Geschichte

Die Exil-Winterthurer im Regierungsrat

Warum das jetzige Winterthurer Trio in der Zürcher Kantonsregierung doch einzigartig ist.

Winterthurer Politiker, wohnhaft in Zürich: Regierungsrat Albert Locher.

Winterthurer Politiker, wohnhaft in Zürich: Regierungsrat Albert Locher. Bild: Schweizerisches Sozialarchiv

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Drei Winterthurer in der Zürcher Kantonsregierung habe es noch nie geben, schrieb der «Landbote» nach den Wahlen vom 24. März. «Drei Winterthurer Regierungsratsmitglieder gab es seit 1914 nicht mehr», schrieb der «Landbote» gestern nach dem offiziellen Empfang von Natalie Rickli (SVP), Martin Neukom (Grüne) und Jacqueline Fehr (SP) im Stadthaus. Was stimmt nun?

Was ist ein «Winterthurer»?

Beides. Denn: «Es hängt davon ab, wie man den Begriff ‹Winterthurer› definiert», sagt Marlis Betschart, Leiterin des Stadtarchivs. Auf ihre Recherchen geht die Meldung vom Winterthurer Trio im Regierungsrat in den Jahren 1911 bis 1914 zurück, die Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) in seiner Gratulationsrede vom Mittwochabend erwähnte. Betschart fasste das Wort «Winterthurer» weiter und zählte auch jene Politiker mit, die lange hier gelebt hatten und mit der Stadt verbunden waren.

Konkret geht es um Albert Locher, Regierungsrat von 1893 bis 1914. Der Pfarrer amtete in Altikon und Wülflingen, bevor er von 1880 bis 1893 als Redaktor beim «Landboten» arbeitete. Dann wurde er für die Demokratische Partei in die Kantonsregierung gewählt. 1898 zog er um ins heutige Zürcher Seefeld.

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Auch der Grütlianer Heinrich Ernst, Regierungsrat von 1897 bis 1920, wurde als Winterthurer gewählt und zügelte schon ein Jahr später nach Zürich. Diese beiden Exilanten zählte der «Landbote» bei seinen Nachforschungen nicht mit; wir berücksichtigten schlicht den Wohnort. Gemäss dieser Definition sass von 1911 bis 1914 alleine der Winterthurer Gustav Keller im Regierungsrat.

Was nach all diesen Recherchen sicher ist: Dass drei in Winterthur wohnhafte Personen in der Zürcher Regierung sitzen, ist seit der Einführung der Verfassung von 1869 einzigartig. Bleibt zu hoffen, dass Rickli, Neukom und Fehr ihre historischen Vorgänger nicht nachahmen – und nach Zürich ins Exil ziehen.

Erstellt: 11.04.2019, 18:27 Uhr

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