Winterthur

Die reformierten Kirchen dosieren den Glockenlärm

Die Stadtkirche schlägt in der Nacht neuerdings nur noch zur vollen Stunde, in Töss wird der Glockenschlag nachts ganz ausgesetzt: Die reformierten Kirchgemeinden beugen sich in der Glockenfrage nun auch den Anwohnern – zumindest zum Teil.

Die Stadtkirche hält seit Sommerferienbeginn die Nachtruhe ein – ausser zur vollen Stunde.

Die Stadtkirche hält seit Sommerferienbeginn die Nachtruhe ein – ausser zur vollen Stunde. Bild: Urs Jaudas

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wo kein Kläger, da kein Richter. Nach dieser alten Maxime handelten die sieben reformierten Kirchgemeinden von Winterthur vor vier Jahren und klinkten sich aus den laufenden Verhandlungen über eine neue städtische Läutordnung aus. Doch nun werden sie von der Realität eingeholt.

Nach Anwohnerbeschwerden hat sich die reformierte Kirchgemeinde Stadt entschieden, die Glocken in der Nacht nur noch zur vollen Stunde zu schlagen. Zudem wird das Betzeitgeläut der Stadtkirche am Morgen um eine Stunde verschoben: von 6 auf 7 Uhr.

In Töss bleibt die reformierte Kirche künftig die Nacht über ganz stumm. Zuvor hatten bereits die reformierten Kirchgemeinden Veltheim und Mattenbach ihr Glocken-Regime angepasst.

Konfliktpotenzial in Töss

Die katholischen Kirchen in Winterthur kennen bereits seit Anfang 2014 keinen nächtlichen Glockenschlag mehr. Dem Entscheid vorausgegangen waren jahrelange Querelen mit Anwohnern in Mattenbach und Töss. Damit verglichen, ging die Auseinandersetzung um die Glocken der reformierten Kirchen bislang eher still vonstatten.

«Da wird mit einer sehr alten Tradition gebrochen»Ein Winterthurer bedauert in einem Brief die Anpassungen bei der Stadtkirche

In Töss, wo Anwohner mit einer Petition Druck auf die Kirche machten, bleibt allerdings Konfliktpotenzial. Die Kirchenpflege hat bislang erst eine der Forderungen der Anwohner erfüllt. Insbesondere wurde nach Rücksprache mit der Kirchgemeindeversammlung das Begehren um eine Verschiebung des Morgengeläuts, ebenfalls von 6 auf 7 Uhr morgens, abgelehnt.

«Wir haben das Morgengeläut an der Versammlung offen zur Diskussion gestellt», sagt Kirchenpfleger Paul Schoechlin. «Eine Mehrheit der Leute, die an die Versammlung kamen, hatte aber kein Verständnis für eine Verschiebung.» Die Anwohner hat Schoechlin nun eingeladen, ihr Anliegen an der nächsten Versammlung im Herbst persönlich vorzutragen. «Das es dabei zu einer Konfrontation kommt, lässt sich nicht vermeiden», sagt er. Die Kirchenpflege versuche nach bestem Ermessen, alle Interessen auszutarieren, was jedoch immer schwieriger werde. «Das liegt daran, dass im Gegensatz zu früher immer weniger der direkten Anwohner der Kirche auch Mitglieder der reformierten Kirchgemeinde sind.»

«Aber unsere Stadtkirche?»

Die Stadtkirche hat mit den Anwohnern dagegen eine einvernehmliche Lösung gefunden. Kirchenpflegepräsident Andreas Schraft sagt, er hätte von Beginn an keinen Streit, sondern einen Kompromiss gesucht. Kritik muss sich Schraft dennoch gefallen lassen. Ein Anwohner, der, wie er sagt, «fast neben den Kirchenglocken» wohnt, schrieb Schraft einen Brief. Der Wortlaut: «Ich bin ein Mensch, der eigentlich nicht so den Traditionen verhaftet ist, aber unsere Stadtkirche? Da wird mit einer sehr alten Tradition gebrochen und das Geläut und der Viertelstundenschlag haben durchaus eine sinnvolle Funktion und akustische Qualität.»

Schraft dagegen sieht in der Verschiebung des Morgengeläuts eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen, wie er im Interview mit dem «Landboten» sagt. Mit dem Erhalt des Stundenschlages in der Nacht wahre man gleichzeitig auch die Bedürfnisse jener, die das Glockengläut schätzen.

Lesen Sie das Interview mit dem Kirchengemeindepräsident Andreas Schraft morgen in der gedruckten Ausgabe des Landboten oder hier auf www.landbote.ch.

Erstellt: 03.08.2017, 16:34 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@landbote.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 052 266 99 85. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Bonus-Angebote

Bonus-Angebote

Alle Bonus-Angebote im Überblick.