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Die Hälfte aller Stadtpolizei-Chefs ist krankgeschrieben

Ausnahmezustand bei der Winterthurer Polizei: Ein Grossteil der Kaderbeamten ist seit Monaten arbeitsunfähig, mehrere Führungsleute sind bereits weg. Die Situation zeichnete sich ab, doch ein Entlastungsprojekt blieb ein Jahr lang liegen.

Dem Polizei-Hauptquartier laufen die Führungskräfte davon, oder sie werden krank: Der Stadtrat sieht ein strukturelles Problem.
Dem Polizei-Hauptquartier laufen die Führungskräfte davon, oder sie werden krank: Der Stadtrat sieht ein strukturelles Problem.
Marc Dahinden

13 Kaderposten kennt die Stadtpolizei, besetzt sind derzeit aber nur die Hälfte. Rund ein halbes Dutzend Kaderangestellte sind aktuell krankgeschrieben. Einige von ihnen schon seit drei Monaten, andere seit ein paar Wochen, teilweise mit der Diagnose «Burn-Out». Polizeistadträtin Barbara Günthard-Maier (FDP, Bild) bestätigte diese Informationen gestern erstmals grundsätzlich, nennt «aus persönlichkeitsrechtlichen Gründen» aber keine ganz genauen Zahlen.Im Zusammenhang mit diesen Krankheitsfällen, die offenbar alle mit der momentanen Arbeitssituation bei der Stadtpolizei zu tun haben, kommt es nun zu mehreren Abgängen. Vier der 13 Kaderstellen werden in den kommenden Wochen nach und nach ausgeschrieben. Ein gutes Viertel der Kader hat also gekündigt oder sich intern neu orientiert. Ob alle der scheidenden Kader auch zur Gruppe der Krankgeschriebenen zählen, ist unklar. Die Kosten für die Ausfälle und Abgänge kann das Sicherheitsdepartement nicht beziffern. Günthard-Maier rechnet mit einer Budgetüberschreitung im laufenden Jahr. Bereits für 2016 wurde der Stadtpolizei nachträglich ein Kredit zugesprochen.

Günthard-Maier macht auf Anfrage des «Landboten» die Sparaufträge der vergangenen Jahre und Jahrzehnte für die Probleme verantwortlich. Die Stadtpolizei sei von den Sparprogrammen Effort14+ und Balance stark betroffen gewesen, da bereits zuvor bei den Polizisten strukturell gespart worden sei. Gleichzeitig seien die Aufgaben der Beamten kontinuierlich gewachsen.

Kritik an der Führung

Aussenstehende mag Günthards Befund verwundern, denn letzten Sommer sprach der Gemeinderat 10,5 neue Polizeistellen, im Herbst sagte das Volk Ja zum neuen Polizeigebäude. Aus dem rund 250 Personen starken Korps hört man denn auch Kritik an der politischen Führung. Längst nötige Veränderungen liessen viel zu lange auf sich warten, sagen angefragte Polizisten. Tatsächlich war bereits im Januar 2016 eine Reorganisation angedacht. Diese «Roadmap20» genannte Massnahme wurde allerdings ein Jahr lang verschoben. Günthard sagt: «Ich hätte die Reorganisation früher angehen sollen.»

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