Falsche Auszählung

Rot-Grün verliert die Mehrheit wieder

Wegen eines groben Fehlers bei der Auszählung verlieren die Grünen ihren gewonnenen Sitz im Gemeinderat wieder an die BDP.

Falsch ausgezählt! Die Stadtkanzlei machte am Sonntag offenbar einen groben Fehler.

Falsch ausgezählt! Die Stadtkanzlei machte am Sonntag offenbar einen groben Fehler.

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Im Nachgang zu den Wahlen des Grossen Gemeinderats stellte die Stadtkanzlei bei den Ergebnissen einen Fehler fest. Deshalb gewinnt die BDP gegenüber den am Sonntag veröffentlichten Ergebnissen einen Sitz, auf Kosten der Grünen.

Offenbar waren die unveränderten Listen im Wahlkreis Wülflingen nicht im System zur elektronischen Erfassung der Wahlen und Abstimmungen erfasst worden. Dies wurde nun korrigiert.

«Wir sind masslos enttäuscht»Renate Dürr,
Co-Präsidentin der Grünen

Die zusätzlichen Listenstimmen aus Wülflingen haben zur Folge, dass die Grünen gegenüber den am Sonntag veröffentlichten Resultaten einen ihrer Sitze wieder verlieren. Die Leidtragende ist Nina Wenger. Die Fachfrau Gesundheit wäre mit Jahrgang 1998 die jüngste Gemeinderätin gewesen.

«Ich bin enttäuscht und frustriert», sagt die 19-Jährige. «Ich hatte im Vorfeld nicht mit einer Wahl gerechnet. Darum war die Freude umso grösser gewesen. Ich schliesse im Sommer die BMS ab und will dann ein Zwischenjahr einlegen. Ich hatte mir schon überlegt, wie ich die Gemeinderatstermine unterbringe.» Wenger will als Co-Präsidenten der jungen Grünen weiter politisch aktiv bleiben.

Am Sonntag hatten sich die Grünen noch über einen Sitzgewinn gefreut – nun stehen sie unverändert bei fünf Sitzen. «Wir sind masslos enttäuscht und auch etwas verärgert, sagt Renate Dürr», Co-Präsidentin der Grünen Winterthur. «Allerdings ist klar, wo Menschen arbeiten, passieren Fehler. Das war sicher keine Absicht.»

Gruber vermutete, dass etwas nicht stimmt

Die BDP hingegen erhält wieder einen Sitz und kann damit den bisherigen Sitz von Yvonne Gruber halten.

Die Doch-Gewählte ist überglücklich: «Ich bin baff, kann es nicht fassen. Ich freue mich sehr.» Für Gruber waren die letzten Tage eine Achterbahnfahrt. Sie sagt, die BDP habe am Montag bei der Stadtkanzlei interveniert.

«Wir hatten das Gefühl, dass etwas nicht stimmen kann», so Gruber. Am Mittwoch sei von der Stadtkanzlei allerdings ein negativer Bescheid erfolgt: Alles sei korrekt gelaufen.

Knappe Mehrheitsverhältnisse – wohin zieht es Gruber?

Mit diesen Sitzveränderungen ändern sich die Mehrheitsverhältnisse im Parlament wieder. Bislang hielten sich links und rechts mit je 30 Sitzen im Gemeinderat genau die Waage. Weil Annetta Steiner (GLP) als Präsidentin jedoch kein Stimmrecht hat, wäre nach dem ursprünglich publizierten Ergebnis Links-Grün in der Mehrheit gewesen.

Fest steht damit, dass Yvonne Gruber in den nächsten Tagen eine umworbene Frau sein wird. Bislang hatte sie als einzige BDP-Gemeinderätin mit der EVP eine Fraktion gebildet (und war damit der linken Parlamentsseite zugeordnet worden). Welcher Fraktion Gruber künftig angehört, ist noch nicht klar.

Bleibt sie in der EVP-Fraktion? Der Plüsch-EVP-Winti-Leu mit dem Yvonne Gruber am Wahltag im Superblock mitfieberte, hat ihr jedenfalls nachträglich Glück gebracht.

EVP-Präsidentin Barbara Günthard Fitze bezeichnet die Wahlpanne als «peinlich». Laut Günthard plant die EVP, die Fraktion mit der BDP-Politikerin Gruber weiterzuführen: «Kurz vor den Wahlen haben wir das jedenfalls so besprochen, die Zusammenarbeit im Gemeinderat hat sich bewährt.» Laut Günthard habe Yvonne Gruber in Vergangenheit in den meisten Fragen mit der Fraktion gestimmt, und nur in Ausnahmefällen mit der bürgerlichen Ratsseite.

Yvonne Gruber selbst, kann noch nicht sagen, ob sie in der EVP-Fraktion verbleibt. «Angedacht war es», sagt sie. Sie kann es sich in Ruhe überlegen und sich vom Auf und Ab der letzten Tage erholen: Aktuell weilt die Doch-nicht-Abgewählte nämlich nicht in Winterthur sondern im Urlaub, «an einem warmen Ort», wie sie sagt.

Und was sagt die Stadt?

Die Stadtkanzlei teilt derweil mit, dass sie den Fehler bedauert. Wie es zur Wahlpanne kommen konnte, und welche Massnahmen man prüft, um die Qualitätskontrolle künftig zu verbessern, darüber will Stadtschreiber Ansgar Simon heute Nachmittag Auskunft geben.

(huy/mig/mpl)

Erstellt: 08.03.2018, 10:26 Uhr

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