Firmenverkauf

Die Stewi-Libelle soll weiterfliegen

Die Familie Steiner hat ihre Firma Stewi zwei Unternehmern verkauft. Diese wollen die rund 20 Stellen am Produktionsstandort Grüze erhalten. Montiert werden die Wäscheständer schon heute in der Strafanstalt Pöschwies.

Landesweit flattern die Kleidungsstücke dank der Winterthurer Erfindung durch die Luft. Dies soll auch künftig so sein.

Landesweit flattern die Kleidungsstücke dank der Winterthurer Erfindung durch die Luft. Dies soll auch künftig so sein. Bild: Keystone

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Stephan Ebnöther und Lorenz Fäh heissen die beiden neuen Stewi-Besitzer, 50 und 58 Jahre alt, beide wohnhaft am Zürichsee. Ebnöther hat Geld gemacht mit dem Aufbau und Verkauf einer grossen Marketing- und Event­firma, Fäh hatte den ersten Pizzakurier des Landes aufgebaut und ebenfalls später verkauft. Sie bringen eigenes Geld mit, und die Raiffeisenbank half bei der Finanzierung. Eine reine Bankenfinanzierung hätten die alten Besitzer nicht akzeptiert, sagt Ebnöther.

Die Erben wollten verkaufen

Die alten Besitzer, das sind die fünf Kinder von Firmengründer Walter Steiner, die jüngsten von ihnen sind heute auch 64-jährig. Sie seien froh, dass sie Schweizer Unternehmer gefunden hätten. die das Erbe des Vaters in seinem Sinne weiterführen würden, sagte gestern Rolf Steiner, der jüngste des Quintetts, zum Verkauf.

«Wir wollen wachsen, sonst hätten wir uns nicht engagiert.» Stephan Ebnöter, 
neuer Stewi-Mitbesitzer

Seit bald einem Jahr waren die alten mit den neuen Stewi-Eigentümern im Kontakt, im November war man handelseinig und per Ende Januar ist die Übernahme nun vollzogen worden. Über Modalitäten und zu Unternehmenszahlen will Stephan Ebnöther nichts sagen. Nur so viel: «Wir wollen wachsen, sonst hätten wir uns nicht engagiert.» Wachstum sieht er einerseits im Ausland, wozu eigens die Stewi of Switzerland AG gegründet wurde. Potenzial sieht Ebnöther auch im Premiumbereich: «Qualitativ hochstehende Modelle mit gutem Design und Spezialanfertigungen nach den Wünschen von Architekten und Bauherrschaften. Wir wollen die Firma wieder dorthin führen, wo sie einst war.»

Montiert wird im Gefängnis

Kommt man heute in den Firmensitz an der Rudolf-Diesel-Strasse, weht einem der Groove der 1980er-Jahre entgegen; die Zeit scheint stehen geblieben zu sein. 21 Personen arbeiten derzeit noch dort in der Grüze. In den grossen Hallen stehen die Maschinen für die Metallbearbeitung und die Herstellung der Kunststoffteile, auch das Lager ist dort. Montiert werden die Stewi-Wäschehänger jedoch schon seit geraumer Zeit in der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf. Das soll so bleiben: «Nur dank dieser Regelung können wir überhaupt in der Schweiz produzieren. Sonst wären die Kosten zu hoch», sagt Ebnöther. Gewisse Restrukturierungen will er nicht ausschliessen, doch was das für Winterthur bedeutet, sagt er noch nicht. Lieber schwärmt er von der eben erworbenen Perle: «Wir sind froh, dass wir mit Stewi fündig und einig wurden.» Zur Perle gehört auch ein grosses unbebautes Landstück gleich neben Stewi in der Grüze.

(Der Landbote)

Erstellt: 02.02.2017, 18:16 Uhr

Stewi Fabriziert Winterthurer Wäscheständer seit 1947. (Bild: Marc Dahinden)

Erst praktisch, dann bünzlig und plötzlich Kult

Walter Steiner aus Winterthur hat mit seiner Firma Stewi und deren Produkt vor 70 Jahren einen Klassiker lanciert.

Der Erfinder der Wäschespinne war Steiner nicht. Dieses Patent war schon 1923 an einen Engländer vergeben worden. Aber der Winterthurer Walter Steiner begann 1947 als 26-Jähriger in einem Anbau des Elternhauses in Töss, Wäscheschirme zu bauen. Die Arme waren aus Holz, die Seile aus Hanf. Steiner selber war ein genialer Tüftler mit tausend Ideen. Er gründete seine Firma Stewi (Steiner-Winterthur), 1952 zog er an die Oberseenerstrasse, und 1954 wurde seine Spinne an der Basler Mustermesse ausgezeichnet.

Stewi, Libelle, Party-Jack
Steiner dachte immer weiter: 1961 lancierte er die Libelle, den kleineren Wäscheständer, und 1970 den Party-Jack. Das war eine Kombination von Dosen- und Flaschenöffner, der fast eine Million Mal verkauft wurde. 1972 verlegte Steiner die Produktion an den heutigen Standort Rudolf-Diesel-Strasse, wo zeitweise 120 Personen arbeiteten. Der Patron soll alle mit Namen gekannt haben. Walter Steiner senior starb 2009, sein Sohn gleichen Namens führte die Firma bis eben noch.
Stewi gilt in der Schweiz als Synonym für Wäscheständer, das Produkt machte in der Wahrnehmung über die Jahrzehnte einen Wandel durch: Es galt als modern und praktisch, zeitweise als bünzliges Accessoire der Hüslischweiz, und heute ist der Stewi (samt dem eckigen Schriftzug) ein Designklassiker mit Kultstatus.

Die neuen Stewi-Eigentümer Lorenz Fäh (links) und Stephan Ebnöther mit Rolf Steiner von der Erbengemeinschaft (rechts) im Lager an der Rudolf-Diesel-Strasse. (Bild: Marc Dahinden)

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