Neustart

Die Hälfte der Theateraktien ist verkauft

Vor vier Monaten wurde die Theater Winterthur AG gegründet, seit vier Wochen wird das Unternehmen von Bettina Durrer geführt. Die 40. Saison laufe gut, sagt sie und hofft, am Ende etwas Geld auf die Seite legen zu können.

Mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, mehr verkaufte Abonnements: Geschäftsführerin Bettina Furrer und die neue Theater Winterthur AG sind erfolgreich in die Saison gestartet.

Mehr Zuschauerinnen und Zuschauer, mehr verkaufte Abonnements: Geschäftsführerin Bettina Furrer und die neue Theater Winterthur AG sind erfolgreich in die Saison gestartet. Bild: mad

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie hat schon viele Hände geschüttelt und wichtige Gespräche geführt. Mittlerweile findet sie aus dem Theater Winterthur auch wieder hinaus. Sich in den Gängen und Räumen hinter der Bühne zu orientieren, sei gar nicht so einfach, sagt Bettina Durrer. Sie ist seit dem 11. November Vorsitzende der Geschäftsleitung der Theater Winterthur AG. «Der Einstieg war rasant», sagt Durrer. Mitten in der Theatersaison sei sie sofort mittendrin im Betrieb gewesen.

Das Programm der 40. Saison war längst bestimmt, als Durrer ihre neue Arbeitsstelle antrat. Finanziell ist es ein Erfolg. Seit September besuchten 20'000 Zuschauerinnen und Zuschauer die Vorstellungen von «Zauberflöte», «Besuch der alten Dame» und weitere Produktionen. Das sind 2000 Zuschauer mehr, als vor einem Jahr zum selben Zeitpunkt. Abonnements verkaufte das Theater ebenfalls mehr, weshalb Durrer von einem wirklich guten Saisonstart spricht. «Unsere Jubiläumssaison ist eine Saison mit vielen bekannten Stücken, das motiviert zum Besuch.» Sowohl das Musiktheaterabonnement mit «Feuerwerk» von Paul Burkhard und dem Musical «My Fair Lady» als auch die Abos mit Tanz, Theater und Musik hätten zugelegt. «Wir hoffen, dass der Erfolg anhält und das Programm weiterhin Zuspruch findet.»

Neu zählt das Geld ebenso viel wie der Applaus

Erstmals in der 40-jährigen Geschichte des Theater Winterthur wird dessen Erfolg nicht mehr nur an den Zuschauerzahlen und am Applaus gemessen. Seit Anfang August ist das Theaters Winterthur eine öffentlich-rechtliche Aktiengesellschaft. Fällt nach einer erfolgreichen Saison ein Überschuss an, kann das Geld auf die hohe Kante gelegt werden, bei einem Minus muss der entsprechende Betrag den Reserven entnommen werden.

«Das wird nicht auf einen ‹Chlapf› möglich sein»Bettina Durrer

Sie wolle möglichst jede Saison mit einem Gewinn abschliessen, sagt Durrer. Für die gewünschte Weiterentwicklung des Theaters sei ein finanzielles Polster unumgänglich. Zu ihren Aufträgen gehört es, neues und jüngeres Publikum zu gewinnen mit Produktionen, deren finanzieller Erfolg offen ist. «Neue Vorstellungsformen können wir nur wagen, wenn wir die finanziellen Risiken mit eigenen Mitteln auffangen können.»

Von der Stadt und vom Kanton erhält die Theater AG einen fixen Beitrag von insgesamt 5,25 Millionen Franken pro Jahr, etwas mehr als bisher als städtischer Betrieb. Durrer und die Geschäftsleitung sollen mit den zusätzlichen Mitteln das Angebot an Theater, Oper und Ballet ausbauen und die Qualität der Vorstellungen weiter steigern. «Das wird nicht auf einen ‹Chlapf› möglich sein», sagt Durrer. Um die nötigen zusätzlichen Mittel von Sponsoren, aus Spenden und durch Vermietungen zu generieren, müssten erst die passenden Angebote entwickelt werden. Vorerst gelte es, die bisherigen Sponsoren bei der Stange zu halten, die um die 50000 Franken jährlich beisteuern.

Neun Gemeinden übernahmen kleinere Aktienpakete

Ein Ziel der Verselbstständigung des Theaters ist es, dieses breit abzustützen. Nicht nur Sponsoren sollen Geld an den Kulturbetrieb beisteuern, auch möglichst weite Kreise der Bevölkerung, Firmen und Nachbargemeinden sollen sich beteiligen, indem sie Aktien der Theater Winterthur AG kaufen. Seit Saisonbeginn seien über 800 Namensaktien im Wert von je 500 Franken verkauft worden, sagt Durrer. Das ist erst etwas mehr als die Hälfte der 1500 Aktien, die die Stadt bis Ende Dezember ans Publikum bringen will.

Die Besitzer der Wertpapiere für Liebhaber erhalten keine Dividende.

Die neue Geschäftsleiterin nennt das vorläufige Ergebnis trotzdem «super». «Die überwiegende Mehrheit der Aktien wurde von Privatpersonen gezeichnet.» Die meisten Käufer übernehmen 1 bis 3 Aktien. Lediglich 17 natürliche und juristische Personen übernahmen Pakete von mehr als 5 Aktien, darunter vier Firmen und neun Gemeinden. Durrer will denn auch mehr juristische Personen als Käufer gewinnen. «Ich sehe noch Potenzial.» Sie hofft, im ersten Schritt 1000 der Aktien zu verkaufen. Die Besitzer der Wertpapiere für Liebhaber erhalten keine Dividende und die Stadt behält die Mehrheit an der Theater AG.

Bereits hat Durrer begonnen, die Saison 21/22 zu planen und zu budgetieren. Um den Theaterbetrieb genauer kennen zu lernen, will sie bald einmal selbst dabei sein, wenn ein Bühnenbild aufgebaut wird. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat sie alle einmal gesehen und in Gesprächen mit diesen erfahren, dass die Arbeitseinsätze tendenziell zu lange dauern und oft an zu vielen Tagen aufeinander folgen. «Wir wollen für mehr Verschnaufpausen sorgen», sagt die Geschäftsleiterin. Das werde eine Herausforderung, denn im Theater werde immer samstags und sonntags gearbeitet werden müssen.

Gespräche über Trennung und Sanierung

Weiter beschäftigen wird Durrer die saubere Trennung des nun selbstständigen Theaterbetriebes von der Stadtverwaltung. Vieles sei zwar in Verträgen und Papieren festgeschrieben und bestimmt, auf der praktischen Ebene gebe es trotzdem noch einiges zu regeln. Bereits bereinigt wurde die Frage, welche Beträge und Rechnungen noch auf die Rechnung der Stadt gehören und welche die Aktiengesellschaft übernehmen muss.

Ein grosses Thema bei den Gesprächen mit der Stadt ist die anstehende Sanierung des Theatergebäudes, über die Durrer im ersten Halbjahr 2020 verhandeln wird. «Für den Theaterbetrieb ist entscheidend, wann die Arbeiten beginnen und in wie vielen Schritten sie umgesetzt werden», sagt sie. Das Gebäude verblieb bei der Verselbständigung im Besitz der Stadt, die Theater Winterthur AG leiht sich die Immobilie bloss. Die Kosten für die Rundumerneuerung werden auf 20 Millionen Franken veranschlagt. Am Donnerstag machte die Stadt bekannt, wer die Arbeiten planen wird. (Hier geht's zum Artikel)

So sieht das Theater Winterthur momentan noch aus. Bild: jb

Erstellt: 12.12.2019, 15:13 Uhr

Artikel zum Thema

Theateraktienverkauf harzt - Firmen und Gemeinden halten sich zurück

Stadttheater Die neue Theater Winterthur AG hat erst 350 von 1500 Aktien verkauft. Insbesondere der Verkauf an Firmen und Gemeinden verläuft schleppend Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!