Winterthur

Die routinierten Bisherigen lassen die Herausforderer alt aussehen

Selbstbewusst und mit geeinten Fronten traten die sieben amtierenden Mitglieder des Stadtrats am gestrigen Wahlpodium im Casinotheater auf. Ihre vier Herausforderer werden noch einen Gang zulegen müssen.

Beschnuppern vor dem Auftritt: Kurz bevor sie die Bühne des vollen Casinotheater-Saals betraten, übten sich nervöse Herausforderer und entspannte Amtsinhaber im Smalltalk.

Beschnuppern vor dem Auftritt: Kurz bevor sie die Bühne des vollen Casinotheater-Saals betraten, übten sich nervöse Herausforderer und entspannte Amtsinhaber im Smalltalk. Bild: Madeleine Schoder

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Sie scherzten, kokettierten und beglückwünschten ihre Ratskollegen zu den gemeinsam erreichten Erfolgen: Die sieben bisherigen Stadträte, die am 4. März wiedergewählt werden möchten, traten auf wie eine selbstbewusste, geeinte Mannschaft vor dem Heimpublikum.

Und tatsächlich hatten sie die rund 300 Zuschauer im Casino­theater meist auf ihrer Seite. Währenddessen mühten sich die vier Herausforderinnen und Herausforderer, Löcher in die Abwehrreihen zu reissen, liefen dem Ball aber meist nur hinterher.

Das von «Landbote»-Chefredaktor Benjamin Geiger und SRF-Regionaljournal-Redaktionsleiterin Katrin Hug gemeinsam moderierte Podium war so gut besucht wie unterhaltsam. Durch die sehr schnelle Kadenz waren geübte Rednerinnen und Redner eindeutig im Vorteil – und diese fanden sich vor allem in den Reihen des amtierenden Stadtrats.

«Das ist nicht sexy»

Noch am besten mithalten konnte da die SP-Herausforderin Christa Meier, die angriffig auftrat und nicht mit Kritik am bisherigen Stadtrat unter bürgerlicher Führung geizte. «Sparen ist in den letzten vier Jahren zur Identität geworden», kritisierte sie. «Das ist nicht sexy. Winterthur muss wieder lernen, grosszügig zu denken.»

Annetta Steiner (GLP), die wie Meier auch fürs Präsidium antritt, wirkte bodenständig und durchaus sympathisch, aber wenig präsidial. Sie kritisierte die starke Verschuldung und versprach: «Mit mir wird Winterthur in vier Jahren wieder Velo­stadt Nummer eins.»

Der IT-Unternehmer Blerim Bunjaku, der sich als parteilose Alternative präsentieren wollte, fiel dagegen ab. Er wirkte verkrampft bis konfus und verwechselte Details (etwa Biorender und Wärme Frauenfeld). Da er nicht zu seinem Paradethema, Islamismus, reden konnte, blieb er recht farblos.

Der Pirat und Dauerkandidat Marc Wäckerlin empfahl sich selbst als «Querdenker». Als Libertärer redete er einem radikalen Staatsabbau das Wort. Die Steuern müssten gleich um 20 Prozent gesenkt werden, dann kämen Unternehmen, deren neue Arbeitsplätze auch gleich das Sozialproblem lösten. «Davon möchte ich nicht reden, auch wenn es schön wäre», fand sogar SVP-Stadtrat Josef Lisibach.

Nur einer fiel ab

Der Captain des «Heimteams», Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), betonte die Erfolge der letzten vier Jahre: Man habe mit grossen Anstrengungen die Finanzen ins Lot gebracht, grosse Bauprojekte realisiert und die meisten Abstimmungen gewonnen. Bei den Fragerunden wirkten er und seine Amtskollegen Stefan Fritschi (FDP), Nicolas Galladé (SP), Barbara Günthard (FDP), Yvonne Beutler (SP) und Josef Lisibach (SVP) gelöst und bei den Stegreifreden zeigten sie Witz und Selbstironie.

Nur einer hinkte hinterher: Der Amtsjüngste, Jürg Altwegg (Grüne), konnte seinen Witz kaum ausspielen, sondern war hauptsächlich damit beschäftigt, sich für Schnellschüsse in seinen ersten Amtsmonaten zu erklären. Als «teuerster Lehrling der Stadt» habe er eine Chance verdient, sich weiter zu beweisen, argumentierte er. «Es braucht etwa ein Jahr, bis man sich richtig eingearbeitet hat.»

Richtige Wechselstimmung war im Casinosaal nicht spürbar, dramatische neue Erkenntnisse blieben aus. Die Zuschauerinnen und Zuschauer verliessen den Saal jedoch bestens unterhalten. Eins ist klar: Damit es am 4. März spannend wird, müssen die Herausforderer nochmals einen Extragang zulegen.

Das Podium zum Nachhören

Das Podium wurde auf der «Landbote»-Website live übertragen und ist dort sowie auch auf der Website von SRF abrufbar. (Der Landbote)

Erstellt: 01.02.2018, 11:12 Uhr

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