Bundeshaus

«Die Grundlagen kenne ich jetzt»

Seit einem Jahr ist Nik Gugger (EVP) Nationalrat. Warum er trotz bescheidenem Leitungsausweis ein positives Fazit zieht und was er mit seinem «Baby» vorhat.

Nik Gugger (EVP, rechts) posiert mit Neo-Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) und Fraktionskollegin Marianne Streiff (EVP, links).

Nik Gugger (EVP, rechts) posiert mit Neo-Bundesrätin Karin Keller-Sutter (FDP) und Fraktionskollegin Marianne Streiff (EVP, links). Bild: Marianne Streiff

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Beim letzten Interview waren Sie noch etwas am Schwimmen. Damals waren Sie gerade erst in für Maja Ingold in den Nationalrat nachgerutscht. Sind Sie inzwischen vom Lehrling zum Profi mutiert?

Nik Gugger: (lacht) Ich habe jetzt mein erstes Lehrjahr hinter mir. Es braucht eine gewisse Zeit, bis man sich im Nationalrat eingearbeitet hat, man spricht hier von zwei bis drei Amtsjahren. Ich bin jetzt in meiner fünften Session und habe zwei Bundesratswahlen erlebt. Bei den Geschäften kann nicht einfach irgendwann, irgendetwas dazu sagen und für die Abstimmungen gibt es ganze Drehbücher. Das ist schon tricky. Aber die Grundlagen sind mir jetzt bekannt.

Ihr Fazit bis jetzt?

Als Mitglied einer Kleinpartei vergessen viele, dass ich mir einen viel breiteren Überblick verschaffen muss als SP- oder SVP-Mitglieder, bei denen es überall Experten gibt. Das ist sehr zeitintensiv. Weil ich neu auch Vizepräsident der EVP Schweiz und des Naturschutzvereins Birdlife bin, komme ich auf ein Arbeitspensum von etwa 60 Prozent.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich konnte mir durch meine Motion gegen das Tabakgesetz einen Namen machen. Damit wollte ich Kinder und Jugendliche besser vor Tabakwerbung in den Sozialen Medien schützen. Die Motion hat bis weit in bürgerliche Kreise Anklang gefunden, wurde dann aber wegen nur drei Stimmen trotzdem abgelehnt.

Sehr knapp.

Da war ich schon etwas konsterniert, wenn man bedenkt, dass nur drei Leute aus der CVP-Fraktion, der ich angeschlossen bin, hätten anders stimmen müssen. Die Medienpräsenz war aber gut und darum war es auch ein Erfolg.

In der aussenpolitischen Kommission wollten sich vor allem in der Entwicklungspolitik einsetzen. Was haben Sie erreicht?

Ich sehe mich als Integrationspolitiker. Im ersten Lehrjahr war es vor allem wichtig, kein Hinterbänkler zu sein. Man nimmt wahr, dass ‹dr Gugger› etwas macht.

Was ist momentan Thema?

Im Nationalrat wird das Rahmenabkommen heftig diskutiert, es geht um die Zukunft der Schweiz. Als Mittepolitiker bin ich hier als Brückenbauer zwischen links und rechts gefragt. Politiker aus beiden Lagern treten an mich heran, fragen mich nach meiner Haltung und ob ich zwischen den Flügeln vermitteln kann.

Auch mit der neuen Bundesrätin Viola Amherd (CVP) konnte Nik Gugger ein Selfie machen. Bild: Marianne Streiff (EVP)

Was machen Sie konkret in der aussenpolitischen Kommission?

Ich war als Wahlbeobachter der OSZE in Russland. Für eine gute Woche war ich zusammen mit 600 Leuten aus verschiedenen Staaten an den Präsidentschaftswahlen von Putin. Zuerst lernten wir in Kursen das politische System Russlands kennen. Dann haben wir in kleineren Gruppen etwa zehn Wahlbüros pro Tag besucht, waren für 40 Minuten dort und notierten auf einen Fragebogen, ob alles korrekt ablief. Wir achteten darauf, dass niemand Druck ausübte, die Wahlurnen versiegelt waren und so weiter.

Und, ging alles mit rechten Dingen zu?

Ja, in meinem Bezirk gab es nichts Auffälliges. In gewissen Lokalen wurden Leute mit dem Bus vorgefahren, das war bei mir aber nicht der Fall.

Das Thema «Sicherheit im Netz» beschäftigt Sie, Unbekannte wollten diesen Sommer von
Ihnen per Mail Geld erpressen.
Dieses Mail haben auch Handwerker und Angestellte erhalten. Die heutige Kriminalität geschieht nicht mehr auf der Strasse, neu werden Konten gehackt und mit Photoshop Daten manipuliert, um Leute zu erpressen. Hier muss die Politik aktiv werden und Sicherheit bieten.

Mit der Antwort des Bundesrats auf Ihre Fragen zur Cybersicherheit waren Sie nicht zufrieden.

Ja, und darum werde ich diese Woche noch eine Motion einreichen, die verlangt, dass wir mehr Ressourcen in Cybersicherheit investieren und uns ein Know-How erarbeiten. Die Schweiz hinkt hinterher, wir haben nicht genügend Fachkräfte. Beispielsweise sind unsere föderalistischen Strukturen hinderlich. Die meisten Attacken passieren schweizweit und wenn hier jede Kantonspolizei für sich arbeitet, macht das wenig Sinn.

«Politiker aus beiden Lagern treten an mich heran und fragen, ob ich zwischen den 
Flügeln vermitteln kann.»
Nik Gugger, 
EVP-Nationalrat

Sie sind selbst mit Twitter, Facebook und Instagram präsent in den Sozialen Medien. Wie schützen Sie sich?

Ich achte unter anderem darauf, dass ich nie irgendwelche Passwörter schriftlich versende, vor allem nicht über WhatsApp. Da bin ich mir sicher, dass mitgelesen wird. Darum benutze ich auch lieber «Threema», eine Nachrichten-App mit End-zu-End-Verschlüsselung. Es geht mir in der Motion auch darum, dass man der Bevölkerung zeigt, wie sie sich selbst besser schützen kann. Wir gehen fahrlässig mit unseren Daten um.

Sie haben in Ihrem ersten Jahr sieben Vorstösse eingereicht. Eine bescheidene Bilanz im Vergleich zu Mattea Meyer oder Fabian Molina, die im gleichen Zeitraum 17 respektive 23 Vorstösse eingereicht haben.

Dem ist nicht so. Eine Motion wie jene gegen Tabakwerbung kostet mich ein Zehnfaches an Mehraufwand. Es macht nur Sinn, einen Vorstoss einzureichen, wenn ich weiss, dass er bei linken und rechten Parteien ankommen kann.

Man könnte auch sagen, Sie seien etwas passiv.

Es gibt tatsächlich Parlamentarier, die in zwei Jahren 200 Vorstösse eingereicht haben. Da frage ich mich, macht das noch Sinn? Die Kosten, die neue Vorstösse generieren, sind immens. Da haben wir auch eine Verantwortung, damit wir nicht nur teure Papiertiger produzieren. Mir geht es nicht um die Quantität, sondern um die Qualität.

Kommen wir noch zu Ihren Winterthurer Engagements. 15 Jahre lang war die Fabrikkirche Ihr Herzensprojekt, sie haben diese gegründet und geleitet. Jetzt ist Schluss. Mit welchem Gefühl schauen Sie zurück?

Es war eine sinnstiftende und befriedigende Arbeit. Es ist schön, zu sehen, dass die neue Crew das Erbe weiterführt.

Sie führen auch noch das Restaurant Concordia. Kann man vom umtriebigen Nik Gugger denn bald etwas Neues in diese Richtung erwarten?

Im Moment absorbiert mich meine Arbeit als Nationalrat voll. Was aber gut ankommt, ist mein Ingwer-Getränk, das ich seit rund einem Jahr vertreibe.

Das «Zingi» findet Anklang?

Mein Baby wächst, wenn man das so sagen möchte. Seit Anfang Jahr ist es schweizweit in allen Spar-Filialen erhältlich. Würde es nächstes Jahr noch im Migros und Coop in der Ostschweiz angeboten, wäre mein Traum erfüllt. Ich bin diesbezüglich im Gespräch.

Wie viel verkaufen Sie inzwischen?

Dieses Jahr haben wir gut 20 000 Flaschen vertrieben. Das ist schon ordentlich, aber mehr wäre schön. Das Baby muss jetzt laufen lernen.

Nächstes Jahr kandidieren Sie für den Ständerat, wie das Ihre Vorgänger auch taten. Wann ist Wahlkampfauftakt?

Im Moment bin ich noch in der Vorarbeit, stelle das Unterstützungskomitee zusammen, arbeite an der Homepage. Richtig los geht es dann erst nach den Regierungs- und Kantonsratswahlen im Frühjahr.

Erstellt: 11.12.2018, 15:57 Uhr

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