Winterthur

Die CVP ist in jeder zweiten Frage gespalten

Bei keiner ­anderen Partei ist man in Sachfragen so ­oft uneinig wie bei der CVP. Deren Kandidaten sind häufiger verschiedener als gleicher Ansicht, wie Smartvote-Daten zeigen.

Mehr Subventionen für städtische Krippen? Die Familienpartei CVP spalten nicht nur Schul- und ­Betreuungsfragen, sondern  auch Themen wie Polizeipräsenz, Schuldenbremse oder Steuerfuss.

Mehr Subventionen für städtische Krippen? Die Familienpartei CVP spalten nicht nur Schul- und ­Betreuungsfragen, sondern auch Themen wie Polizeipräsenz, Schuldenbremse oder Steuerfuss. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Was bekommt man, wenn man die SP wählt? Das, was man denkt: eine soziale, kultur- und ausländerfreundliche Politik mit hohen Staatsausgaben und Steuern. Bei anderen Parteien ist viel ­weniger klar, wofür sie stehen, wie Daten der Wahlhilfe Smartvote zeigen.

Wir haben ausgewertet, wie einheitlich die Gemeinderatskandidaten der verschiedenen Parteien den Fragebogen von Smartvote ausfüllten.

Das Ergebnis: Die CVP ist bei 30 von 48 Sachfragen gespalten, mindestens doppelt so häufig wie die anderen Parteien. Relativ uneinheitlich sind die Meinungen auch bei EVP und SVP. Was die SVP angeht, ist Vorsicht bei der Analyse geboten, da nur ein kleiner Teil der Kandidaten an der Umfrage teilnahm.

«Unterschiedliche ­Meinungen sind in Ordnung»

Die CVP spalten verschiedene Themen: Krippensubventionen, Tages­schulmodell und Schulweglotsen, Mindestlohn, Rentenalter und Pensionskassensanierung, Schuldenbremse und Steuerfuss, Polizeipräsenz, Videoüberwachung und günstiger Wohnraum.

«Als Mittepartei decken wir breite Bevölkerungsschichten ab», meint CVP-Präsident Andreas Geering. «Sowohl konservative als auch liberale Haltungen haben Platz.» Dass die divergierenden Positionen die Wähler ver­unsichern könnten, glaubt er nicht. Die CVP habe ein sehr klares Parteiprogramm; jeder könne dort nachlesen, wofür man stehe.

«Als Mittepartei decken wir breite Bevölkerungsschichten ab. Bei uns haben sowohl konservative als auch liberale Haltungen Platz.»Andraas Geering,
CVP

Auch EVP-Präsidentin Barbara Günthard sagt, als Volkspartei sei man eben breit aufgestellt. «Unterschiedliche Meinungen sind in Ordnung. Es gibt bei uns Leute aus der Wirtschaft und aus dem Sozialbereich.» So sei man für links und rechts wählbar.

Uniform sind die Meinungen bei der AL (zwei uneinheitlich beantwortete Fragen) sowie bei SP und Grünliberalen (je drei). SP-Co-Präsident Christoph Baumann hat eine einfache Erklärung: «Es wurden klare Fragen gestellt, bei denen man klar Position beziehen kann.»

Auch bei den Grünliberalen heisst es, man habe eben ein klares Profil. Allerdings half man der Einigkeit etwas nach, berichtet Co-Präsident Beat Meier: Man stellte den Kandidaten Beispielantworten zu, «zur Orientierung, jeder konnte frei antworten». Andere Parteien wie die CVP verzichteten ganz auf Vor­gaben. Die EVP stellte ebenfalls Musterantworten zur Verfügung, «zur Hilfestellung», so Günthard.

Etwas überrascht von der eigenen Geschlossenheit zeigt man sich bei der AL. «Ich nehme uns als eher heterogenen Verbund wahr», sagt David Berger. Der langjährige Gemeinderat hat festgestellt, dass einige Themen, die die Linken üblicherweise spalten, etwa der EU-Beitritt oder militärische Auslandein­sätze, im aktuellen Fragebogen fehlten.

Diesmal beantworteten die Kandidaten von AL und SP die Fragen uneinheitlich, ob die Zollfreigrenze für Einkäufe im Ausland gesenkt werden soll (AL: 46 Prozent Ja, SP: 39 Prozent), und ob es mehr Hochhäuser braucht (46 und 66 Prozent Ja).

Diese Fragen spalten die Parteien am stärksten (Für eine vergrösserte Ansicht hier klicken.)

Viele Abweichleroder nur ganz wenige?

In der vorliegenden Auswertung gelten Fragen als uneinheitlich beantwortet, bei denen mindestens ein Drittel der Kandidaten eine von der dominanten Parteimeinung abweichende Position vertritt.

Ein Beispiel: 58 Prozent der CVP-Kandidaten sind gegen einen bezahlten Vaterschaftsurlaub, 42 Prozent sind dafür; in dieser Frage ist die Partei gespalten, denn der Anteil derer, die die Minderheitsmeinung vertreten, ist hoch (über 33,3 Prozent). Eine einheitliche Meinung vertritt die SP: Hier sind 98 Prozent für den Urlaub, nur zwei sind dagegen.

Berechnet man alternativ, wie hoch im Durchschnitt der Anteil derer ist, die von der vorherrschenden Meinung abweichen, erreicht ebenfalls die CVP den höchsten Wert: 29,8 Prozent. Bei der AL beträgt dieser Anteil nur 8,8 Prozent.

Die Antwortmöglichkeiten «Eher ja» und «Eher nein» wurden den Kategorien «Ja» und «Nein» zugeschlagen. Nicht einbezogen wurden die Kleinstparteien BDP, EDU und Piraten, von denen jeweils weniger als zehn Kandidaten an der Umfrage teilnahmen.

Umstritten: Hallenbadund Hochhäuser

Wie die Auswertung auch zeigt, spalten manche Themen die Kandidaten parteiübergreifend sehr stark (siehe Grafik oben). Teilweise mag das wenig überraschen, zum Beispiel bei Program­mier­kursen in der Primarschule.

Uneinheitliche Ansichten bestehen aber auch bei grundlegenden Fragen wie der Erhöhung des Rentenalters (dagegen: SVP, CVP, markanter Ja-Anteil bei den Grünen). Ein sehr buntes Bild zeigt sich bei den Fragen, ob Winterthur ein neues Hallenbad respektive mehr Hochhäuser braucht. Die letzte Frage spaltet sechs von acht Parteien.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.02.2018, 17:05 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare