Winterthur

«Design ist in Finnland etwas Alltägliches und Normales»

Arja Bolliger verkauft in ihrem Laden hochwertige finnische Produkte, die sie selber importiert. Von Wolldecken über Designermode bis hin zu Saunaprodukten und Barfussschuhen wird man hier fündig.

Die finnischen Saunahandtücher verkauft Arja Bolliger im Laden Finnart am häufigsten.

Die finnischen Saunahandtücher verkauft Arja Bolliger im Laden Finnart am häufigsten. Bild: Marc Dahinden

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«Ich bin 1981 als Au-pair-Mädchen nach Zürich gekommen. Davor hatte ich in Finnland die Kunstgewerbeschule in Richtung Textilgestaltung besucht. Ich wollte eigentlich schon immer einen Laden aufmachen, schon als kleines Mädchen habe ich auf der Nähmaschine meiner Grossmutter Puppenkleider aus Stoffresten genäht.

 «Ich wollte in der Schweiz Deutsch lernen, um mit den Touristen in Finnland reden zu können.»Arja Bolliger, Besitzerin Finnart

Kunsthandwerk und Design spielen in Finnland eine grosse Rolle, in jedem noch so kleinen Städtchen wird es angeboten. Die Finnen sparen und kaufen sich dann lieber etwas gut Gestaltetes als etwas Günstiges, Design ist etwas Alltägliches und Normales. Während der langen dunklen Winter spielt ein gemütlich eingerichtetes Daheim eine grosse Rolle.

In den 1970er-Jahren war Finnland eine richtige Design-Hochburg. Finnisches Design ist puristisch, aus Naturmaterialien und hat meist noch einen speziellen Kniff. Ein gutes Beispiel sind die Wolldecken von Marja Rautiainen, die in praktisch jedem finnischen Haushalt zu finden sind. Oder die 3-D-Postkarten von Lovi Oy aus Holz, man kann sie verschicken und dann aufstellen, sie sind nicht nur Dekoration.

Als Au-pair verliebt

Jedenfalls wollte ich in der Schweiz Deutsch lernen, um mit den Touristen in Finnland reden zu können. Leider wurde in meiner Au-pair-Familie kaum Deutsch gesprochen, sondern Finnisch, das war eigentlich gegen die Regeln. Drei Monate später habe ich meinen Mann kennen gelernt, mit dem bin ich heute noch zusammen. Wir haben zwei Kinder und leben in Winkel bei Bülach.

Saunaprodukte verkaufe ich schon seit 2004 in der Schweiz. Weil mein Mann in der EDV-Branche arbeitet, konnte ich damals einen der ersten Webshops eröffnen. Meine Kinder brauchten nicht mehr so viel Betreuung und ich wollte unbedingt etwas ‹Richtiges› machen. Freunde hatten mich gefragt, warum es in der Schweiz keine finnischen Saunaprodukte zu kaufen gebe. Das war der Anstoss zu meiner Selbstständigkeit. Am Anfang bin ich oft an Märkte gegangen, um mich bekannt zu machen, daneben hatte ich einen kleinen Shop-in-Shop in einem Fischereiladen in Bülach.

«Die Neustadtgasse hat es mir angetan»

Am häufigsten verkaufe ich im Finnart die Badetücher von Lapuan Kankurit, die sind aus Leinen und Tencel, sehr leicht, weich und saugfähig. Die werden immer besser, je älter sie sind. Weil ich die Produkte selber importiere, kann ich sie wegen des niedrigeren Mehrwertsteuersatzes in der Schweiz zum gleichen Preis wie in Finnland anbieten.

Im Hinterkopf hatte ich immer den Traum vom eigenen Laden. Ich wollte unbedingt nach Winterthur, die Stadt kannte ich gut, weil ich meine Kinder jahrelang jeden Mittwochnachmittag hierher in die finnische Schule gebracht habe. Zürich ist zu unpersönlich, und die Bülacher Altstadt wird immer kleiner, die Läden gehen alle zu, weil ringsum laufend Einkaufscenter eröffnet werden. Die Neustadtgasse mit ihren Kunsthandwerkerläden hatte es mir besonders angetan. Tatsächlich wurde zum 2. Mai 2014 ein ganz kleiner Laden frei, den ich übernehmen konnte.

Vor drei Jahren habe ich dann hierher auf die andere Strassenseite gewechselt. Wir haben in der Gasse einen tollen Zusammenhalt, vor zwei Jahren haben wir zusammen das erste Neustadtgassenfest gefeiert. Am 31. August gibt es eine Wiederholung, dann haben alle Läden und Werkstätten bis spät am Abend offen, es gibt zu essen und zu trinken und wir feiern zusammen.»

Erstellt: 20.05.2019, 09:15 Uhr

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