Winterthur

Die unbändige Gartenleidenschaft der beiden Schwestern

Die Schwestern Karin Mächler und Esther Brühwiler haben vor 18 Jahren ein typisches Dreifamilienhaus mit grossem Garten gekauft. Dort, wo vorher die Arbeiter Gemüse anbauten, blühen heute verwunschene Staudenbeete um die Wette.

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Wer die Feldeggstrasse entlangkommt und sich für Pflanzen interessiert, ist schon vom Vor­garten überwältigt. Was für eine Vielfalt! Durch die Metallstäbe des Zauns steckt ein Salbei seine bunten Blätter, Frauenmantel und Storchenschnabel leisten ihm Gesellschaft.

Auf dem rund 2,5 Meter breiten Beet dahinter blühen jetzt Anfang Juli Taglilien in verschiedenen Gelb- und Rot­tönen, Blutweiderich, Phlox, ­Veronika, Rosen, Sommerflieder, Lauch und vieles mehr. Wasserdost und Fetthenne tragen dicke Knospen. Die Pflanzen stehen dicht an dicht, Unkraut hat hier keine Chance.

Auf der einen Hälfte des Beetes gärtnert Esther Brühwiler, auf der anderen ihre Schwester Karin Mächler. «So hat jede die Hoheit über ihren Gartenteil und muss nicht erst die andere fragen», sagt Esther Brühwiler. Diese Autonomie ist beiden wichtig. Dennoch wirkt das Beet für den zufälligen Betrachter wie aus einem Guss.

Noch je zwei Pünten

Das Gleiche gilt für den hinteren Teil des Gartens, auch hier gärtnert jede Schwester für sich auf einem etwa gleich grossen Beet. «Wir haben unterschiedliche Philosophien», sagt Karin Mächler. «Ich achte darauf, dass der Pflanzenreichtum nicht ins Chaos übergeht.» Gerade heute Morgen habe sie ihrem Beet ­etwas Luft verschafft und einiges herausgeschnitten. «Ich gärtnere nach dem Lustprinzip.»

«Wir haben ­unterschiedliche ­Philosophien.»Karin Mächler, 
Hobbygärtnerin

«Ich bin dagegen eher eine faule Gärtnerin», sagt Esther Brüh­wiler. Sie mache sich vor dem Pflanzen mehr Gedanken als ihre Schwester und versuche die Arbeit einzugrenzen, indem sie dem Beet eine Struktur gebe. ­Obwohl: Von Arbeit reden beide nicht, wenn sie vom Garten sprechen, eher von Genuss und Entspannung. Beide geniessen ihren Garten nicht vom Liegestuhl aus, sondern indem sie durch die Pflanzen gehen und diese genau betrachten, hier etwas abschneiden oder dort etwas richten. Dar­in sind sie sich ziemlich einig.

Gleich gross scheint auch die überwältigende Liebe zum Gärtnern zu sein. Der Garten am Haus genügt ihnen nicht, beide haben noch jeweils zwei Pünten, entlang der Töss. Dort pflanzen sie auch Gemüse an.

Die alte Struktur des Gartens lässt sich noch gut an den Wegen erkennen. Drei Arbeiterfamilien hatten hier ihren «Pflanzblätz», nachdem das Haus Ende des ­vorletzten Jahrhunderts erbaut wurde. Auf dem Rasen hinter dem Haus stehen malerisch ein paar Stühle unter einem Mirabellenbaum. Hier sitzen die beiden Schwestern oft und reden über ihre Pflanzen. «Ich bin Malerin, mir sind vor allem die Farbkombinationen und die Wirkung der Blattformen wichtig», sagt Karin Mächler.

Schattige Kompostecke

Hinten in einer Ecke, beschattet von einem Holunder, stehen zwei mächtige hölzerne Kompost­behälter, in denen im Lauf des Jahres sämtlicher Grünabfall landet. Der reife Kompost wird dann als wertvoller Dünger eingesetzt. «Uns ist wichtig, dass der Kreislauf geschlossen ist», sagt Esther Brühwiler.

Die Schwestern sind zwar in einem Haus mit grossem Garten aufgewachsen, allerdings habe daheim niemand eine grosse Leidenschaft fürs Gärtnern gehabt. «Aber ich bin schon als Kind am liebsten im Garten gewesen und habe genau beobachtet, welche Pflanze wo aus der Erde kommt», sagt Esther Brühwiler. Als junge Frau habe sie dann selber an­gefangen zu gärtnern, um aus einer Depression herauszufinden. «Das hat mir so gut getan.»

Bei Karin Mächler ist die Gartenleidenschaft in der Zeit als junge Mutter erwacht. Während die beiden Kinder im Sandkasten spielten, begann sie sich den Pflanzen im Garten zu widmen. Anfangs machte sie das heimlich, weil die Vermieterin ihrer «Gartenlust» nicht traute. «Learning by doing» ist ihr Ansatz. «Ich ­habe nie in ein Gartenbuch geschaut», sagt Mächler. Seit einiger Zeit lebt sie ihre Kreativität zusätzlich zur Malerei aus, indem sie Blumendekorationen für ­Anlässe gestaltet. Dafür habe sie schon in der Fachliteratur her­um­studiert.

Die meisten der Pflanzen im Garten der Schwestern stammen vom Wochenmarkt oder aus dem Coop-Gartencenter. «Wir fahren beide kein Auto», sagt Esther Brühwiler. Alle Jahre ziehe es sie aber nach Rafz zu Hauenstein oder nach Bubikon zur Gärtnerei Meier, um sich inspirieren zu lassen: «Das ist für mich dann so wie ein Besuch im Conny-Land für ein Kind.» (Der Landbote)

Erstellt: 18.07.2018, 13:34 Uhr

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