Winterthur

Die Winterthurer Badis im grossen Test

Der Landbote hat die fünf städtischen Schwimmbäder unter die Lupe genommen und die verschiedenen Attraktionen ausprobiert.

Wülflingen – Schüler findens Top

Hierher locken die sanierte Sauna, das Rugeli-Huus sowie die unlängst erneuerten Pools zum Planschen, Schwimmen und Springen. Ein paar der Nebenanlagen jedoch haben schon bessere Zeiten gesehen. Ab diesem Winter wird saniert.

Video: maf/huy. Schnitt: huy

«Es quietscht, das macht uns etwas Angst», sagen die Teenager, die gerade die vier Schaukeln und den Rundlauf am hinteren Rand der Wülflinger Badi begutachten. Die zwei Anlagen wirken tatsächlich etwas angerostet.

Eine Idylle ist auch das daneben stehende Neben-WC der Badi nicht. Offenbar fällt es den Besuchenden etwas schwer, abseits des Badirummels mitzuhelfen, allgemein übliche Hygienestandards aufrechtzuerhalten. Doch der Bademeister verspricht baldige Abhilfe: Im nächsten Winter werde der hintere Teil völlig neu gestaltet. Die Stadt müsse ohnehin alles umgraben, um eine Abwasserleitung neu zu legen. Bis in den nächsten Sommer hinein würden die drei beanstandeten Anlagen durch neue und wieder zeitgemässe Geräte ersetzt.

Sehr lebendige Schildkröten

Am Badebereich selber gibt es nichts auszusetzen. Diesen Frühling musste das Einmeterbrett aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. Vor ein paar Jahren haben die Pools wie in den meisten anderen Bädern Chromstahl­böden bekommen. Breitrutschbahn, Kletternetz und beide Wasseranlagen im Kinderpool funktionieren zum Spass der kleinen und grossen Kinder.

Viel Freude, manchmal auch Schrammen, bereitet das kleine Trampolin, das bei voller Badi nur gegen Entgelt halbstündlich zu mieten ist, damit alle einmal drauf können. Exklusiv unter den Badis sind die frisch sanierte Sauna (20 000 Besuchende jährlich) und das Rugeli-Huus (100 Vermietungen) in der südöstlichen Badiecke, das man für Privatfeste mieten kann. Als kleiner Geheimtipp gilt, sich zum Zvieri auf die Terrasse zu setzen und die Schildkröten zu beobachten, die sich zumindest am Testtag echt sportlich durchs Gehege und durch ihren Teich bewegen.

Der Kiosk selber ist in Ordnung, als Hit unter den Teenagern gelten Schnitzelbrot und Fischknusperli. Mit den grosszügigen und da und dort auch Schatten spendenden Liegeflächen sowie einem kleinen Fussball-, Badminton- und Volleyballplatz finden die Teenager Wülflingen «die beste Badi in Winterthur». Im Wasser allerdings könne es manchmal sehr eng werden. Vor allem im tiefen Becken unter den Sprungtürmen. An dessen Rändern würden oft «halbe Schulklassen» herumhängen.

Geiselweid – das fast perfekte Grossstadtbad

Das älteste Schweizer Freibad hat sich mit den jüngsten Sanierungen zum saubersten und – neben Oberi – modernsten gemausert. Schwächen sind für Normalschwimmer allenfalls bei den Platzverhältnissen auf den Schwimmbahnen zu orten.

Video: mö/huy. Schnitt: huy

Olympiabecken, Naturpool, Erlebnisbecken mit Strömungslauf, Kletternetz und Breitrutschbahn, Beachvolleyball-, Fussball- und Badmintonfeld, Pingpong­tische, grosser Sandkasten, Hüpfkissen, Kinderplanschbecken und Grillstelle; kaum eines der fünf städtischen Schwümbis bietet eine derartige Vielfalt an Sport- und Spassaktivitäten. Alles ist im Eintritt inklusive und ausserhalb der vorgegebenenen Langsam- und Schnellschwimmerbahnen scheint die Gross-stadtbadi ohne grosse Reglementierung gut zu funktionieren.

Automatische Wasserqualität

Selbst der Naturpool, bei dem es anfänglich Klagen gegeben hatte, weil allzu viel Natur einigen Benutzern zu schmutzig war, schneidet heute tadellos ab. Erreicht wurde dieses Resultat, indem der Boden des idyllischen Beckens einmal täglich abgeschöpft und ein Mittel gegen zu viel wachstumsförderliches Phosphat eingespiesen wird. Früher ekelten sich Ökoschwimmer beim Sprung ins Grüne. Rutschig ist der Boden zwar immer noch, aber ohne Algenteppich an der Oberfläche ist aus glitschig lustig geworden.

Auch in den zwei herkömmlichen Schwimmbassins scheint die Wasserqualität gut an die Bedürfnisse der Schwimmenden und Planschenden angepasst: Neben dem Wolfensberg ist das Geisi das einzige Bad, das eine automatische Kontroll- und Korrigierwasseranlage besitzt. Steigt der Urinpegel im Wasser über eine bestimmte Marke, wird automatisch Dreckwasser ab- und Frischwasser zugeführt. Ausserdem ist das Geisi das einzige Bad, das seine Temperatur mittels Fernwärmebeheizung konstant bei mindestens 24 Grad hält. Blitzblank erscheinen am Testtag auch sanitäre Anlagen, Bassinränder und Zugangswege.

Etwas gar mittelmässig ist das kulinarische Angebot. Mit einer ganzen Palette asiatischer Gerichte geht die Badi-Restaurant-Kette Sakutshang GmbH zwar über die Badiklassiker Pommes, Hamburger & Co. hinaus, angesichts des Palmenterrassen-Ambientes an zentralstädtischer Lage dürften Gäste kulinarisch aber mehr oder aber preislich weniger erwarten.

Gebrüll und Gerangel

Nebst den vielen Aktivitätsmöglichkeiten kann man sich im riesigen Bad mit einem halben Dutzend Schatten spendender, grosser Bäume auch sehr gut erholen. Liegestühle sind gratis. Ein Beanstandungspunkt, an dem nicht nur der Badibetreiber schuld ist: Die Aufteilung in Schwimmbahnen für langsame, mittlere und schnelle Schwimmer führt mitunter zu einem nervigen Schwimmbetrieb.

Da sind unter anderem vermeintlich schnelle Krauler auf der mittleren Bahn unterwegs, die sogar von einem mittelklassigen Brustschwimmer auf jeder zweiten Länge überholt werden müssen. Bei schönem Wetter sind zur Rushhour am Mittag zu viele Schwimmer in der Bahn. Wenn sich ein paar von ihnen dann noch überschätzen und in der falschen Bahn mithalten wollen, kommt es regelmässig zu Gebrüll und Gerangel. Vielleicht sollte man die Einteilung an klarere Kriterien knüpfen: Krauler, die für einen Kilometer länger als 25 Minuten brauchen, gehören in die langsame Bahn.

Oberi – für Poser und Architekturliebhaber

Die 2012 renovierte Badi Oberi glänzt in der Kategorie Architektur. Sie dürfte aber auch Fitness-Cracks begeistern.

Video: mö/huy. Schnitt: huy

Im Schwimmbad Oberwinterthur ist alles aus einem Guss: Eingang, Restaurant, Garderoben und Duschen sind in einem langen, schmalen Gebäude integriert, das die Längsseite der Badi definiert. Es ist eine luftig-leichte Konstruktion, beim Eingang und beim Restaurant ist sie seitlich offen, funktioniert hier nur als Dach.

Auch die Anordnung der Wasserflächen hat eine klare Handschrift. Die vier Becken – eines mit Sprungturm und Kletterwand, eines für Schwimmer, eines für Kinder und eines für Kleinkinder – sind einander zugeordnet. Besonders gefallen die grossen Segeltücher, die als Schattenspender über das Kleinkinderbecken gespannt sind.

Kleiner als in den anderen Badis sind die Liegewiese und die Bäume. Dafür gibt es grosse, erhöhte Holzplanken zum Sonnenbaden. Und Sport-Cracks kommen nicht nur im 50 Meter langen Schwimmbecken zum Zug, sondern auch auf dem Mini-Pitch-Feld und – neu seit diesem Jahr – auch am sogenannten Crossfit Rig. An diesem Fitnessturm können Badibesucher ihre Muskeln stählen – oder «aufpumpen», um sie zu präsentieren. Die Meinungen dazu, ob die 29 000 Franken dafür sinnvoll eingesetzt wurden, werden wohl auseinandergehen. Immerhin soll das Rig wie auch das Mini-Pitch-Feld ganzjährig zugänglich sein.

Die Badi Oberi hat für jeden etwas zu bieten, das lässt sich ohne zu übertreiben sagen. Und es gilt auch fürs Restaurant: Auf dem Menü stehen unter anderem Wiener Schnitzel, Insalata caprese, Burger, Olma-Bratwurst und Wiediker Rostbratwürstli. Das Tolle daran: Rind- und Schweinefleisch stammen von regionalen Bauernbetrieben.

Eine kleine Kritik sei hier nach der ganzen Lobhudelei noch angebracht: Für Frisco-Sonnenschirme ist die schöne Architektur zu schade. Vor allem, wenn in der Ecke eine passende Variante in Weiss steht. des

Wolfensberg – Schwimmen ist hier Nebensache

Die Veltemer Badi Wolfensberg ist trotz kleinem Bassin äusserst beliebt. Sie besticht längst nicht nur mit einer schönen Aussicht.

Video: ngu. Schnitt: maf

Spätestens seitdem der Schweizer Heimatschutz das Wolfi im Buch «Die schönsten Bäder der Schweiz» porträtiert hat, taucht das Schwimmbad regelmässig in entsprechenden Toplisten auf. Zu verdanken hat es das vor allem seiner Lage auf dem Rosenberg und dem damit verbundenen Panorama. Bei klarer Sicht reicht der Blick bis auf den Säntis und die Churfirsten.

Vor dem Bau des Schwimmbeckens 1936 war das Wolfi ein reines Sonnenbad. Das merkt man, im Positiven wie im Negativen. In den Hügel gebaut, lädt jeder einzelne Flecken auf dem Gelände zum Abschalten und Erholen ein. Das in 25-Meter-Bahnen und Plauschbecken unterteilte Bassin ist aber vergleichsweise klein. Sprungbrett und Rutsche fehlen.

Dafür hat sich die Schwimmbadgenossenschaft alle Mühe gegeben, das Rundherum umso attraktiver zu gestalten: Billard, Schach und Pingpong im Kleinen, Beachvolley und Basketball im Grossen, zwei Feuerstellen in einem Waldstück, zahlreiche Liegen, eine Sauna, Schaukeln und viele weitere Spielgeräte – moll, das ist ein ordentliches Angebot.

«Belebtes» Wasser

Da ist der Besucher geneigt zu sagen: Im Wolfi wird das Schwimmen zur Nebensache. Als Erste widersprechen würden die vielen Schwimmerinnen und Schwimmer, die jeden Morgen ab acht ihre Längen ziehen. Erwähnenswert auch das Granderwasser: Das angeblich «belebte» Wasser fliesst nicht nur ins Becken, sondern auch durch die Duschbrausen und aus dem Trinkhahn.

Dank dem breiten Aktivangebot und den zwei Babybecken ist das Wolfi bei Jugendlichen und Familien sehr beliebt. Entsprechend hoch kann der Lärmpegel an schönen Tagen werden.

Das Auge erfreuen die klassischen Umkleidekabinen, die das Hauptbecken umzäunen, allerdings Saisonmietern vorbehalten sind. Seit einer Teilsanierung 2008 wirkt das Wolfi an vielen Stellen frisch und modern. In die Jahre gekommen ist dagegen die Restaurantküche. Jetzt, wo die Finanzierung sichergestellt ist, stehen die Zeichen laut Betriebsleiter Matteo Taormina auf Neubau nach der Saison 2018. Fix ist aber noch nichts. Vielleicht liegt dann kulinarisch mehr drin: Um das leibliche Wohl der Gäste besorgt ist heute eine einfache, aber solide Badibeiz mit Schnipo, Hotdog oder Spaghetti Napoli.

Matteo und Sigi Taormina führen das Wolfi nun schon in ihrer 22. Saison (Matteo: «Wir gehören zum Inventar»). Mit ihrer gewinnenden Art haben die beliebten Taorminas ein familiäres Umfeld geschaffen, in dem sich nebst den vielen Stammgästen auch neue Besucher gut aufgehoben und sofort willkommen fühlen. jig

Töss – Balancieren auf dem Gummiwurm

Das Schwimmbad am südwestlichen Stadtrand geht manchmal beinahe vergessen. Dabei gibt es hier alles – und Thai-Currys.

Video: maf/huy. Schnitt: maf

Es liegt sozusagen gegenüber der Tankstelle, wo jene, die etwas auf sich halten, am Samstagmorgen ihre getunten Autos auf Hochglanz polieren: das Schwimmbad Töss. Obwohl in nächster Nähe des Autobahnzubringers der A1 platziert, ist es von der Strasse praktisch unsichtbar. Und auch sonst bleibt es mit seiner peripheren Lage ausserhalb des Radars vieler Winterthurer.

Dabei ist es die Adresse für alle, die an heissen Tagen noch einen Schattenplatz suchen, wenn die anderen Badis der Stadt alle überlaufen. Die Liegewiese ist gross und die Bäume sind es auch. Zwischen zwei Stämmen ist eine Slackline gespannt und in einer Ecke lässt es sich gemütlich grillieren. In einem anderen Winkel hat es ein wirklich schönes Kleinkinderbad, dahinter laden eine Tschuttiwiese und ein Volleyballfeld, Pingpongtische, ein Trampolin und – das hat Töss allen anderen Bädern voraus – ein Billardtisch zu Sport und Spielen ein.

Überhaupt ist die Ausrüstung üppig. Im Becken für die grösseren Kinder (und verspielte oder schwimmfaule Erwachsene) steht ein grosses Gummiklettergerüst, daneben kann man auf einer breiten Rutsche ins Wasser sausen. Hier kritisiert die Testerin allerdings die geringe Wassertiefe. Auf der Rutsche wird man ziemlich beschleunigt, dafür sollte das Auffangbecken tiefer sein. Oder aber die Rutsche gehörte für Erwachsene verboten – was wiederum schade wäre.

Warum keine Talacher-Gelati?

An der Sauberkeit der Badeanstalt ist nichts auszusetzen, auch wenn man genau hinschaut, findet man kaum etwas zu bemängeln. Ein Plus sind die nahe beim Becken gelegenen Toiletten.

Eine Besonderheit im multikulturellen Stadtkreis Töss ist das Badirestaurant, dort gibt es nicht nur die obligaten Fritten und Chicken Nuggets, sondern auch feine Thai-Currys, Papayasalat und Fried Rice. Definitiv das Richtige, wenn man nach dem Schwimmen, Rutschen und Springen hungrig ist. Ein Tipp sei dem Freibad Töss wie auch allen anderen Bädern der Stadt noch auf den Weg gegeben: Regionale Gelati, wie zum Beispiel Glace vom Talacherhof in Illnau anstelle von 08/15-Eis – das wäre das ultimative Alleinstellungsmerkmal. des

(landbote.ch)

Erstellt: 20.07.2017, 19:15 Uhr

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