Perspektiven

«Die Autobahn ist omnipräsent»

Christoph von Ah vom Forum Architektur sagt im Interview, wo Winterthur schon modern gestaltet ist und wo es aufblühen könnte, ja sollte.

In Zinzikon ist die A1 zwar kaum mehr zu sehen, durch den Lärmpegel aber dennoch präsent.

In Zinzikon ist die A1 zwar kaum mehr zu sehen, durch den Lärmpegel aber dennoch präsent. Bild: Google Maps

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Ist ein Stadtspaziergang von Experten und Laien die richtige Form, um städtebauliche Visionen entwickeln zu können?
Christoph von Ah: Sie hat sich bewährt, ja. Beim Spazieren nimmt man seine Umgebung – Formen, Bauten und Räume – mit allen Sinnen wahr, mit Augen, Füssen und der Nase. Ausserdem kommt man spazierend gut ins Gespräch. So kommen viele Perspektiven und Ideen zusammen, was ja das Ziel der Stadtwerkstätten ist, nicht detaillierte, pfannenfertige Konzepte.

Finden sich Laien und Experten gegenseitig mit ihren jeweiligen Ideen von der Stadt der Zukunft?
Ja, Laien reden oft auf Augenhöhe mit, denken aber weniger ganzheitlich und abstrakt, dafür konkreter. Eine Hobbyornithologin zum Beispiel gab den Input, dass man bei der Gestaltung von Freiraum auch die Nistplätze der Vögel stärker berücksichtigen sollte. Wir Experten sehen beim Thema Biodiversität und Naherholung erstmals die grossen Linien.

Bleiben wir konkret. Was ­nehmen Sie von den ersten Spazier­gängen bereits mit?
Viel. Beim Abgehen der Stadtränder zum Beispiel ist uns aufgefallen, wie uneinheitlich diese gestaltet sind: Entweder sie fransen extrem aus oder schliessen in harten Kanten ab. Die Autobahn, ist dort optisch extrem präsent, egal ob in Wülflingen, Töss oder Zinzikon, dort vor allem akustisch. Winterthur wird bis 2040 auch an den Rändern wachsen. Verdichtet man auch dort und will die Lebensqualität halten, wird man die A1 irgendwie neu einbetten müssen. Allgemein liegt der Fokus derzeit einseitig auf dem Stadtzentrum, dabei sind vor allem die Stadtränder erst unkontrolliert entwickelt. Dättnau/Steig könnte man viel besser an die Stadt anbinden, Zinzikon stärker verdichten und den Dorfkern aufwerten. Zudem sind die Stadtränder kaum miteinander vernetzt. Das ist schade.

Und wo haben Sie zentral ­liegendes Brachland geortet?
Nehmen Sie die Zeughauswiese. Sie ist riesig und steht meist leer. Hier wären diverse Zwischennutzungen möglich. Unweit davon liegt im Quartier Wildbach-Langgassen der Viehmarkt, ein grosses ehemaliges Parkfeld, lauschig und gesäumt von Bäumen. «Hier kommt unser See hin», wurde jeweils gescherzt. Raumplanerisch ein Bijou wäre auch ein breiter Streifen zwischen Sulzer-Hochhaus und Hessengütli, Richtung Schützenwiese, wo heute viele locker angesiedelte Einfamilienhäuser, Pünten und Fussballplätze stehen...

«Die Stadtränder haben sich relativ unkontrolliert entwickelt». Christoph von Ah vom Forum Architektur.

... die sich unter dem Stichwort «Verdichtung» nicht einfach wegrationalisieren lassen werden.
Sicher nicht radikal von heute auf morgen, das kann nicht das Ziel sein. Wir haben ja nur das Potenzial geortet. Aber wenn man in längeren Zeiträumen denkt, muss man auch einen grösseren Massstab ansetzen.

Wo lässt sich aus Ihrer Sicht auch mit wenig Mitteln schnell und viel herausholen?
Bei den Freiräumen. Anders als Siedlungen sind sie beständiger und prägen die Wahrnehmung und Atmosphäre einer Stadt langfristig. Eulach und Töss sind heute kaum zugänglich, die Uferbereiche kaum gestaltet, leider! Auch der Stadtpark ist nicht fertig gedacht. Ihn müsste man viel direkter an die Altstadt und das Theater anbinden, als grüne Passerelle quasi.

Dann müsste man die Stadthaus- und Museumstrasse ­verkehrsberuhigen.
Ja, vielleicht in Form von Begegnungszonen, für den Verkehr durchlässig, aber ohne Trottoirs, ebenerdig.

Mobilität war auch bereitsein Thema?
Noch nicht vertieft. Aufgefallen ist uns aber, dass man die heute etwas eingeschlafenen Quartierbahnhöfe zu Knotenpunkten aufwerten könnte.

Wo ist Winterthur heute schon «2040»?
Um das Sulzer-Areal beneiden uns die Zürcher. Modern ist sicher der Eulachpark. Er ist grosszügig angelegt und vor allem nicht ganz zu Ende geplant. Wenn Freiräume in sich veränderbar bleiben, bleiben sie auch attraktiv.

(Der Landbote)

Erstellt: 24.03.2018, 10:17 Uhr

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