Strompreis

Die glänzenden Jahre sind vorbei

Wer privat Solarstrom produzieren will und sich Geld vom Bund erhofft, muss künftig noch länger warten als bisher. Dafür waren die Anreize in Winterthur im nationalen Vergleich eher hoch – bislang.

Neu werden bei kleinen Photovoltaikanlagen höchstens noch 30 Prozent der Investitionen erstattet.

Neu werden bei kleinen Photovoltaikanlagen höchstens noch 30 Prozent der Investitionen erstattet. Bild: Shotshop

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Schlechte Nachrichten für alle, die sich in nächster Zeit eine kleine Solaranlage aufs Dach montieren wollen: Denn erstens bekommen sie ab 2018 vom Bund weniger Geld dafür und zweitens müssen sie wohl noch länger darauf warten als bisher, gemäss Recherchen von Radio SRF mindestens zweieinhalb Jahre. Dies, weil in den Energiestrategie-Fördertöpfen des Bundes 120 Millionen verlagert worden sind, weg von der Solarenergie hin zur Wasserkraft.

Gut besonnte Dächer in Seen und in Wülflingen

Die Anreize, zum privaten Sonnenenergieproduzenten zu werden, dürften in den nächsten Jahren also kleiner werden, auch in Winterthur. Dabei wären die topografischen Voraussetzungen gemäss Solarkataster vielerorts ideal, zum Beispiel in Seen oder Wülflingen. Wer privat klimafreundlichen Strom erzeugt und ins lokale Netz einspeist, hatte bisher Anrecht auf finanzielle Unterstützung vom Bund, damit er nicht draufzahlte. Kostendeckende Einspeisevergütung (KEV) heisst das Vehikel, mit heute Photovoltaik-Betreiber jährlich zwischen 13 und 16 Rappen pro Kilowattstunde bekommen, sofern sie ins Programm aufgenommen wurden.

Mit 34 000 Bewerbern ist die KEV-Warteliste allerdings lang, die Tarife sinken seit Jahren (dafür werden die Solar-Panels billiger), und per 2018 ändert sich das KEV-System für kleine Photovoltaik-Anlagen komplett: Neu werden einmalig 30 Prozent der Investitionskosten vergütet, satt 15 Jahre lang ein Tarif garantiert, was deutlich mehr einschenken würde. Die Chancen wartender KEV-Anträger, noch einen Zuschlag zu erhalten, sind zudem deutlich gesunken. Und Neubewerber, die eine kleine Solaranlage vergütet haben wollen, müssen wohl mindestens zweieinhalb Jahre warten, bis die ersten Franken fliessen.

Im neuen Regime zahlt Stadtwerk nicht mehr

Je weniger Geld vom Bund fliesst, umso wichtiger werden die regionalen Stromkonzerne, die ebenfalls belohnen, wer Öko-Strom in ihr Netz einspeist. Doch hier sind die Unterschiede riesig, wie ein Tarifvergleich der 30 grössten Elektrizitätswerke der Schweiz zeigt, den der Verband unabhängiger Energieerzeuger jährlich erstellt. Gewisse Anbieter zahlen einen fast achtmal höheren Strompreis als andere. Die Rede ist auch von Tarif-Willkür. Während die Industriellen Werke Basel 23 Rappen pro Kilowattstunde vergütet, zahlen die Berner BKW nur 4 Rappen. Stadtwerk Winterthur liegt mit 11,8 Rappen im vorderen Drittel und über dem nationalen Durchschnitt von 9 Rappen. Diesen Einspeisetarif senkt Stadtwerk 2018 leicht, um einen Rappen pro Kilowattstunde.

Was per 2018 allerdings komplett wegfällt, sind die Übergangszahlungen, die Stadtwerk 46 Kunden bisher gezahlt hat, die sich auf die KEV-Warteliste haben setzen lassen, wie schweizweit 34 000 andere auch. (Landbote)

Erstellt: 04.12.2017, 19:09 Uhr

Urteil

Stadtwerk scheitert vor Bundesgericht

Hätte Stadtwerk vor Gericht Recht bekommen, hätte man laut eigenen Angaben bei der Swissgrid rückwirkend rund vier Millionen Franken einfordern können, für zu hohe Gebühren, die es seit 2013 bezahlt hatte. Von diesem Erlass hätten offenbar Kunden mit niedrigem bis mittlerem Stromverbrauch profitiert, wenn auch nur gering. Bei einem Vier-Personen-Haushalt eines Einfamilienhauses wären es rund 13,50 Franken pro Jahr.

Der Stadtrat bedaure das BG-Urteil, wie er gestern mitteilte. Importstrom wäre bei einem positiven Entscheid dauerhaft günstiger geworden. (hit)

Tarife 2017 für Solaranlagen (10 KVA). (Bild: Quelle red, Grafik ak)

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