Brüttener Tunnel

Die Bevölkerung befürchtet eine markante Lärmzunahme

Zum ersten Mal haben die Verantwortlichen die Tösser Bevölkerung über den Stand der Pläne für das Projekt Brüttener Tunnel informiert. 180 Interessierte sind der Einladung gefolgt und haben ihre Befürchtungen deponiert.

Mit dem Brüttener könnten künftig 900 statt wie bisher 670 Züge pro Tag durch Töss fahren.

Mit dem Brüttener könnten künftig 900 statt wie bisher 670 Züge pro Tag durch Töss fahren. Bild: Natalie Guinand

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Insgesamt acht Jahre lang soll ab 2026 am Brüttener Tunnel gebaut werden. Es ist ein Grossprojekt mit einer Vielzahl von Teilprojekten, von denen eine grosse Zahl den Stadtteil Töss tangiert. Was alles auf die Quartierbevölkerung zukommt, das erklärten die SBB und die Stadt am Dienstagabend an einer gemeinsamen Informationsveranstaltung in Töss.

Kurz zusammengefasst sind es die folgenden Teilprojekte, von denen an dieser Stelle schon früher die Rede war.

Erstens der Masterplan Bahnhof Töss mit neuen Perronanlagen, einem zusätzlichen Gleis und einer neuen Unterführung.

Zweitens die Überwerfung Neumühle, eine achthundert Meter lange und am höchsten Punkt zwölf Meter hohe Eisenbahnbrücke nahe den Wohnhäusern der Eichliackerstrasse.

Drittens die Unterquerung Storchenbrücke, ein Tunnel Richtung Hauptbahnhof. Viertens ein Interventionszentrum mit Lösch- und Rettungszügen, Büros und Schlafräumen für den 24-Stunden-Betrieb nahe der heutigen Unterführung Auwiesenstrasse. Und fünftens «weitere Anpassungen der Bahhinfrastruktur», wie die SBB summarisch zusammenfassen.

«Mit der Entwicklungsvereinbarung können wir dafür sorgen, dass die SBB nicht nur ihre Interessen verfolgen»Michael Künzle
Stadtpräsident

Verkehrstechnisches Ziel des Brüttener Tunnels ist es, mit zwei zusätzlichen Einspurröhren zwischen Bassersdorf respektive Dietlikon und Winterthur das heutige Nadelöhr im Bahnnetz zwischen Zürich und Winterthur zu beheben.

Auf der Strecke könnten dann 900 Züge pro Tag verkehren anstatt wie heute rund 670, wie SBB-Gesamtprojektleiter Gerry Steiner den rund 200 Besuchern der Infoveranstaltung erklärte.

Nötig seien die Bauten, da die Kapazitätsgrenze des «schienengebundenen Verkehrs» erreicht sei, bis 2040 aber mit einer markanten Zunahme der Passagierzahl gerechnet werde.

Ein «negativer städtebaulicher Gewinn»

«Die Projekte, die auf Sie zukommen, werden das Gesicht von Töss verändern», sagte Stadtpräsident Mike Künzle (CVP) in Töss. Damit sprach er nicht nur das projektierte Bauwerk Brüttener Tunnel an, sondern auch den geplanten Ausbau der Autobahn A1, der im gleichen Zeitraum stattfinden soll.

Mit den SBB habe die Stadt eine Entwicklungsvereinbarung abschliessen können, um das Grossprojekt so «stadtverträglich» wie möglich zu machen und dafür zu sorgen, dass «die SBB nicht nur ihre Interessen verfolgen», sagte Künzle und lobte die gute Zusammenarbeit. Und Stadtbaumeister Jens Andersen versicherte, auch mit dem Bundesamt für Strassen (Astra) stehe die Stadt in engem Austausch.

Sorgen bereite die geplante Erweiterung der A1 rund um Winterthur von zwei auf bis zu vier Spuren dennoch. Denn damit würden einzelne Quartiere noch mehr voneinander getrennt. Dem Astra habe die Stadt kommuniziert, dass die derzeitigen Pläne einen «negativen städtebaulichen Gewinn» hätten, so Andersen.

Verschiebung der Baute ist nicht ausgeschlossen

Gegen die Notwendigkeit des Projekts Brüttener Tunnel gab es seitens der Tösser Bevölkerung keine Einwände. Befürchtungen löst aber die lange Bauzeit aus, insbesondere die Lärm- und Staubbelastung, die Erschütterungen und der Schwerverkehr geben der Bevölkerung zu denken.

Ein Thema ist auch die Umgestaltung des Bahnhofs Töss, weil dadurch der für Quartieraktivitäten genutzte Platz vor dem Güterschuppen stark verkleinert werden soll. Und bei der Überwerfung Neumühle fürchten Anwohner die Lärmbelastung durch die Züge sowie eine ästhetische Abwertung des Quartiers und eine Minderung der Häuserpreise.

Auf die Frage, ob die Überwerfung nicht mehr gegen den Stadtrand verschoben werden könnte, antwortete Urs Honold, SBB-Abschnittsleiter, der Planungsprozess laufe noch, man prüfe weitere Varianten.

Der Bundesrat empfiehlt den «Bahnausbauschritt 2035», in dem der Brüttener Tunnel vorgesehen ist, zur Annahme. Das eidgenössische Parlament entscheidet noch dieses Jahr. Gibt es grünes Licht, wird in den nächsten vier Jahren die Umsetzung geprüft. Die Zusammenarbeit mit der Bevölkerung sei dabei erwünscht, versicherte Honold.

Erstellt: 12.06.2019, 15:55 Uhr

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