Winterthur

Die Angst der Politik vor dem Wärme-AG-Konkurs

In den nächsten Tagen entscheidet sich die Zukunft der Wärme Frauenfeld AG. Die Politik ist sich einig, trotz drohenden Verlusten.

Am 24. September wird über die Zukunft der Wärme Frauenfeld AG abgestimmt.

Am 24. September wird über die Zukunft der Wärme Frauenfeld AG abgestimmt. Bild: Marc Dahinden

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Die Wärme Frauenfeld AG, ein gemeinsames Energieprojekt der Städte Winterthur und Frauenfeld, soll es bald nicht mehr geben. Am 24. September stimmen die Frauenfelder Stimmbürger darüber ab, ob sie die Wärme AG vollständig in die städtischen Werkbetriebe integrieren wollen. Bereits am kommenden Montag tagt auch der Winterthurer Gemeinderat zum Thema.

«Bei Ablehnung wäre der Verlust allenfalls nicht kalkulierbar.» Aus der Mitteilung der Betriebskommission

Dabei geht es um einen Forderungsverzicht in Millionenhöhe. Die Politik in beiden Städten ist sichweitgehend einig: Besser, man schiesst jetzt Geld ein, statt sich dem Risiko eines Konkurses auszusetzen.In die Schlagzeilen geriet die Wärme AG 2016 wegen roterZahlen und undurchsichtiger Vorgänge bei Stadtwerk Winterthur. Vor einem Jahr wurde bekannt, dass die Stadtwerk-Chefs Ausgaben für die serbelnde AG verschleiert hatten. Zwei Spitzenbeamte mussten gehen, Stadtrat Matthias Gfeller tratzurück.

Die jetzt bevorstehende Lösung kam nach monatelangen Verhandlungen der beiden Exe­kutiven zustande, der Wärme-Deal sieht Folgendes vor:

  • Frauenfeld: Für den Kauf der Wärme AG und einen Anteil an der Sanierung müssen die Frauenfelder Stimmbürger 4,42 Millionen Franken bewilligen. An der Sanierung der Anlagen, die alle auf Frauenfelder Stadtgebiet stehen, beteiligen sich weitere Gläubiger wie die Thurgauer Kantonalbank und der Kanton. Der Abwasserverband Frauenfeld erlässt als Aktionär für mehrere Jahre die Miete auf einem eigenen Areal.
  • Winterthur: Die Stadt hat bei der Wärme AG offene Forderungen in Höhe von 2,9 Millionen Franken. Stimmt der Gemeinderat nächsten Montag dem angedachten Forderungsverzicht zu, betragen die Verluste für Winterthur noch 1,4 Millionen. Stadtwerk Winterthur soll den Wärmering mit Pumpen und Anlagen weiterhin betreiben und unterhalten.

Wann rechnet sich die AG?

Gegen diese Pläne regte sich in den letzten Monaten kein politischer Widerstand. Bemängelt wurde einzig, dass der Wärmering-Strom im Vergleich teuer ist und sich noch immer keine schwarzen Zahlen abzeichnen. In Frauenfeld haben alle Parteien für den 24. September die Ja-Parole herausgegeben. Die Befürchtung ist, dass bei einem Nein die bisher getätigten Investitionen in die AG in Höhe von 9,9 Millionen Franken vergebens waren.

In Winterthur hat sich gestern die Betriebskommission des Gemeinderats an die Medien gewandt. Sie empfiehlt laut einer Mitteilung «mit grosser Mehrheit» einen Forderungsverzicht. Die Kommission sei überzeugt, dass eine Ablehnung im Gemeinderat zum Konkurs der Wärme AG führen würde. «In diesem Fall wäre der Verlust allenfalls nicht kalkulierbar.»

(Der Landbote)

Erstellt: 12.09.2017, 18:26 Uhr

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