Parkregime

Die Gratisparkplätze verschwinden in Winterthur

Ab 2020 wird (fast) ganz Winterthur zur blauen Zone.

Blaue Zone statt weisse Gratisparkplätze: So sollen Pendler aus den Quartieren ferngehalten werden.

Blaue Zone statt weisse Gratisparkplätze: So sollen Pendler aus den Quartieren ferngehalten werden. Bild: Marc Dahinden

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Die Stadt Zürich hat sie schon 1989 eingeführt, 30 Jahre später kommt sie auch in Winterthur: die flächendeckende blaue Zone. Weisse Gratisparkplätze sollen binnen dreier Jahre aus dem öffentlichen Strassenraum verschwinden. Das hat der Stadtrat schon 2017 angekündigt, im Gemeinderat wurde am Montag über den Kredit zur Umsetzung abgestimmt. Es war das einzige Mal, dass sich das Parlament zu dieser Frage äussern durfte. Denn blaue Zonen, auch stadtweit, darf der Stadtrat selbst beschliessen.

Zettel sind nicht «smart»

Wirklich umstritten waren die Pläne inhaltlich nicht. Das Kernziel, nämlich Pendler aus den Quartieren fernzuhalten, sodass Anwohner und Kunden genügend Parkraum finden, teilen auch SVP und FDP. Trotzdem lehnten sie die Vorlage ab. Die SVP, weil sie eine stadtweite Zone für übertrieben hält, die FDP, weil sie fand, dass erst geklärt werden soll, auf welchem Weg die Anwohner einfach Besucherparkkarten lösen können. Ein entsprechendes Webportal ist noch nicht bereit. «Wenn die Grossmutter spontan zu Besuch kommt, muss man erst auf den Polizeiposten gehen und dort eine Besucherkarte kaufen», kritisierte Romana Heuberger (FDP). «Das ist Smart City für Höhlenbewohner.»

«Wenn die Grossmutter spontan zu Besuch kommt, muss man erst auf den Polizeiposten gehen und dort eine Besucherkarte kaufen.»Romana Heuberger (FDP)

Die Kritik änderte wenig; mit 37 zu 19 Stimmen nahm der Gemeinderat den Kredit klar an. Eine Million Franken wird die Einführung kosten. Die Umsetzung startet 2020 und wird bis 2022 in drei Etappen vollzogen, beginnend mit Mattenbach und Oberwinterthur. Das ganze Stadtgebiet wird dann in 19 Anwohnerparkzonen eingeteilt, die sich leicht überlappen. Das ganze Stadtgebiet? Fast! Ausgeklammert werden einige Aussenwachten, wo es kein Pendlerproblem gibt (namentlich Eidberg, Gotzenwil, Iberg, Neuburg, Ricketwil, Rossberg, Stadel, Radhof, Lantig und Taggenberg). In den zwei Zentrumszonen rund um die Altstadt und in Neuhegi wird es keine blaue Zone geben, sondern nur bewirtschaftete weisse Parkplätze, in den Quartierzentren einen Mischbetrieb.

«Die Pendler nutzen heute hektarweise teuren Winterthurer Boden, während die Winterthurer Bevölkerung rund zwei Franken pro Tag fürs Parkieren zahlt.»Markus Nater (GLP)

Baustadträtin Christa Meier (SP) bedauerte, dass die Verordnung zur Parkraumbewirtschaftung noch nicht vorliegt. Sie versicherte, dass diese bald nachgeliefert werde. Dass die blaue Zone aufs ganze Stadtgebiet ausgedehnt wird, begründete sie damit, dass jede Ausweitung bisher dazu führte, dass die Pendler einfach in die Nachbarschaft auswichen. «Man kann insofern nicht sagen, dass es Orte gibt, die kein Problem haben.»

«Eine Frage der Fairness»

Felix Landolt (SP) begrüsste, dass diese «uralte Forderung» endlich umgesetzt werde. Markus Nater (GLP) lobt den Schritt unter dem Aspekt der Fairness: «Die Pendler nutzen heute hektarweise teuren Winterthurer Boden, während die Winterthurer Bevölkerung rund zwei Franken pro Tag fürs Parkieren zahlt.» 660 Franken kostet die Nachtparkgebühr. In einer flächendeckenden blauen Zone liesse sie sich, sofern gewünscht, mit der Anwohnerparkkarte kombinieren.

Erstellt: 17.09.2019, 07:11 Uhr

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