Winterthur

Die Fabrikkirche ist finanziell gepolstert, hat aber Personalsorgen

Nach nicht einmal einem Jahr muss die Fabrikkirche seine Co-Leitung neu besetzen.

Die Fabrikkirche ist seit 2017 im Bistro Akazie zu Hause.

Die Fabrikkirche ist seit 2017 im Bistro Akazie zu Hause. Bild: Marc Dahinden

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Bei der Fabrikkirche hat sich seit Ende 2017 viel verändert. Die frühere Heimat auf dem Sulzer-Areal, die Halle 1019, wurde planiert. Seither ist die Projekt­kirche in der Altstadt zu Hause, im Bistro Akazie beim Merkurplatz. Dort hat sie zuletzt mit ihrem «Solidaritätsexperiment» von sich Reden gemacht, bei dem Gäste für ein Mittagsmenü zahlen können, so viel sie wollen. Die Aktion zog neues Publikum an, die Umsätze stiegen um über 30 Prozent. Das Bezahlmodell bleibt, und neu gibt es zwei reine Vegi- und Vegan-Tage.

Dass die Fabrikkirche nach dem Wegzug von der Lokstadt weitermachen kann, war keineswegs klar. Offen ist noch, ob künftig weiter 160'000 Franken der Kantonalkirche fliessen. Doch immerhin hat der Stadtverband der Winterthurer Kirch­gemeinden der Fabrikkirche bis 2021 weitere 240'000 Franken pro Jahr zugesichert. Das ist insofern bemerkenswert, weil der Verband die Leistungsvereinbarung vor einem Jahr noch gekündigt hatte. Zu unsicher sei man, hiess es damals, wie solide das neue Konzept der Akazie sein könne. EVP-Nationalrat Nik Gugger, der Gründer der Fabrikkirche, nahm entnervt den Hut.

Hohes Defizit

Mit dem Jahresbericht lagen die Zahlen dann auf dem Tisch: Das Restaurant machte 2018 rund 110'000 Franken Umsatz, was nur einen Teil der Miet- und Personalkosten deckte. Insgesamt schloss die Fabrikkirche 180'000 Franken im Minus, was von den eigenen Reserven abgeht. «Wir arbeiten natürlich daran, dass das Defizit von Jahr zu Jahr kleiner wird», sagt Isabelle Schär, die theologische Leiterin. Dies zum einen durch mehr Publikum in der Akazie, aber auch Spenden und mittelfristig etwa durch mehr Arbeitsintegrationsplätze.

Bereits kurz vor dem Start ist das Kaffeebus-Projekt. Damit ist das Team auf Plätzen und in den Quartieren unterwegs, für einen Schwatz, um wieder näher bei den Leuten zu sein. Und in der «Ansprechbar» soll jeden zweiten Freitagabend Neo-Winterthurer und Alteingesessene Bekanntschaft machen. «Das ist ein grosses Thema», meint Schär.

Co-Leitung fällt weg

Es sind Ideen, die Co-Leiterin ­Andrea Weinhold als «Kirchenvisionärin», ein­gebracht und mitentwickelt hat. Aus gesundheitlichen Gründen verlässt sie nach zehn Monaten die Fabrikkirche per Anfang Juli wieder, und Co-Leiter Renato Pfeffer beginnt seine praktische Ausbildung als Pfarrer. Damit muss sich die Fabrikkirche an der Spitze neu aufstellen - schon wieder. «Wir sind auf der Suche und zuversichtlich, dass wir bis im Herbst jemanden gefunden haben», sagt Schär. Er oder sie wird sich die Leitung vorerst mit Marie-Lena Sczepek teilen, die in der Geschäftsleitung neu für das Personal sowie die Finanzen zuständig ist.

Erstellt: 16.06.2019, 17:53 Uhr

Co-Leiter Renato Pfeffer beginnt seine praktische Ausbildung als Pfarrer. (Bild: zvg)

Die Co-Leiterin Andrea Weinhold verlässt die Fabrikkirche aus gesundheitlichen Gründen per Anfang Juli. (Bild: Madeleine Schoder)

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