Winterthur

Die Pensionskasse der Stadt will ihre Anlagestrategie überdenken

Mit einer Jahresrendite von 5,3 Prozent lag die Performance der Pensionskasse der Stadt Winterthur 2017 klar unter Branchendurchschnitt. Stiftungsratspräsident Jorge Serra will bei der Anlagestrategie über die Bücher.

Wie weiter mit der städtischen Pensionskasse?

Wie weiter mit der städtischen Pensionskasse? Bild: Marc Dahinden

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Nach Abzug aller Kosten lag die Jahresrendite der Pensionskasse der Stadt letztes Jahr bei 5,3 Prozent, wie der gestern erschienene Jahresbericht festhält. Hand aufs Herz: Sind Sie zufrieden?
Jorge Serra: Wir liegen damit klar über der Sollrendite, die im letzten Jahr bei 2,8 Prozent lag. Das ist eigentlich erfreulich. Aber zufrieden können wir trotzdem nicht sein, andere Kassen haben besser performt. Weil wir eine Unterdeckung haben, ist unsere Risikofähigkeit und damit unsere Handlungsfreiheit eingeschränkt. Trotzdem werden wir die Anlagestrategie überdenken. Das muss jede Kasse periodisch machen, bei uns hängt viel davon ab, ob wir ihm Rahmen der Sanierung die bei der Stadt beantragten 144 Millionen bekommen.

In welche Richtung gehen die Gedanken bei den Anlagen?
Das kann ich noch nicht sagen.

Die Leitung der Kasse hat kürzlich gewechselt. Hat das einen Einfluss auf die Strategie?
Zuständig sind nach wie vor die Anlagekommission und unser Anlagen-Leiter Mariusz Platek. Natürlich ist unsere neue Geschäftsführerin Gisela Basler auch eingeladen sich einzubringen.

Die Börse in der Schweiz hat letztes Jahr 20 Prozent zugelegt, viele ausländische Börsen liefen noch besser. Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Märkte?
Die Aktienmärkte sind sehr volatil. Schweizer Aktien zum Beispiel haben in diesem Jahr schon 8 Prozent korrigiert.

«Es hängt viel davon ab, ob wir die 144 Millionen Franken von der Stadt bekommen.»
Jorge Serra, 
Stiftungsratspräsident der Pensionskasse der Stadt Winterthur

Was bedeutet es, wenn sich die in den USA eingeleitete Zinswende global ausweitet?
Bei einem nachhaltigen Zinsanstieg müssten wir nicht unbedingt schlecht da stehen, weil wir nicht viele Obligationen halten, deren Kurse dann sinken würden. Grundsätzlich sind uns Obligationen zu zinssensitiv und Aktien zu volatil, um in grösseren Volumen darauf zu setzen.

Die Pensionskasse hat einen vergleichsweise hohen Anteil an sogenannten alternativen Anlagen. Darunter sind die Versicherungsverbriefungen ILS, die bekanntlich im letzten Jahr einen Verlust eingefahren haben.
Das stimmt, es war allerdings das erste Jahr, in denen bei den ILS ein Verlust resultierte. Sie sind davor jahrelang gut gelaufen.

Auch andere alternative Anlagen haben einen Verlust gebracht. Bei den Beteiligungen an Hedge Funds und Private-Equity-Firmen resultierte ein Minus von 4,5 und 3,1 Prozent.
Das ist so. Uns sie haben nicht den gewünschten Diversifizierungseffekt gebracht. Wie gesagt, die Strategie ist auf dem Prüfstand.

Unter dem Strich hat die Pensionskasse immer noch rund 100 Millionen Franken Rendite eingefahren und die Vorgaben übertroffen. Der Deckungsgrad aber steigt nun nicht, sondern fällt auf 92,6 Prozent. Warum?
Das hat mehrere Gründe. Zum einen haben wir nach 2015 zum zweiten Mal den technischen Zinssatz gesenkt, auf jetzt noch 2,25 Prozent. Und dann haben wir auf Generationentafeln umgestellt, welche die Lebenserwartung realistischer abbilden. Beides senkt den Deckungsgrad. Ausserdem haben wir für das neue Vorsorgemodell, das 2020 in Kraft tritt, Geld zurückgestellt: über 70 Millionen Franken für Kompensationsmassnahmen bei den aktiven Versicherten sowie die 144 Millionen Franken, die wir von der Stadt erwarten. Damit haben wir alle Kosten, die 2020 bis 2024 anfallen, zurückgestellt und sind geschützt.

Das klingt, als würden Sie nicht mehr mit den 144 Millionen Franken von der Stadt rechnen.
Der Eindruck wäre gänzlich falsch. Es geht uns bei den Rückstellungen um das Prinzip einer echten und fairen Buchhaltung. Wenn wir das Geld von der Stadt bekommen, verbessert sich der Deckungsgrad schlagartig. Es gibt stichhaltige Argumente für die 144 Millionen Franken. Damit werden alte Verpflichtungen nachfinanziert. Bekommen wir das Geld nicht, müssen die aktiven Versicherten der Stadt die heutigen Rentner nachfinanzieren.

Das klingt schön und gut. In seinem versicherungstechnischen Gutachten hat der externe Experte der Pensionskasse im Mai vor einem Jahr zwingend geraten, jetzt schon Massnahmen zu ergreifen und die Sanierungs- und Risikobeiträge zu erhöhen. Warum ist das nicht passiert?
Ich kann mich aus rechtlichen Gründen nicht zum Inhalt des versicherungstechnischen Gutachtens äussern. Aber unser Vorgehen ist mit der zuständigen Stiftungsaufsicht abgesprochen.

Nun hat aber die kantonale Stiftungsaufsicht eine Erklärung verlangt, warum Sie der Empfehlung nicht gefolgt sind.
Gerade die Gespräche mit der Aufsicht haben uns dazu bewogen, sämtlichen Rückstellungen wie eben dargelegt mit dem Rechnungsabschluss 2017 zu tätigen und damit eine Bilanz zu zeigen, die den tatsächlichen finanziellen Verhältnissen entspricht. Damit sind wir im Einklang mit den Vorgaben der Aufsicht.

Ab Montag berät der Gemeinderat über das neue Vorsorgemodell und den Antrag auf 144 Millionen Franken Steuermittel. Wie ist diesbezüglich Ihr Gefühl?
Ich gehe davon aus, dass sich der Antrag an den Gemeinderat als die sinnvollste Variante durchsetzen wird. Die Alternative wäre eine lange, mühsame und am Ende noch teurere Sanierung.

Sagen wir, die Öffentlichkeit zahlt die 144 Millionen. Müssten Sie dann nicht die Privilegien der Stadtangestellten anpassen? Auch mit dem neuen Modell zahlen Sie nur 40 Prozent der PK-Beiträge, ein 50-zu-50 wie in der Privatwirtschaft könnte ein Gegenangebot sein.
Die Aufteilung 60 zu 40 entspricht dem Schweizer Durchschnitt aller Kassen, Private inklusive. Ich glaube, wir haben ein gutes Angebot für den Steuerzahler. Wenn die Sanierung durch ist, haben wir eine Entlastung der laufenden Rechnung. Das hat man selten.

(Der Landbote)

Erstellt: 04.07.2018, 18:26 Uhr

Jorge Serra ist Stiftungsratspräsident der städtischen Pensionskasse.

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