Abstimmung

«Die Traglufthalle ist ein Murks»

Das Olymbiabecken im Hallen- und Freibad Geiselweid zu überdachen und zu heizen sei falsch und zerstöre das Quartier, sagen die Gegner der Traglufthalle. Mehr noch: Ein Ja gefährde den Bau eines zweiten Hallenbades.

Soll das Olympiabecken im Geiselweid überdacht werden oder nicht? Über diese Frage entscheidet die Winterthurer Bevölkerung am 20. Oktober.

Soll das Olympiabecken im Geiselweid überdacht werden oder nicht? Über diese Frage entscheidet die Winterthurer Bevölkerung am 20. Oktober. Bild: mdu

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Wer in Winterthur ein zweites echtes Hallenbad wolle, müsse die provisorische Traglufthalle ablehnen, sagte Fredy Künzler. «Nur bei einem Nein zur Traglufthalle ist der politische Druck für eine rasche Realisierung eines richtigen Hallenbades genügend gross», sagte der SP-Gemeinderat. Sei die Traglufthalle im Hallen- und Freibad Geiselweid erst einmal fertig, drohe das zweite Hallenbad auf die lange Bank geschoben zu werden.

Die Winterthurerinnen und Winterthurer stimmen am 20. Oktober über die Traglufthalle ab. Bei einem Ja kauft die Stadt für 2,3 Millionen Franken ein Ballondach für das Olympiabecken im Geiselweid. Beheizt mit Fernwärme aus der Kehrichtverwertungsanlage (KVA) könnten darin Sportler und Badegäste auch von Oktober bis April schwimmen. Mehr geheizte Schwimmfläche sei dringend notwendig, argumentieren die Befürworter einer Traglufthalle. Sie wollen mit dem Ballondach die Zeit überbrücken, bis das zweite Hallenbad steht. Der Gemeinderat hat dem Bau mit 27:26 zugestimmt. Ja sagten FDP, GLP, EVP, CVP, EDU und der Pirat. Nein sagten grosse Teile von SP und SVP sowie Grüne und AL.

Einsprachen programmiert

«Die Befürworter einer Traglufthalle suggerieren eine schnelle Lösung, doch es ist fraglich, ob sie dieses Versprechen einhalten können», sagte Künzler an der Medieninformation des Komitees «Nein zur Traglufthalle». Er prognostizierte ein langes Bewilligungsverfahren mit Einsprachen von Anwohnern, über die möglicherweise das Bundesgericht entscheiden müsse. Es sei besser, sofort mit der Realisierung des zweiten Hallenbades zu beginnen, wie es alle Fraktionen im Gemeinderat per Motion forderten, sagte Künzler. Das werde zwar seine Zeit dauern, aber das Warten lohne sich.

«Dieser Verbrauch soll mit Biogas-Zertifikaten reingewaschen werden.»Reto Diener, Gemeinderat Grüne

Baden im Hallenbad sei Luxus, sagte Reto Diener (Gemeinderat Grüne). Für die Basisversorgung der Bevölkerung sei die Traglufthalle nicht notwendig. Dies gelte noch mehr als schon 2012, als 52,6 Prozent der Winterthurerinnen und Winterthurer den Bau eines «Cabrio-Daches» ablehnten. «Die Klimathematik hat sich seither verschärft», sagte Diener. Er kritisierte insbesondere die mangelhafte Isolation der Halle sowie deren Beheizung mit Fernwärme. «Trotz neuster Technologie weist die Traglufthalle noch immer eine viel schlechtere Energie-Bilanz auf, als ein modernes, gut isoliertes Gebäude.» Mit der so verpufften Energie liessen sich stattdessen 200 Einfamilienhäuser heizen. Aus diesem Grund lehne auch der Stadtrat die Halle ab und habe der Kanton eine Bewilligung zunächst verweigert.

Mehr Lärm und Licht

«Die Traglufthalle ist ein Murks», sagte Diener. Es seien faule Tricks notwendig, um diese überhaupt beheizen zu dürfen. Auch die Fernwärme aus dem KVA sei nämlich nicht klimaneutral: «Realisitischerweise kann keinesfalls mehr als 50 Prozent des Mülls als CO2-neutral gelten.» Zweitens müsse in der KVA für die Traglufthalle zeitweise Gas verbrannt werden. «Dieser Verbrauch soll mit Biogas-Zertifikaten rein gewaschen werden», sagte Diener. Dabei wisse jedermann, dass im Winter nicht nur in der Schweiz sondern europaweit zu wenig sauberes Biogas zur Verfügung stehe.

«Die Traglufthalle zerstört unnötigerweise ein intaktes Quartier», sagte Cornelia Bachofner, die Anwohnerinnen und Anwohner vertrat. Der massige weisse Ballon inmitten von 120 geschützten Bauten werde das Gesamtbild des Quartiers massiv verändern. Sie sei nach Tenero, Lugano und Schaffhausen gereist, um sich einen Eindruck von den dortigen Ballonhallen zu verschaffen, sagte Bachofner. Sie rechnet mit einer starken Zunahme von Lärm und Lichtverschmutzung an den Winterabenden. «Im Sommer freuen wir uns über das Quietschen der Kinder im Freibad. Im Winter war es bisher ruhig und dunkel.» Diese wichtigen Teile der Lebensqualität drohten mit der Traglufthalle verloren zu gehen.

Erstellt: 10.09.2019, 18:07 Uhr

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