Winterthur

Die Party ist noch nicht vorbei

Gleich drei Clubs suchen derzeit in Winterthur neue Besitzer. Und an der Ausgangsmeile im «Kultareal» eröffnen zwei junge Gastrounternehmer das neue «Kornhaus». Eine Umschau im Winterthurer Nachtleben.

Die Clubszene feiert zusammen: Das erste «Drink ’n’ Dine Festival» sorgte vor zwei Wochen für volle Gassen am unteren Vogelsang.

Die Clubszene feiert zusammen: Das erste «Drink ’n’ Dine Festival» sorgte vor zwei Wochen für volle Gassen am unteren Vogelsang. Bild: Adrian Bretscher

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Das Nachtleben in Winterthur ist im stetigen Umbruch. Ende 2015 schloss mit dem «Eighty-Four» (ehemals Garden Club, Pacha, Scarlett und Planet Maxx) eine der grössten Discos. Heute ist dort ein Fitnessclub. Schwitzen statt feiern im Ausgangsviertel? Nein, im «Bermudadreieck» ist die Party noch lange nicht zu Ende. Anfang Oktober kommt sogar noch ein kleiner neuer Club dazu.

Das «Kornhaus» befindet sich im gleichen langen Gebäudekomplex wie das Salzhaus, gegenüber des «Zimmer 31» und «Coyote Ugly». Das ist kein Zufall, die drei Lokale gehören alle der Gastro ZH GmbH. Dahinter stehen die zwei 30-jährigen Unternehmer Fabian Frauenfelder und Adrian Schnaubelt. Innerhalb von weniger als drei Jahren haben sie sich fest in der Ausgangsszene von Winterthur etabliert.

 «In Winterthur kann man als Club nur im Zentrum überleben.»

Im Oktober 2014 eröffneten sie im Maag-Areal in der Grüze den «Hangar 11» (ehemals St-Tropez, davor XS), im Juli 2016 übernahmen sie die «Arch-Bar» und anfangs Jahr das «Zimmer 31» und das «Coyote Ugly», die vorher dem Winterthurer Urgestein Roger Diener gehörten. Zum kleinen Gastro-Imperium von Schnaubelt und Frauenfelder gehören auch der Kursaal Arosa, der Floor Club in Kloten und ein Catering-Service. Vom Hangar 11 haben sie sich im Frühling getrennt, weil sie sich auf ihre neuen Standorte in Bahnhofsnähe fokussieren wollten.

Hip und bis sechs geöffnet

Jedes der vier Winterthurer Lokale hat seinen eigenen Charakter und sein Publikum, sagt Adrian Schnaubelt. «Das Coyote Ugly und das Zimmer 31 sprechen eher ein junges Publikum von 18 bis etwa 28 an, darunter viele Studenten und viele Stammgäste Winterthur und der Ostschweiz.» Die «Arch-Bar» versteht sich dagegen eher als gepflegtere Cocktailbar mit einem Publikum von 25 aufwärts.

Und das Kornhaus? «Dort wollen wir ein sehr urbanes Publikum ansprechen», sagt Schnaubelt. Eine hippe, etwas ältere Klientel, die sonst eher nach Zürich gefahren wäre. Gespielt wird elektronische Musik und Old-School-Hiphop, wobei man auf die Erfahrung aus «Hangar 11»-Zeiten aufbauen könne.

Mit 150 bis 200 Gästen ist der Club deutlich kleiner als die drei anderen, dafür bekommt er die längsten Öffnungszeiten. Samstags ist hier bis sechs oder sieben Uhr offen. Ganz neu ist das «Kornhaus» nicht, unter gleichem Namen gab es Ende 2016 schon ein dreimonatiges Provisorium.

Wo bitte ist das «Kultareal»?

Die Ausgangsmeile komplettiert sich. Und mit den alteingessenen Platzhirschen Salzhaus und Bolero haben Schnaubelt und Frauenfelder den Kontakt intensiviert. Was heute informell als Bermudadreieck bezeichnet wird, der untere Vogelsang, soll künftig «Kultareal» heissen. Im Volksmund ist der Begriff noch nicht angekommen, aber es gibt bereits eine gemeinsame Webpräsenz. Und vom 8. bis 10. September fand das erste «Drink’n’Dine-Festival» statt. Das Areal war voll mit Ess- und Trinklustigen, die Fortsetzung ist schon geplant.

Gleich drei Clubs zu verkaufen

Doch nicht überall läuft es den Clubbesitzern so rund wie im Kultareal. Auf dem Immobilienportal «Homegate» finden sich gleich drei Winterthurer Clubs, die auf einen neuen Betreiber warten. «Interessante Shisha Lounge & Disco-Club zur Übernahme» steht im einen Inserat. Und: «Weitere Informationen nur gegen Unterzeichnung der Vertraulichkeitserklärung.» Wer eins und eins zusammenzählt, landet aber rasch beim «Imperial» (ehemals Move) an der Technikumstrasse.

«Ja, wir suchen einen Nachfolger», bestätigt Onur Burak, der den Betrieb seit zwei Jahren führt. Der Grund sei, dass er aus familiären Gründen die Schweiz verlasse. Geschäftliche Gründe gebe es keine. «Wir konnten gut davon leben», sagt Burak. In die Einrichtung mit Fumoir und Shisha-Lounge habe man kürzlich noch investiert. Die Lage nahe am Bahnhof sei gut, das Publikum (»Viele Dominikaner und Latinos, kaum Leute aus dem Balkan») komme zuverlässig, die Miete sei vergleichsweise günstig.

Eintagesfliege «Sandrigo»?

Das lässt sich für den zweiten Club nicht sagen, der als «gross und erstklassig ausgestattet» beworben wird, an «zentraler Lage» und mit Platz für 800 Gäste. 20 000 Franken Monatsmiete sind hier fällig. Auch hier gibt sich der Vermieter verschwiegen, doch auf Grund der Beschreibung kommt nur das «Sandrigo» (ehemals Halli Galli, davor Alpenmax) in Frage, das im Mai eröffnete und nach Renovationsarbeiten in den Sommermonaten anfangs Monat dann gleich nochmals eine Eröffnungsparty feierte. Geht dem «Sandrigo» nun bereits die Puste aus? Auf Anfragen des «Landboten» reagierte niemand.

«Möchte ich gratis nicht»

Bereits seit längerer Zeit ausgeschrieben ist «The View» im siebten Stock von «Claudia - House of Sound» in Töss, direkt neben der Autobahn. Das ehrgeizige Projekt, mit Geld von Royal Döner finanziert, hob nie recht ab. Für die Einrichtung hofft der Inserent noch 500 000 Franken zu erhalten.

Das scheint optimistisch. «Der Club wurde mir schon mehrfach angeboten, aber ich würde ihn auch gratis nicht übernehmen wollen», sagt Hänse Schegg vom Bolero. «In Winterthur kann man als Club nur im Zentrum überleben. Die Leute möchten vorher noch in der Stadt Essen gehen können, in eine Bar gehen oder ins Kino. Vor allem möchten viele unkompliziert mit dem Zug anreisen können.» Die Zeit, wo die Mehrheit mit dem Auto in den Ausgang fuhr, sei vorbei.

Im zweiten Club in der Peripherie, dem «Sabor Latino» (ehemals Hangar 11), hofft Franz Rudolf, dass nach der Sommerpause noch mehr Betrieb einkehrt. «Es ist etwas schwieriger als gedacht.» Zu schaffen macht ihm die zunehmende Konkurrenz im Salsa- und Latino-Bereich. «In letzter Zeit gab es einen wahnsinnigen Boom an Veranstaltungen.» Trotzdem ist Rudolf nach seinem ersten halben Jahr zuversichtlich: «Wir sind nicht weit vom Ziel entfernt.»

(Der Landbote)

Erstellt: 22.09.2017, 17:13 Uhr

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