlichen zwölf Monate sei eine Probezeit von drei Jahren vorzusehen. Die Verhandlung beginnt am Donnerstagmorgen um 8 Uhr. (Landbote)

Erstellt: 09.01.2019, 13:46 Uhr

Artikel zum Thema

Brennender Lieferwagen setzt Gebäude in Brand

Bülach Zuerst brannte in Bülach am Mittwoch ein Lieferwagen, dann ein Gebäude und am Ende noch das Bahnbord. Die Ursache ist unklar, verletzt wurde niemand. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!