Winterthur

«Die Laubholzbockkäfer sind sehr träge Tierchen»

Käferjäger Stefan Rütten ist Baumpfleger bei Stadtgrün Winterthur und Experte für die Bekämpfung des Laubholzbockkäfers in Neuhegi. Er schüttelte sie als erster von den Bäumen. Wir erreichten ihn am Telefon bei der Arbeit.

Der Laubholzbockkäfer sieht harmlos aus ist aber für den Tod von zahlreichen Bäumen verantwortlich.

Der Laubholzbockkäfer sieht harmlos aus ist aber für den Tod von zahlreichen Bäumen verantwortlich. Bild: Keystone

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Störe ich Sie gerade hoch oben auf einem Baum?
Stefan Rütten: Richtig, ich bin gerade an der Arbeit.

Haben Sie trotzdem kurz Zeit, ein paar Fragen zu beantworten?
Die Kollegen unten möchten gerne abschliessen. Kann ich in einer halben Stunde zurückrufen?

Sicher doch, danke. Bis später.
(20 Minuten später) So, jetzt sind wir fertig, und ich bin am Boden.

Sehr gut. Wie wird man überhaupt Baumpfleger?
Zuerst macht man eine Ausbildung als Forstwart oder Landschaftsgärtner. Dann muss man zwei Jahre Praxis vorweisen, um an der Schule und zur Prüfung zugelassen zu werden. Die Schule ist blockweise dann, wenn in der Baumpflege nicht sehr viel läuft.

Wie lange sind sie denn schon als Baumpfleger tätig?
Das sind jetzt 20 Jahre. Heute zum Beispiel haben wir Bäume geschnitten an der Römerstrasse direkt bei der Stadtrainbrücke.

«Es gab einzelne Käfer, die davonzufliegen versuchten, aber wir schlugen sie von Hand nieder.»

Erinnern Sie sich noch an jenen 18. Juli 2012, als in Neuhegi die Käferplage entdeckt wurde?
Ja, ich erinnere mich genau und bin froh, dass die Gefahr nun gebannt ist. Wir stellten fest, dass der Asiatische Laubholzbock die Allee befallen hatte, wir sahen auch einzelne Käfer auf den Bäumen rumkraxeln. Wir schüttelten also an einem ersten Baum, worauf fünf bis zehn Käfer runterpurzelten, Die haben wir zertrampt. Es gab einzelne, die davonzufliegen versuchten, aber wir schlugen sie von Hand nieder.

Das sind also träge Tierchen?
Ja, fast noch träger als Maikäfer.

Haben Sie die Käferart gekannt damals, sind Sie erschrocken?
Ja, ich wusste, worum es sich handelt, aber ich hatte keine Ahnung vom Organismus: Wie er lebt und wie er sich verbreitet. Wir wussten bloss, dass wir so viele Käfer wie möglich von den Bäumen bringen müssen, damit sie nicht davonfliegen und womöglich ins Waldgebiet gelangen.

Und jetzt vier Jahre später: Was haben Sie heute für ein Bild des Käfers? Ist er Eindringling, eine Bedrohung oder eine Schönheit?
Grundsätzlich ist es ein wunderschöner Käfer mit seiner blauschimmernden Farbe. Es ist aber nun mal so, dass die Bäume dadurch absterben. Und mein Ziel als Baumpfleger ist es, Bäume zu erhalten, nicht sie zu zerstören. Das war auch ein Hauptproblem unserer Arbeit: Die Bäume abzusuchen mit dem Wissen, sie fällen zu müssen, wenn wir etwas finden. Das entspricht nicht unbedingt unserem Berufsethos.

«Grundsätzlich ist es ein wunderschöner Käfer mit seiner blauschimmernden Farbe.»

Können Sie abschätzen, auf wie viele Bäume Sie in diesen letzten vier Jahren in Neuhegi geklettert sind? Dutzende, Hunderte?
Das ist schwierig zu sagen, aber es waren sicher mehrere Hundert Bäume. Es stehen ja etwa anderthalb tausend Bäume in der Fokuszone, die wir einzeln aufgenommen und kontrolliert haben. Im Frühling und im Herbst wurde jeder Baum einmal abgesucht.

Winterthur hat ja nun Vorbildcharakter in der Bekämpfung des Schädlings. Die Spürhunde sind europaweit im Einsatz. Wurden Sie auch schon auswärts als Experte beigezogen?
Ich war in Berikon und in Marly, im Aargau und im Kanton Freiburg. Und im Ausland war ich aus eigenem Interesse. Dort habe ich den Kontakt gesucht, um zu lernen und zu schauen, wie anderswo ein Befall gehandhabt wird.

Wo waren Sie schon in Europa?
Ich war in München, in Korsika, und an zwei Orten in Österreich.

Und das können Sie als Arbeit verbuchen? Oder ist das Freizeit?
Ich habe meistens meine Ferien so gelegt, dass ich in jenen Gebieten unterwegs sein konnte.

Das wollte ich ohnehin noch fragen: Was macht jemand wie Sie, der tagtäglich in der Natur tätig ist, in der Freizeit. Klettern am Fels oder Käfer sammeln?
(Lacht) Ich habe Arbeitskollegen, die gehen klettern oder auf Skitouren. Ich selber bin bald 40 und geniesse es, abends abzuschalten. Ich bin im Turnverein und spiele in einer Plauschliga Eishockey.

(Der Landbote)

Erstellt: 09.12.2016, 14:19 Uhr

Stefan Rütten ist Baumpfleger und Experte für die Bekämpfung des Laubholzbockkäfers.

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