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Die Wandervögel sind flügge geworden

Hans Erzinger ist Wander- und Teamleiter beim Verein Obertorwandern, der als private Nachfolgeorganisation seit 2016 die Obertor-Wanderungen der AXA Stiftung Generationen Dialog weiter führt.

Anfang Juni führte eine Obertor-Wanderung nach Brütten.

Anfang Juni führte eine Obertor-Wanderung nach Brütten. Bild: Hans Erzinger

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Wann waren Sie denn zum letzten Mal auf Wanderschaft?
Hans Erzinger: Gerade machten wir eine grosse Wanderung im Mitteltoggenburg, von Wattwil über Krinau nach Dietfurt. 28 Personen nahmen daran teil, das liegt im Durchschnitt. Diesmal waren es überwiegend Frauen; sonst sind auf den grossen Wanderungen eher die Männer in der Mehrzahl.

Meint es Petrus eigentlich gut mit den Wandervögeln?
Ja, erstaunlich gut: Auch gestern war ein perfekter, aber schweisstreibend heisser Sommertag. Wir haben häufig Glück und wenn der Wetterbericht mal schlecht ist, wird es meistens besser, als angekündigt. Aber wir gehen ja sowieso bei jedem Wetter, ausser wenn es gefährlich werden könnte. In solchen Fällen passen wir das Programm kurzfristig an; das kommt aber auf 120 Wanderungen vielleicht fünfmal vor.

Normalerweise wandern ja eher die Senioren. Hat es denn auch Junge?
Es sind schon eher ältere: Bei den grossen Wanderungen von 3 – 4 Stunden und etwa 12 km liegt das Durchschnittsalter bei etwa 70 Jahren, bei den mittleren mit etwa 8 km und gut zwei Stunden Wanderzeit geht es gegen achtzig und bei den kleinen Spazierwanderungen von anderthalb Stunden liegt es dann darüber, teilweise sogar deutlich! «Junge» hat es zwar auch, aber das ist relativ: Die kommen ab 55 Jahren dazu.

Wie lange gibt es eigentlich die Obertor-Wanderungen schon?
Seit 43 Jahren! Es ist das älteste Angebot des Zentrums am Obertor, das noch von der «Winterthur» initiiert und finanziert wurde. Als die Nachfolgerin Axa vor zwei Jahren ihr Engagement einstellte, haben wir einen Verein gegründet, der die Wanderungen nun auf privater Basis weiter führt. Um die Administration einfach zu halten sind allerdings nur die Leitenden Vereinsmitglieder. Die Wanderer sind sozusagen nur «zahlende Gäste», die mit einem kleinen Obulus von 6 bis 15 Franken die Vereinsspesen decken.

Und wie lange sind Sie schon dabei?
Ich selber bin nach meiner Frühpensionierung vor etwa 11 Jahren dazu gekommen, seit 9 Jahren bin ich Wander- und Teamleiter.

Auf der Website werden Wanderleitende gesucht. Wie wird man das denn?
Angesprochen sind Leute, die körperlich fit sind, die Freude am Wandern und am Draussensein haben. Und die Menschen mögen. Ideal sind natürlich Vorkenntnisse, das ist aber keine Bedingung: Neue Wanderleitende werden durch bisherige eingeführt und betreut.

Als Wanderleiter sind Sie sicher auch für die Wehwehchen zuständig?
Ja, schon. Aber das wichtigste in der Taschenapotheke sind heute nicht mehr Merfen und Blasen-pflaster, sondern Draht, Kabelbinder und Isolierband. Zum Flicken der Wanderschuhe! Einige der alten Leutchen denken: «Der tut’s schon noch...» – aber das stimmt dann eben oft nicht.

Sicher gab es auch schon kuriose Erlebnisse ?
Es geht so. Ich muss sagen: Die Senioren sind sehr reisegewandt und erscheinen gut vorbereitet. Überhaupt sind es lauter liebenswerte Menschen mit einem starken Willen, sich aufzuraffen und bei jedem Wetter raus zu gehen. Das gibt ihnen Bestätigung und verdient Respekt.

Wandern ist ja nicht nur für die Fitness gut, sondern auch für das Soziale
Darauf legen wir sogar grossen Wert. Deshalb gibt es immer eine ausgedehnte Mittagspause von anderthalb Stunden und einen Z’vierikafi. Da herrscht ein reger Austausch. Es wird aber auch beim Wandern geplaudert und einige pflegen Kontakte ausserhalb der Wandertermine.

Gab es schon Liebesgeschichten unter den Teilnehmenden?
Da haben wir natürlich keine Erfolgskontrolle. Aber für einige ist es schon so, dass sie durch die Wanderungen auch Anschluss suchen und wohl auch finden.


Kontakt und weitere Infos
www.obertorwandern.ch (Der Landbote)

Erstellt: 17.06.2018, 15:36 Uhr

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