Winterthur

Der Sozialarbeiter mit dem Flair für Fussball, ein Volltreffer

Beim FC Tössfeld hilft jetzt ein Sozialpädagoge mit, jugendliche Fussballassistenztrainer zu finden.

Dieses Trio lanciert den neuen Ansatz (von links): Michael Hunziker, Junioren-Koordinator beim FC Tössfeld, Mehmet Dagli, Sozialpädagoge und langjähriger Fussballtrainer, sowie Sämi Müller, Präsident des Trägervereins Jugendarbeit Gutschick.

Dieses Trio lanciert den neuen Ansatz (von links): Michael Hunziker, Junioren-Koordinator beim FC Tössfeld, Mehmet Dagli, Sozialpädagoge und langjähriger Fussballtrainer, sowie Sämi Müller, Präsident des Trägervereins Jugendarbeit Gutschick. Bild: Marc Dahinden

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Mehmet Dagli heisst der Mann der Stunde im Jugendtreff Gut-schick. Er ist seit kurzem dort angestellt und ein eigentlicher «Homebro», denn das Quartier hatte er schon während seiner Ausbildung zum Sozialpädagogen kennengelernt. Der 33-jährige Kurde aus der Türkei kam mit 14 in die Schweiz, hat in Zürich eine Malerlehre absolviert, dann in der Gastronomie gearbeitet und eine Fussballtrainer-Ausbildung abgeschlossen.

Nun wird er der Mister Fussball im Gutschick. Seine Aufgabe ist es, dem dortigen Quartierclub FC Tössfeld zu helfen, Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren für die Arbeit im Verein zu begeistern, namentlich sie zu Hilfscoaches für die vielen Juniorenteams zu machen, in der Hoffnung, dass sie später einmal vollwertige Trainer werden.

«Uns fehlen die Trainer»

250 Junioren spielen derzeit beim FC Tössfeld, es könnten viel mehr sein, wenn der Kunstrasenplatz fertig verlegt und das Garderobengebäude neu gebaut ist. «Wir würden gerne mehr Kinder und Jugendliche aufnehmen, vielleicht auch wieder Mädchen», sagt der Juniorenverantwortliche, Michael Hunziker. Platz sei genügend da, die Nachfrage riesig, «aber uns fehlen die Trainer – auch Hilfstrainer.»

Die Situation in den anderen Quartierclubs der Stadt sieht nicht gross anders aus, beim FC Tössfeld aber ist der Druck besonders gross. Und die Kinder kommen aus ganz unterschiedlichen Kulturen und Milieus. Sprachbarrieren und kulturelle Schwellen zu überwinden, den Kontakt auch mit den Eltern zu suchen und zu pflegen, das gehört seit diesem Sommer zu den Aufgaben von Mehmet Dagli. Mit seiner Lebensgeschichte sei er dafür der richtige Mann, hiess es gestern.

«Wir würden gerne mehr Jugendliche und Kinder aufnehmen, aber uns fehlen die Trainer.»Michael Hunziker, Junioren-Koordinator beim FC Tössfeld

Die Stadträte Nicolas Galladé (Soziales) und Jürg Altwegg (Schule und Sport), die Jugendbeauftragte der Stadt und der Chef des Sportamts sowie Sämi Müller als Präsident des Trägervereins Jugendarbeit Gutschick stellten gestern den neuen Ansatz den Medien vor: Fussballvereine als bewährte Integrationsorte zu verknüpfen mit Jugendarbeit im Quartier.

Die Idee der jugendlichen Trainer an sich ist nicht ganz neu. Das Programm heisst «1418coach», wurde vom kantonalen Sportamt vor einigen Jahren lanciert und wird andernorts bereits praktiziert. Als Zückerli für die jugendlichen Coaches gibts ein Sackgeld von sieben Franken pro Training und fünf pro Spiel. Viel wichtiger aber sei es, wurde gestern gesagt, die Jugendlichen an die J+S-Trainer-Ausbildungen heranzuführen, die erst ab 17 oder 18 Jahren möglich sind. Gerade für Jugendliche, denen der sportliche Erfolg etwas weniger wichtig ist als die Freude am Fussball an sich, könnten diese Junioren-Trainings eine gute und wertvolle Alternative sein.

Pilotprojekt mit Chancen

Trägervereinspräsident Sämi Müller nannte Mehmed Dagli einen «Goldtreffer fürs Quartier»: «Er kennt die Leute und versteht ihre Mentalität.» Das sei die beste Voraussetzung, um bei den Eltern der Jugendlichen zu werben und die Sache zu erklären. Dagli ist zu 20 Prozent für diese Arbeit angestellt, weitere 50 Prozent arbeitet er im Treff.

Das «1418coach»-Programm im Gutschick mit dem FC Tössfeld als Partner ist als zweijähriges Pilotprojekt bis Sommer 2021 ausgelegt, das mit finanzieller Hilfe des kantonalen Sportfonds sowie der Hülfsgesellschaft möglich wurde. Weitere Geldgeber sind noch gefragt. Bei Halbzeit und am Schluss wird das Erreichte evaluiert. Wird es als Erfolg verbucht, kann es auf weitere Vereine ausgeweitet werden.

Erstellt: 10.09.2019, 17:51 Uhr

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