Zum Hauptinhalt springen

«Die Jugendlichen der An’Nur-Moschee bekamen Angst voreinander»

Der Basler Extremismusexperte Samuel Althof hatte mit mehreren Mitgliedern der An’Nur-Jugendgruppe Kontakt. Er widerspricht dem Bild, das medial von ihnen vermittelt wurde: Die meisten seien wenig ideologisch, und es habe keine echten Führungspersönlichkeiten gegeben.

Seit Sommer geschlossen: Eingang der ehemaligen An’Nur-Moschee. Der Verein hat sich aufgelöst.
Seit Sommer geschlossen: Eingang der ehemaligen An’Nur-Moschee. Der Verein hat sich aufgelöst.
Archivbild, Keystone

Winterthur gilt als Jihadistenhochburg der Schweiz. Aus keiner anderen Stadt sind so viele Personen nach Syrien oder in den Irak gereist oder haben es zumindest versucht, schrieb der Tages-Anzeiger. Wieso haben sich gerade hier so viele radikalisiert?Samuel Althof: Grundsätzlich ist jede Radikalisierungsgeschichte anders. Winterthur ist meines Wissens in der Schweiz aber einzigartig, weil sich in der An’Nur-Moschee eine Jugendgruppe mit einem starken Eigenleben bildete. Das ist aber nicht etwa auf die Jugendarbeit des Vorstands zurückzuführen, sondern war eher eine zufällige Entwicklung. Als Kitt für den Gruppenzusammenhalt dienten vor allem Fussball und Gamen, die Religion war nur eines der Identitätsmerkmale. Die Dynamik dieser Gruppe wurde nicht rechtzeitig erkannt und später falsch interpretiert, deshalb konnte ein schrecklicher Dominoeffekt entstehen. Der erste, der ins Kalifat ging, meldete der Gruppe zurück: Es ist toll, kommt auch. Danach kippte einer nach dem anderen.

Um diesen Artikel vollständig lesen zu können, benötigen Sie ein Abo.