Winterthur

Die neue Theaterdirektorin spürt keinen Druck

Bettina Durrer führt ab November die Geschicke des in eine Aktiengesellschaft verwandelten Stadttheaters. Durch die hohen Erwartungen lässt sie sich nicht aus der Ruhe bringen. Die 50-Jährige vertraut auf ihre Managementerfahrung.

Das Theater Winterthur hat eine neue Direktorin. Bettina Durrer übernimmt.

Das Theater Winterthur hat eine neue Direktorin. Bettina Durrer übernimmt.

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Sie waren die letzten Jahre bei Meteo Schweiz, jetzt werden Sie in Winterthur Direktorin der Theater AG. Wie kommt man vom Wetter zum Theater?
Bettina Durrer: Ich bin privat seit jeher Theatergängerin, gehe in die Oper, ins Konzert oder besuche Kleinkunstanlässe. Nun hat sich für mich eine grosse Chance ergeben, meine Freizeitleidenschaft zum Beruf zu machen.

Selber gespielt oder Regie geführt haben Sie nie?
Nein.

Was war bislang das Theater Ihrer Wahl?
Das gab es nicht. Ich liebe es, in verschiedene Theater zu gehen, auch ins Theater Winterthur.

Was haben Sie letztes Jahr im Theater Winterthur gesehen?
Den Chaplin-Film «Modern Times», der vom Musikkollegium vertont wurde.

Haben Sie ein Lieblingsstück?
Ein Stück, das mich sehr berührt, ist Medea, die Geschichte einer Frau, die verstossen wird, in ihrer Raserei ihre Kinder umbringt und sich letztlich selbst schadet.

«Ich weiss wie es ist, wenn man eine Institution auslagert, es Veränderungen gibt und doch weiterhin eine grosse Nähe zu einer Stadt bestehen bleibt.»

Würden Sie sagen, dass es viele Berührungspunkte gibt, zwischen Ihrer alten und Ihrer neune Aufgabe?
Durchaus. Als Verwaltungsdirektorin des Theaters werde viel mit Führung zu tun haben, ein breites Portfolio verantworten, einen Leistungsauftrag erfüllen und nach innen und aussen kommunizieren müssen. Das sind Tätigkeiten, die ich von meinen Stellen bei Meteo Schweiz und der Hochschule Luzern gut kenne.

Sie haben sich ohne Erfahrung im Kulturbereich um die Theaterleitung beworben und sich gegen diverse Mitbewerber durchgesetzt. Was denken Sie, warum ist Ihnen das gelungen?
Es war ein Entscheid des Verwaltungsrates und für mich ein Vertrauensbeweis. Im Bewerbungsverfahren war es mir wichtig zu zeigen, welche Erfahrungen in der Führung, in der Organisation und im Marketing ich mitbringe. Ich habe in Luzern die Auslagerung der städtischen Werke mitgeleitet als Leiterin der Unternehmensentwicklung, ich weiss also wie es ist, wenn man eine Institution auslagert, es Veränderungen gibt und doch weiterhin eine grosse Nähe zu einer Stadt bestehen bleibt. Ich habe in meiner Karriere zudem mit vielen Fragen zu tun gehabt, wie sie in jeder Organisation ein Thema sind. Ich denke, das sind die Kompetenzen, die den Ausschlag gaben.

Aus Sicht der Unternehmungsentwicklung erscheint der Zeitpunkt für einen Wechsel an der Theaterspitze nicht optimal.
Der Zeitpunkt ist für einen Wechsel nie optimal. Es kann eine Chance sein, eine neue Phase mit einer neuen Leitung anzufangen. Und es gibt dazu keine Alternative. Der amtierende Direktor René Munz hat für sich entschieden, jetzt eine neue Lebensphase anzufangen.

«Meine Aufgabe wird es sein, das Theater gut zu
vernetzen.»

Fehlt dem Theater – ohne den langjährigen Direktor und ohne den Stadtpräsidenten als obersten Fürsprecher – in dieser wichtigen Phase nicht eine Identifikationsfigur?
In dieser Hinsicht spielt Thomas Guglielmetti sicher eine wichtige Rolle. Er ist und bleibt das künstlerische Aushängeschild des Theaters. Wir haben mit ihm jemanden, der richtig brennt für seine Aufgabe. Meine Aufgabe als Gesamtleiterin wird es sein, das Theater gut zu vernetzen. Dann haben wir aber auch einen hervorragend vernetzten Verwaltungsrat, mit ganz verschiedenen Persönlichkeiten.

Was haben Sie für eine Vision fürs Theater Winterthur?
Das Theater Winterthur hat als Mehrspartenhaus heute schon ein riesiges Vermögen, ganz unterschiedliche Kulturrichtungen zu zeigen. Es ist ein Theater mit einem hohen Anspruch, das verschiedenen Personen ein kulturelles Erlebnis bietet. Damit möchten wir weiterfahren.

Von der Stadt bekommt das Theater mehr Geld als zuletzt, verbunden damit ist die Erwartung, dass die Zuschauerzahlen und die Zuwendungen steigen. Spüren Sie diesen Druck?
Nein, den Druck spüre ich nicht. Es ist eine Zielsetzung, eine anspruchsvolle zwar, die mir aber keine Angst macht. Und es braucht verschiedene Leute, die dazu beitragen, das Ziel zu erreichen. Man darf nicht vergessen, dass die Stadt das Theater mit einem respektablen Grundbeitrag weiterhin unterstützt.

Erstellt: 22.07.2019, 18:03 Uhr

Steckbrief und Vorgeschichte

Bettina Durrer tritt am 11. November die Nachfolge von René Munz als Verwaltungsdirektorin und Gesamtleiterin der neu gegründeten Theater Winterthur AG an. Der Verwaltungsrat hatte die Wahl am Sonntag in einer Mitteilung bekannt gemacht. Durrer wurde 1969 in Zürich geboren, sie studierte Geschichte und Politikwissenschaften und arbeitete für die städtischen Werke Luzern und die Hochschule Luzern. Seit 2012 leitet sie bei Meteo Schweiz den Bereich Planung und Kundenbeziehung mit 45 Mitarbeitenden. Durrer ist 50-jährig und lebt in Russikon. Ihr Vorgänger René Munz geht per Ende Juli in Pension. Er hatte die Auslagerung des Theaters in eine AG auf den Weg gebracht, die an der Urne im letzten März 75 Prozent Zustimmung fand. (mcl)

Bettina Durrer leitet ab November das Theater Winterthur. (Bild: PD)

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