Winterthur

«Die Leute stellen gar nicht so viele Fragen»

Bei den Stadtführungen wird eines ­immer wichtiger: das ­Essen. Nur ­Wissen vermitteln reicht nicht, sagt Führerin Katja Kündig.

Katja Kündig, Stadtführerin in Winterthur.

Katja Kündig, Stadtführerin in Winterthur. Bild: Marc Dahinden

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Was ist die dümmste Frage, die Ihnen bei einer Stadtführung gestellt wurde?
Katja Kündig: Das kann ich nicht sagen. Fragen, die immer wieder kommen, versuche ich von mir aus zu beantworten, indem ich diese Themen einbaue.

Bei welcher Frage wussten Sie nicht mehr weiter?
Ich wusste nicht, was das Wort Sod in Sodbrunnen bedeutet. Jetzt weiss ich es und erzähle es sogleich. Sod ist der Ort, wo das Quellwasser aufwallt. Interessanterweise stellen die Leute gar nicht so viele Fragen. Sie hören zu oder sie erzählen von sich selber.

Wer besucht Ihre Führungen? Auswärtige? Neuzuzüger?
Die Teilnehmer kommen fast alle aus Winterthur und Umgebung. Sie wollen nicht in erster Linie die Stadt kennen lernen, sondern einen geselligen Anlass erleben. Die meisten unserer Führungen sind private Gruppenführungen für Vereine, Familien, Arbeitsteams, Klassentreffs, auch Hochzeiten. Ich erwähne nicht Basics wie die Einwohnerzahl. Ich muss mich eher fragen: Was kann ich diesen Leuten erzählen, was sie nicht schon wissen?

Also erzählen Sie Anekdoten?
Auch.

Sagen Sie mir eine.
Beim Haus an der Ecke Marktgasse/Graben befindet sich eine kleine Statue: die Marketenderin. Das ist eine Frau, die militärische Truppen begleitet und die Soldaten mit Waren versorgt. Unsere Marketenderin trägt auf dem Kopf ein Huhn, und das ist sehr witzig, weil kürzlich die Chickeria in dieses Haus eingezogen ist. Kennen Sie das Huhn?

Nein.
Und wie oft kamen Sie schon an diesem Haus vorbei?

Wohl ein paar Tausend Mal.
Sehen Sie, um solche Dinge geht es bei den Führungen.

Kommen gar keine Touristen?
Es gibt recht wenige. Und sie müssten Glück haben, dass gerade bei ihrem Aufenthalt eine Führung stattfindet. Selten kommen Gruppen von Chinesen, Indern.

«Kennen Sie das Huhn bei der Chickeria?»Katja Kündig, Stadtführerin

Das Programm von Winterthur Tourismus verändert sich. Neu gibt es eine Essführung.
Ja, das kommt gut an. Schon seit einiger Zeit bieten wir eine Führung an, bei der wir den Rundgang für Apéro und Vorspeise unterbrechen und am Schluss ­gegessen wird. Neu gibt es eine reine Gastroführung, mit Winterthurer Spezialitäten.

Die Leute mampfen wohl lieber, als Ihnen zuzuhören?
Sagen wir: Die Kombination machts.

Dennoch: Infotainment statt Wissensvermittlung.
Ja. Das war in Winterthur schon immer so, seit der ersten Stadtführung vor 25 Jahren. Wir haben zu wenige Touristen für klassische Sightseeingtouren. Man muss den Leuten etwas Besonderes bieten, damit sie kommen.

Wer hat denn die Gastronomiebetriebe ausgewählt?
Wir haben eine Liste erstellt mit Betrieben und Produkten, die passen: Vollenweider-Schokolade, Euelbräu-Bier, Manta-Sandwichs und die von Hasan, Gubler-Wurst, Tofulino und anderes.

Das sind viele. Voller Magen.
Auf einer Führung werden nur drei Stopps eingelegt.

Kann man auswählen?
Nicht ganz frei, das ist eine Frage der Organisation.

Wie viel zahlen die Betriebe für diese Werbung?
Nichts. Sie erhalten im Gegenteil eine Umtriebsentschädigung. Wir wollen nicht, dass die Führungen zu Werbetouren verkommen.

Apropos zahlen: Können Sie selber von den Führungen leben?
Nein, ich mache das nebenbei, aus Interesse. Ich arbeite noch bei der Axa.

Gibt es auch eine Führung, die Sie nicht mögen?
Ich selber nicht, aber wir hatten einmal eine Joggingführung in unserem Programm, die schlecht nach­gefragt war. Zwischen den einzelnen Stationen joggten die Teilnehmer.

Die Leute essen halt lieber, als sie rennen.
Es scheint ganz so. (Landbote)

Erstellt: 05.07.2017, 13:54 Uhr

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