Winterthur

Der Täter ist die Spülmaschine

Eine nachträglich nicht mehr rekonstruierbare Schlägerei in einer Restaurantküche endet vor Gericht mit Freispruch.

Eine Spülmaschine kann anscheinend erstaunlich gefährlich werden.

Eine Spülmaschine kann anscheinend erstaunlich gefährlich werden. Bild: pixabay

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23. Dezember 2016, der Tag vor den Weihnachtsferien. Vier Personen arbeiten in der engen Küche eines Winterthurer Lokals. Eine Frau, drei Männer, einer davon ist Tellerwäscher. Die anderen drei Personen sind Köche. Alle in der Küche sind gestresst. Sie wollen schnell fertig und nach Hause gehen.

Um 20 Uhr bricht ein hefiger Streit aus zwischen dem Tellerwäscher und einem jungen Koch. Minuten später kniet der Tellerwäscher am Boden und hält sich den Oberarm. Dieser ist mehrfach gebrochen. Diese Körperverletzung wurde am Dienstag vor dem Bezirksgericht Winterthur verhandelt.

Der Tellerwäscher hatte den jungen Koch verklagt und Schadenersatz gefordert. Vor Gericht geht es darum, den Tathergang zu rekonstruieren. Klar ist nur, dass der Kläger mit dem Arm gegen die Spülmaschine gestossen ist, und dabei einen Bruch erlitten hat.

Zweimal Situationskomik

Es handelt sich bei dem Fall um eine Gastrospülmaschine. Im unteren Teil auf Arbeitshöhe wird das Geschirr eingeräumt. Dann wird der oberer Teil als Deckel darüber geklappt und die Maschine setzt sich in Gang. Die Maschine besteht aus rostfreiem Stahl. Im Moment des Streits stand die Maschine offen. Der Tellerwäscher gab zu Protokoll, dass ihn der junge Koch gestossen habe, er nach hinten gefallen sei und im Sturz die Arme hochgerissen habe. Dabei habe er sich am oberen Teil der Maschine angestossen und auf diese Weise den Arm gebrochen.

«Ich entschuldige mich nicht für etwas, das ich nicht gemacht habe.»Beschuldigter Koch

Der Kläger und die Staatsanwältin bleiben der Verhandlung fern. Sie haben ihre Standpunkte schriftlich eingereicht. Damit überlassen sie das Feld der Gegenseite.

Der beklagte Koch schildert den Tathergang ganz anders. Der Tellerwäscher sei seitlich zur Spülmaschine gestanden. Im Streit sei er plötzlich durchgedreht, habe mit der rechten Faust von unten nach oben ausgeholt, um den Koch einen Schlag zu versetzen, und habe dabei aber den Oberarm am oberen Teil der Spülmaschine angestossen und gebrochen.

Der beklagte Koch bringt seine Aussagen ruhig und entschlossen vor. Auf die Frage, warum er sich beim Kläger nicht entschuldigt und so die Sache im Guten bereinigt habe, sagt er: «Ich entschuldige mich nicht für etwas, das ich nicht gemacht habe.» Allerdings stand der Beklagte bereits vor drei Jahren wegen Raufhandels vor Gericht.

Zweimal zweifelhaft

Aussage steht gegen Aussage. Die Zeugin, die vor Gericht geladen ist, kann den Tathergang auch nicht erklären. Sie hat nur gehört, aber nicht gesehen, was in der Küche passierte. Ihre Aussagen stellen aber dem Tellerwäscher kein gutes Zeugnis aus. Ein Tellerwäscher steht auf der unteresten Stufe der Küchenhierarchie.

Er putzt den Dreck der Köche weg. Er verlässt am Abend die Küche als letzter, und zwar erst wenn alles sauber ist. Diese untergeordnete Stellung des Kläger habe zu Konflikten geführt: «Er hat manchmal einfach nicht gemacht, was ich ihm gesagt habe», sagt die Zeugin.

Nach dieser Zeugenaussage zieht der Verteidiger des jungen Kochs alle Register, um die Version seines Klienten als die glaubwürdigere darzustellen. In seinem Urteil folgt das Gericht dieser Argumentation nicht. Beide Versionen des Tathergangs seien in Zweifel zu ziehen. Da es aber für gar nichts Beweise gibt, spricht das Gericht den Koch frei.

Erstellt: 24.01.2019, 16:46 Uhr

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