Winterthur

Die besseren Hälften der Stadträte

Selber Politiker sein möchten sie nicht, und doch haben sie fast täglich mit Politik zu tun: Vier Partner von Stadtratsmitgliedern haben erzählt, wie es ist, auf der Marktgasse Bürgersorgen und -ärger mit anzuhören.

Die besseren Hälften unter sich: Susanna Lisibach, Reto Rohrer (Ehemann von Yvonne Beutler), Moderator Michael Zollinger, Elly Brenner (Partnerin von Jürg Altwegg) und Matthias Günthard im angeregten Gespräch im Rahmen des Stadttalks.

Die besseren Hälften unter sich: Susanna Lisibach, Reto Rohrer (Ehemann von Yvonne Beutler), Moderator Michael Zollinger, Elly Brenner (Partnerin von Jürg Altwegg) und Matthias Günthard im angeregten Gespräch im Rahmen des Stadttalks. Bild: Marc Dahinden

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Derzeit sind ihre Partner oder Partnerinnen noch etwas weniger zu Hause als sonst schon; es ist Wahlkampf, die Podien, Anlässe und Apéros häufen sich.

Am Donnerstag in der Coal Mine Bar sassen aber für einmal die Politiker im Publikum und ihre besseren Hälften, so der Titel des Talks, auf der Bühne: Matthias Günthard, Hausarzt in einer Gruppenpraxis und praktizierender Vater, Susanna Lisibach, ehemalige Polizistin in Basel und teilzeitbeschäftigt im Betreibungsamt von Wülflingen. Dann Elly Brenner, Partnerin von Jürg Altwegg (Grüne) mit eigener Massagepraxis in Oberi, und Reto Rohrer, Ehemann Yvonne Beutlers (SP) und Bildtechniker fürs Fernsehen.

«Ich wäre nicht der Typ für den Stadtrat. Für mich gibs nichts besseres als Arzt.»Matthias Günthard,
Ehemann von Barbara Günthard (FDP)

Rohrer ist sich den Umgang mit Politikern vom Fernsehen her gewohnt, er arbeite oft für die Sendung Arena, sagte er. Aber selber Politik machen? «Ich bin lieber im Hintergrund und nicht im Scheinwerferlicht.» Was nicht heisse, dass er unpolitisch sei: «Mein Vater war Arbeiter, und auch ich stehe auf dieser Seite.»

Selber Stadtrat sein? «Nein, ich bin am richtigen Ort, wo ich jetzt bin», sagte Elly Brenner. «Ich wäre nicht der Typ für strategische Ideen», gestand Matthias Günthard, «für mich gibt es keinen besseren Beruf als Arzt.» Auch Susanna Lisibach winkte ab bei der Frage nach einer eigenen politischen Karriere: «Ich wäre zu direkt für diesen Job.»

«Sie ist die beste Frau!»

Es war ein angenehmes, unaufgeregtes Gespräch, das der Moderator Michael Zollinger mit seinen Talkgästen führte. Er musste nichts aus ihnen herauskitzeln, es gab keine ausufernden Debatten darüber, wer nun was erfunden oder behauptet hatte. Vielmehr bot der Talk Gelegenheit, persönlichere Seiten der Politiker kennenzulernen, die man oft nur als Sprachrohre, Debattierer und Selbstdarsteller kennt.


«Ich bin lieber im Hintergrund und nicht im Scheinwerferlicht.»
Reto Rohner,
Ehemann von Yvonne Beutler (SP)

Was empfinden die vier, wenn sie in der Zeitung solche Darstellungen ihrer Partnerin lesen, fragte Zollinger. «Barbaras fröhlicher Charakter kommt jeweils nicht so raus», sagte Matthias Günthard. «Yvonne ist sehr warmherzig, das fehlt meistens in den Porträts», sagte Reto Rohrer und schickte ihr eine Liebeserklärung hinterher: «Sie ist überhaupt die beste Frau.»

Etwas versteckter sendeten auch die übrigen drei ihren Politiker-Partnern nette Botschaften. Matthias Günthard etwa sagte, ohne das Stadtratsamt seiner Frau hätte er wohl einfach seine damalige Hausarztpraxis weitergeführt. So aber war er gezwungen, die Kinder mehr in die Planung einzubeziehen. Heute sei er glücklich darüber, auch deshalb, weil er nun mit mehreren Kollegen zusammen eine Praxis führe.

«Manchmal nervt es schon»

Und wie empfinden es die Partner, wenn sie als Paar unterwegs sind, sagen wir auf der Marktgasse, wo sie dauernd angesprochen werden? «Manchmal nervt das schon», findet Susanna Lisibach. «Aber ich kann ja schlecht eine Tafel um den Hals hängen: Privat unterwegs.»

«Ich mag zwar die Buurezmorge, aber noch mehr mag ich Depeche Mode.»Susanna Lisibach,
Ehefrau von Josef Lisibach (SVP)

Ganz unhöflich finde ich es, wenn nur Josef angesprochen wird und das Gegenüber mich weder grüsst noch zur Kenntnis nimmt.» Und gleich noch eine nervige Sache musste sie loswerden: «Wenn man auf das SVP-Buurezmorge-Cliché reduziert wird. Ich mag zwar Buure-zmorge, aber noch mehr mag ich die Musik von Depeche Mode.»

Notfalls Marktgasse meiden

Elly Brenner meidet beim Zusammensein mit Jürg Altwegg die Marktgasse und geht lieber in die Berge. Denn «wenn ein Sermon an Klagen kommt, ist der Kanal nach zehn Minuten voll». Generell aber sei die Bevölkerung eher diskret und rücksichtsvoll.

«Ich bin am richtigen Ort, wo ich jetzt bin»Elly Brenner,
Partnerin von Jürg Altwegg (Grüne)

Keine Mühe mit solchen Gesprächen auf der Strasse hat Matthias Günthard: «Es ist eine Frage des Ausmasses und auch der eigenen Art. Als Arzt treffe ich selber auch überall Leute und rede gerne mit ihnen.» Und wenns doch einmal zu viel wird: die Marktgasse meiden.

(Der Landbote)

Erstellt: 26.01.2018, 16:31 Uhr

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