Stadtratswahlen

Die sieben Bisherigen präsentieren sich als eingespieltes Team

Eine Einheitsbrille habe der Stadtrat auf, sagte einer der Bisherigen am Mittwoch im Casinotheater, und so traten die amtierenden Stadträte auch auf. Kritik gab es nur von den Herausforderern. Diese hatten gegen den geeinten Stadtrat jedoch einen schweren Stand.

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Unauffällig gibt Barbara Günthard-Maier (FDP) ihrem Amts- und Parteikollegen Stefan Fritschi ein Zeichen. Seine Hose sitzt noch nicht ganz perfekt. Schnell richtet er den Saum. Nun ist er ­bereit für seinen Auftritt.

Diese Szene zu Beginn des Podiums ist bezeichnend. Die bisherigen Stadträte und Stadträtinnen schauen zueinander, treten als eingespieltes Team auf, in dem man sich höchstens mal einen netten Scherz auf Kosten eines Kollegen erlaubt.

Dieser Eindruck bleibt auch beim Publikum hängen. «Keiner der Neuen hat sich aufgedrängt», sagt eine Besucherin nach dem Podium. Und ein anderer meint: «Der Stadtrat in der jetzigen ­Zusammensetzung scheint ein gutes Team zu sein.»

90-jähriger Fritschi gratuliert dem FC Winterthur

Das Podium des «Landboten»in Zusammenarbeit mit dem SRF-«Regionaljournal» vom Mitt­woch­abend im Casinotheater bot teilweise hohen Unterhaltungswert, etwa, als die Kandidierenden je eine Stegreifrede halten mussten.

Bei den Stehgreifreden ging es lustig zu und her.

Stefan Fritschi (FDP) erhielt die Aufgabe, zum Aufstieg des FCW in die Super League eine Ansprache zu halten: «Ich bin jetzt 90-jährig, habe vom Stadtrat gerade eine Wolldecke zum Geburtstag erhalten und darf nun einen freudigen Anlass verkünden.» Fritschi hatte die Lacher auf seiner Seite, und die Wolldecke kam an jenem Abend noch weitere Male zur Sprache.

«Mike Künzle hätte von der Postur her besser zum Bärengehege gepasst als ich.»Yvonne Beutler (SP)
bei ihrer Stegreifrede zur Einweihung des Bärengeheges im Bruderhaus

Auch Nicolas Galladé (SP) konnte Applaus einheimsen für seine flüssig vorgetragene Rede zur Einweihung der Fussgängerzone Stadthausstrasse: «Wesentlich für diesen Erfolg war, dass der ‹Landbote› in seiner Berichterstattung zu den Wahlen 2018 aufzeigte, dass vor allem rot-grüne Politiker für eine autofreie Stadthausstrasse sind. Das führte zu einem Erdrutschsieg der ­Linken im Gemeinderat und im Stadtrat.»

Ein begabter Redner: Nicolas Galladé weiht die autofreie Stadthausstrasse ein.

Nicht alle meisterten die schwierige Aufgabe gleich ­locker. Die Bisherigen waren mit ihrer Redeerfahrung klar im Vorteil, die Herausforderer schlugen sich aber achtbar.

Sparen oder mehr Steuern erheben?

Es wurde jedoch auch ernsthaft debattiert. So stritten sich die drei Kandidierenden für das Stadtpräsidium darum, ob in Winterthur in den letzten Jahren zu stark gespart worden sei. «Der Fokus lag fast nur auf der Aus­gabenseite und zu wenig auf der Einnahmenseite», kritisierte Christa Meier (SP).

Annetta Steiner (GLP) dagegen fand, eine Steuererhöhung allein hätte niemals gereicht. «Es gab keinen anderen Weg als die harten, teilweise schmerzhaften Sparprogramme.» Man dürfe sich nun aber auch nicht zurücklehnen: «Die Stadt hat einen grossen Schuldenberg, und die Pensionskasse ist in Schieflage.»

Der amtierende Stadtpräsident Michael Künzle (CVP) konterte, man werde sich keineswegs zurücklehnen. Aber es gelte anzuerkennen, dass es ­gelungen sei, die Finanzen zu ­stabilisieren.

Sind sich in punkto Stadtfinanzen nicht einig: die Stadtpräsident Mike Künzle und Präsidentschaftskandidatin Christa Meier.

«In den letzten Jahren ist vieles ins Stocken geraten»

«Landbote»-Chefredaktor und Moderator Benjamin Geiger wollte von Christa Meier wissen, was die Linke falsch gemacht habe, dass Winterthur neben Lugano die einzige Stadt mit einer ­bürgerlichen Regierung sei. Sie meinte selbstkritisch, die Linke habe es nicht geschafft, zu zeigen, was sie der Stadt bieten könne.

«Ich fühle mich wie in einem Aufstiegsspiel, von der Gemeinderats- in die Stadtratsliga. Ob es auch fürs Captain-Amt reicht, weiss ich noch nicht.»
A
Annetta Steiner (GLP) setzte als Präsidentin des Unihockeyvereins Red Ants voll auf Sportmetaphern

«Das möchten wir nun korrigieren, denn in den letzten vier Jahren ist vieles ins Stocken ge­raten.» Dem widersprach Künzle vehement. «Es ist nicht alles ­gelungen, aber vieles. Wir haben die Abstimmung für das Polizei­gebäude gewonnen, verschiedene Bauprojekte aufgegleist und die Erschliessungsstrasse Neuhegi im Richtplan eingetragen. Dieser Leistungsausweis lässt sich sehen.»

Auf Prognosen zu ihren Wahlchancen wollten sich die Herausforderinnen nicht einlassen. Steiner meinte aber , es sei wohl eher schwierig, gegen einen amtierenden Stadtpräsidenten anzutreten. Künzle dagegen zeigte sich selbstsicher. Er glaube, er werde Kollege Fritschi zu dessen 90. Geburtstag die obligate Wolldecke noch als Stadtpräsident überreichen.

«Der Stadtrat hat natürlich alles richtig gemacht»

Christa Meier erhielt von den bisherigen links-grünen Stadträten wenig Schützenhilfe bei ihrem Angriff gegen die Bürgerlichen. Auf die Frage, was er als Grüner davon halte, dass Aquifer versenkt worden sei, antwortete Jürg Altwegg ausweichend.

«Wir haben im Stadtrat eine Einheitsbrille auf, und der Stadtrat ist der Meinung, dass die ökonomische Bewertung viel wichtiger ist.» Zwar war der ironische Unterton nicht zu über­hören, konkrete Kritik blieb aber aus. Und als Nicolas Galladé gefragt wurde, ob es eine gewerbefreundlichere Parkplatzverordnung brauche, damit sie eine Chance habe, sprach er lediglich darüber, dass es Vorgaben gebe, die verlangen, dass man den Veloverkehr steigert.

«Es ist eigentlich gar nicht so schlimm mit dem Stau.»Marc Wäckerlin (Pirat)
zur Frage, welche Verkehrsmittel man fördern sollte

Eine Antwort blieb er schuldig. Yvonne Beutler schliesslich antwortete auf die Frage, wo der Stadtrat gut investiert habe in den letzten Jahren und wo nicht: «Der Stadtrat hat selbstverständlich alles richtig gemacht.»

Umgekehrt trugen auch die Bürgerlichen die Geschäfte der linken Kollegen brav mit. Stadtrat Josef Lisibach (SVP) verteidigte die Stellenaufstockung im Sozialen. Es möge auf den ersten Blick nicht nachvollziehbar sein, dass man durch eine Stellenaufstockung sparen könne. «Aber weil die Sozialarbeiter weniger Fälle haben, können sie diese besser betreuen. Es braucht solch kreative Lösungen.» Der Tenor des Abends war klar: nur den Amtskollegen nicht zu nahe treten.

Entsprechend schwierig war es für die vier Neuantretenden, zu punkten. Der parteilose Blerim Bunjaku kritisierte, in manchen Schulhäusern herrschten Zustände wie in einem Entwicklungsland. Er habe als Schulpfleger Container gesehen, in denen man es im Sommer kaum aushalte.

Die Neuantretenden wie Annetta Steiner oder Marc Wäckerlin, hatten einen schweren Stand gegen den amtierenden Stadtrat.

Hier müsse man investieren. Der ehemalige Schulvorsteher Stefan Fritschi, der viele Pavillons gebaut hatte, widersprach Bunjaku: «Sie haben die Finanzlage nicht im Blick, es ist uns schlicht nicht möglich, überall Prunkbauten zu erstellen für die Schulen. Die Pavillons bieten guten und günstigen Schulraum.»

Vor allem aber, meinte Fritschi, würden nicht die Wände die Schule ausmachen, sondern die Personen, die sich für die Schule einsetzten.

Pirat Marc Wäckerlin gelang es zwar mit frechen Sprüchen einige Lacher zu verbuchen. Allzu ernst wurden seine Ideen, wie eine Steuersenkung um 20 Prozentpunkte, jedoch nicht genommen.

Jihadismus: Winterthur obliegt nur die Prävention

In einer weiteren Gesprächs­runde ging es um die Frage, ob die Stadt im Zusammenhangmit den Jihad-Reisenden zuspät informiert habe. Nicolas Galladé (SP) verneinte. «Wir mussten erst ­abklären, wofürwir überhaupt zuständig sind. Der Sicherheitsbereich wirdvon einer über­geordneten Ebene verantwortet. Wir verant­worten primär die Prävention.»

Und das mache Winterthur so gut, dass die geschaffene Fachstelle schweizweit als Vorbild gelte. Auch Barbara Günthard-Maier (FDP) betonte, die Sicherheit gehe vor. Das bedeute, dass die Sicherheitsorgane ihre Arbeit ungestört ausüben könnten. «Damit das möglich ist, darf man nicht alles kommunizieren, was läuft.»

Machen Sie sich selber einen Eindruck: Das Podium in voller Länge.



Aufgefallen

Bienlisocken und Riesenschlangen

Aus modischer Sicht sind Politpodien oft eine farblose Ange­legenheit. Insbesondere die Herren gehen gerne auf Nummer ­sicher: ein dunkelgrauer Anzug, schwarze Schuhe, blaue oder rote Krawatte.

Mit dieser Einheitsuniform zogen Stadtpräsident Michael Künzle (CVP), Stefan Fritschi (FDP), Josef Lisibach (SVP) und Jürg Altwegg (Grüne) in die Argumentationsschlacht. Künzle und Lisibach hatten zusätzlich noch den obligaten Winterthur-Pin am Revers montiert.

Die Farbtupfer

Mehr Gedanken ums Styling hatten sich die Kandidatinnen gemacht: Barbara Günthard-Maier trug einen übergrossen, kunterbunten Strickschal wie eine Riesenschlange um den Hals, ein «Conversation Piece» erster Güte. Ihre Stadtratskollegin Yvonne Beutler (SP) wagte als Einzige einen Rock, dazu kniehohe Wildlederstiefel.

Christa Meier (ebenfalls SP) hüllte sich ganz in Schwarz, mit knallroten Schuhen als Farbtupfer und Parteistatement. Fast burschikos wirkte die Kombination aus grauem Blazer und hellblauem Hemd, die Annetta Steiner (GLP) gewählt hatte – hier hätte ein Accessoire gutgetan. Steiner trug als einzige Dame flache Schuhe, ansonsten waren die Absätze hoch bis sehr hoch.

Die Krawattenverweigerer

Bei den Herren gab es ein Trio von Krawattenverweigerern: Sozial­vorsteher Nicolas Galladé (SP) hatte einen schlichten dunklen Anzug gewählt, der einzige Farbtupfer waren seine gelbschwarzen Socken im Bienen-Look.

Der Parteilose Blerim Bunjaku, gelfrisiert und smart, trug ein Einstecktüchlein, während Pirat Marc Wäckerlin ganz aufs Jackett verzichtete und ein etwas zu enges weisses Hemd trug. Immerhin hatte er, bekannt für seine Liebe zu Sandalen, geschlossenes Schuhwerk gewählt. (Der Landbote)

Erstellt: 02.02.2018, 13:27 Uhr

Michael Künzle


  • Seine Themen: Als Amtsältester warf der CVP-Stadtpräsident seine Erfahrung in die Waagschale. «Ich habe bewiesen, dass ich mich mit Herzblut für die Stadt einsetze», sagte Künzle. Er wurde nicht müde, die Erfolge seiner Legislatur aufzuzählen, von der Haushaltsanierung zu verschiedenen Grossprojekten. Dass Winterthur nicht noch besser dastehe, liege einzig am fehlenden See. Für die Zukunft habe der Stadtrat einen Zwölfjahresplan aufgestellt. Wichtigstes Ziel: Arbeitsplätze schaffen.

  • Bester Moment: Im Präsidialduell lief der «gmögige» Stadtvater zur Hochform auf und bot seinen Herausforderinnen Paroli. Am besten gefiel er aber, wenn er Humor bewies, mit eigenen Pointen (zu Fritschis Wolldecke) oder mit dem gutmütigen Dulden von Witzen zu seiner Postur.

  • Unser Eindruck: Künzle gelang es, sich als Fels in der Brandung zu präsentieren, der die Freude am Amt nicht verloren hat. Ihn ernsthaft zu fordern, wird für Christa Meier und Annetta Steiner sehr schwierig.

Nicolas Galladé


  • Seine Themen: Nicolas Galladé (SP) versuchte mehrmals seine Verdienste in den letzten Jahren herauszustreichen. So etwa die Schaffung der neuen Fachstelle Extremismus und Gewaltprävention, die schweizweit als Vorbild gelte. Oder die unbürokratische, schnelle Unterbringung von 200 Flüchtlingen.

  • Bester Moment: Kaum einem fällt das Reden so leicht wie Nicolas Galladé. Der Vollblutpolitiker spricht geschliffen und schnell und es gelingt ihm, immer wieder Pointen einzustreuen. Auch mit seiner Stegreifrede konnte er punkten.

  • Unser Eindruck: Galladé fühlte sich, anders als andere, sichtlich wohl auf dem Podium. Von Nervosität war wenig zu spüren. Obwohl er inzwischen über 40 Jahre alt ist, hat er noch immer etwas Lausbubenhaftes, was ihn sympathisch macht. Trotzdem präsentierte er sich als Stadtrat, der in seinen Themen sattelfest ist. Aber auch als einer, der dank seines geschliffenen Mundwerkes unliebsame Fragen einfach wegreden kann.

Stefan Fritschi


  • Seine Themen: Der neue Vorsteher der Technischen Betriebe stellte einmal mehr unter Beweis, dass er sich nicht scheut zu sparen, auch wenn das nicht überall gut ankommt. Sei es, als er den Wärmeverbund Aquifer sistierte oder als er, noch als Schulvorsteher, auf Pavillons setzte. Als Wahlziel formulierte er aber ein sehr grünes Anliegen: Er wolle mit seinen Betrieben Stadtwerk, Stadtgrün und Stadtbus etwas dazu beitragen, die Energieziele der 2000-Watt- Gesellschaft zu erreichen.

  • Bester Moment: Stefan Fritschi (FDP) ist bekannt dafür, dass er gerne mal einen lockeren Spruch macht. Dass er Humor hat, zeigte er bei seiner Stegreifrede zum Aufstieg des FCW. Sie kam beim Publikum sehr gut an und zeigte den Sparfuchs von einer sympathischen Seite.

  • Unser Eindruck: Fritschi hatte eher einen ruhigen Abend. Trotz teils umstrittener Entscheide in der Vergangenheit musste er wenig Kritik einstecken. Er konnte sich als volksnaher, witziger Stadtrat positionieren.

Yvonne Beutler


  • Ihre Themen: Gleich zu Beginn betonte die SP-Finanzvorsteherin, sich auch für die Schwächsten einsetzen zu wollen. Die meiste Redezeit konnte sie aber auf ihr Fachgebiet verwenden, die Stadtfinanzen. Dort präsentierte sie sich als strenge Schatzmeisterin: «Wir müssen bezahlen, was wir be­stellen.» Sie betonte, dass «ihre» Rechnungen fast immer ein Plus aufwiesen, mahnte aber zu Spardiszi­plin: «Ich sehe am Horizont verschiedene Herausforderungen wie die Steuervorlage 17 und die weiter steigenden Soziallasten.» Sie werde weiterhin für einen kantonalen Soziallastenausgleich kämpfen.

  • Bester Moment: Weil der Superblock aus Klimaschutzgründen kühl temperiert sei und sie immer friere, stricke sie derzeit an einer Wolljacke, sagte Beutler. «Für manche Strickmuster braucht man einen Bachelor in Mathematik», witzelte sie.

  • Unser Eindruck: Yvonne Beutler wirkte souverän und wusste sich als Sparerin mit Herz und Humor zu inszenieren.

Barbara Günthard


  • Ihre Themen: Als Sicherheitsvorsteherin wurde Barbara Günthard-Maier (FDP) vor allem zu ihrem Fachgebiet befragt. Sie fand, dass die Stadt bei der Jihadismus-Bekämpfung fast alles richtig gemacht habe – auch bei der sparsamen Kommunikation: «Die Sicherheitsorgane müssen ungestört arbeiten können.» Mehr Kameraüberwachung ­findet Günthard-Maier derzeit nicht nötig. Sie lobte dafür die starke Zivilgesellschaft im «dörflichen» Winterthur.

  • Bester Moment: Beim Umweltschutz, der ebenfalls in ihr ­Departement fällt, appellierte Günthard-Maier an die Eigenverantwortung: «Vier von zehn innerstädtischen Strecken werden mit dem Auto zurückgelegt. Hier kann jeder Einzelne von uns einen Beitrag leisten.»

  • Unser Eindruck: Die Kommunikationsexpertin wiederholte auch an diesem Podium ihre ­bewährten Floskeln: Die «lässige Stadt», die «sicherste Grossstadt», das «Brooklyn der Schweiz». Das wirkte souverän, aber auch sehr einstudiert.

Josef Lisibach


  • Seine Themen: Wer Josef Lisibach reden hörte, kam nicht unbedingt auf die Idee, dass hier ein SVP-Stadtrat sprach. Er präsentierte sich als kompromissbereiter Sachpolitiker mit einem Herz für grüne Themen. So versprach er, die ÖV-Busquerung Grüze durch die Volksabstimmung zu bringen und in der nächsten Amtsperiode die Veloschnellbahn zu eröffnen, deren Finanzierung er gesichert habe.

  • Bester Moment: Nicht nur in einzelnen Momenten, sondern ganz grundsätzlich entstand der Eindruck, dass Lisibach, obwohl der am rechtesten positionierte Stadtrat, im Gremium inzwischen gut integriert ist. Auch die politischen Gegner scheinen ihn zu mögen.

  • Unser Eindruck: Seine Stärke ist der Auftritt. Er wirkt wie der perfekte Schwiegersohn, gut ­gekleidet, mit freundlichem Lachen und tragender Stimme. Im Publikum gab es aber auch kritische Stimmen. Er schmücke sich mit fremden Federn, etwa wenn er seine Verdienste zur Velo­schnellbahn hervorstreiche.

Jürg Altwegg


  • Seine Themen: Erst rund ein halbes Jahr im Stadtrat ist der Amtsjüngste, der grüne Schulvorsteher Jürg Altwegg. Er sei noch ein Lehrling, «der teuerste der Stadt», sagte er gleich zu Beginn, halb im Scherz. Das Etikett blieb allerdings für den Rest des Abends kleben und Altwegg musste sich für zwei Schnellschüsse zu Beginn erklären: Er hatte angeordnet, arsenbelastete Tierpräparate aus Schulhäusern zu entfernen, und war zurückgekrebst und er hatte angekündigt, eine Verlängerung des Schulschwimmbeckens Wülflingerstrasse zu prüfen, die sich rasch als unpraktikabel erwies.

  • Bester Moment: Der Grüne Altwegg erinnerte nachdrücklich daran, dass das Winterthurer Stimmvolk bis 2050 verbindliche Klimaziele beschlossen hat. «Wir können nicht erst 2049 mit der Umsetzung beginnen.»

  • Unser Eindruck: Altwegg ist noch nicht ganz im Amt angekommen. Seine offene Kommunikation und realistische Selbsteinschätzung lassen aber hoffen: Da will einer dazulernen.

Christa Meier


  • Ihre Themen: Als Aspirantin für das Stadtpräsidium lag es an ihr, den Finger auf wunde Punkte zu legen. Sie kritisierte etwa die Fixierung aufs Sparen und forderte, man müsse wieder grosszügiger denken.

  • Bester Moment: Christa Meier (SP) gelang es, daran zu erinnern, dass der bürgerliche Stadtrat eines seiner wichtigsten Legislaturziele nicht hatte durchbringen können, nämlich die Verselbstständigung von Stadtwerk. «Das verbrauchte viel Zeit und Energie, passiert ist aber nichts», sagte sie.

  • Unser Eindruck: Christa Meier agierte entschlossener und ­sicherer als noch beim Ersatzwahlpodium vor rund einem Jahr. Trotzdem gelang es ihr nicht wirklich, Präsident Künzle ins Wanken zu bringen. Eine Rolle mag gespielt haben, dass sie sich erneut dafür rechtfertigen musste, dass sie sich erst so spät als Präsidiumskandidatin hatte aufstellen lassen. Sie habe es sich eben gut überlegen müssen und habe sich daher Bedenkzeit ausbedungen, sagte sie.

Annetta Steiner


  • Ihre Themen: Die GLP-Politikerin, die auch ums Stadtpräsidium antritt, mahnte zu Spardisziplin. Sie geisselte die steigende Verschuldung der Stadt und kritisierte die geplante, sehr teure zweite Sanierungsrunde der städtischen Pensionskasse. Um sich als Bildungs- und Wirtschaftsstandort der Zukunft zu empfehlen, müsse die Stadt noch progressiver und kreativer werden. «Winterthur darf kultiger werden», sagte sie. Sie versprach: «Mit mir wird Winterthur nach vier Jahren wieder die Velostadt Nummer eins sein.»

  • Bester Moment: Stegreifreden vor Publikum sind nicht ihr Fach, die GLPlerin wirkte sichtlich verkrampft. Annetta Steiner blühte dann auf, wenn es um ihre Herzensthemen ging: Sport, Veloförderung, die ­Umwelt und Finanzpolitik.

  • Unser Eindruck: Steiner wirkt sympathischer als der frühere GLP-Dauerkandidat Michael Zeugin. Um neben den ge­witzten Bisherigen nicht zu ver­blassen, muss sie aber an Biss und Charisma zulegen.mig

Marc Wäckerlin

Seine Themen: Eigenverantwortung über alles, das ist das Credo des Piraten Marc Wäckerlin. Egal ob es um Klimaschutz oder Video­kameras geht. Wäckerlin findet, der Staat solle keinen Einfluss auf das Leben der Bürger nehmen. Und er versprach, als Stadtrat das effizienteste Departement zu führen: «Ich würde nur noch machen, was gemacht werden muss.»
Sein bester Moment: Wäckerlin war von allen Herausforderern der engagierteste und es gelang ihm immer mal wieder, Lacher zu verbuchen.
Sein Auftritt: Was Wäckerlin abgeht, ist ein stadträtlicher Auftritt. Auf Konventionen gibt er wenig. Er sieht sich selber als Querdenker. Seine Ideen mögen nicht allen passen, aber er ist wenigstens konsequent. Kaum ein Thema, in dem er eine Mehrheitsmeinung einnimmt. Insofern wirkt er mit seinem ewigen Anecken glaub­würdig. Aber man kann sich ihn schwerlich in einem Gremium vorstellen, in dem Kompromisse gefragt sind.mif

Blerim Bunjaku


  • Seine Themen: Der parteilose Blerim Bunjaku versuchte sich als innovativer, gewerbefreundlicher Politiker zu verkaufen. ­Inhaltlich konnte er zu den Diskussionen als einziger Nichtgemeinderat allerdings nicht allzu viel beitragen. So verwechselte er Biorender und Wärme Frauenfeld und verhaspelte sich auch sonst mehrmals.

  • Bester Moment: Bunjaku blieb blass und wirkte teils schlecht informiert und überfordert. Wirklich gute Momente fehlten bei seinem Auftritt.

  • Unser Eindruck: Das Amt des Stadtrats ist für Bunjaku eindeutig eine Schuhnummer zu gross. Seine Verdienste im Bereich Integration mögen verdienstvoll sein, doch als Stadtrat braucht es mehr Erfahrung. ­Zudem lässt sich Bunjaku kaum einordnen, das zeigt auch sein Zickzackkurs bei der Parteizugehörigkeit. Zuerst war er in der SP, dann in der EVP, schliesslich wieder in der SP, und nun tritt er als Parteiloser zu den Wahlen an. Verlässlichkeit sieht anders aus.

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