Winterthur

«Dieser Artikel stört mich sehr»

Laut einem Artikel dieser Zeitung werden 2020 im Kunstmuseum Oskar Reinhart am Stadtgarten zwölf Künstler gezeigt, aber keine einzige Künstlerin. Stimmt nicht, sagt Museumsdirektor Konrad Bitterli. Die Ausgangslage sei aber kompliziert.

Museumsdirektor Konrad Bitterli sagt, dass Künstlerinnen in seinen Ausstellungen immer einen festen Platz hatten.

Museumsdirektor Konrad Bitterli sagt, dass Künstlerinnen in seinen Ausstellungen immer einen festen Platz hatten. Bild: Madeleine Schoder

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Bitterli, laut einer Übersicht über die Museumsprogramme in der Schweiz, die auch in dieser Zeitung erschienen ist, liegt der Frauenanteil der gezeigten Künstlerinnen in Ihren zwei Häusern in diesem Ausstellungsjahr bei null. Ist weibliches Kunstschaffen in Winterthur kein Thema?
Doch. Die Zahlen, die im Artikel genannt werden, stimmen nämlich nicht.

Was wurde denn übersehen?
Wir haben ab September eine Einzelausstellung von Keren Cytter. Bei der grossen Skulpturenausstellung «Moment. Monument» im Sommer sind von 14 Positionen sieben von Frauen besetzt, und das in einem Feld, das traditionell stark von Männern dominiert ist. Auch in der Videoausstellung «Bewegte Bilder» sind viele Künstlerinnen vertreten, darunter Pipilotti Rist und Sylvie Fleury.

«Es gibt in der Sammlung des
Museums Oskar Reinhart kein
einziges Bild einer Künstlerin.»
Konrad Bitterli
Direktor Kunstmuseum Winterthur

Trotzdem kann man es nicht wegdiskutieren, im Programm 2020 überwiegen die Männer: Carl Spitzweg, Adriaen von Ostade, Gerhard Richter, Walead Beshty...
Da muss man differenzieren. Die historische Sammlung des Museums Oskar Reinhart ist hochbedeutend, aber sie umfasst ausschliesslich männliche Künstler. Es gibt darin kein einziges Bild einer Künstlerin. Das ist ein gewisses Handicap, denn natürlich arbeiten wir mit dieser Sammlung und generieren Ausstellungen daraus. Mein Vorgänger Dieter Schwarz sammelte mit Minimalism und Arte Povera ausserdem in Bereichen, die recht männerlastig sind.

Und Sie?
Seit ich 2018 Direktor wurde, habe ich im zeitgenössischen Bereich mehr Einzelausstellungen mit Künstlerinnen gemacht als mit Künstlern. Meine allererste Ausstellung war Katinka Bock gewidmet, parallel dazu lief die Ausstellung «Räume besetzen» mit Werken von Bildhauerinnen. Zur Dezemberausstellung 2018 wurden ausschliesslich Künstlerinnen eingeladen. Das Titelbild des Jahresprogramms 2020 zeigt eine Skulptur von Mona Hatoum. Der Artikel stört mich, weil ich genau mit dem Anspruch angetreten bin, hier einen Akzent zu setzen.

Sie sehen sich als Frauenförderer?
Ich mache seit 20 Jahren Ausstellungen, und Künstlerinnen hatten immer einen festen Platz. Das ist keine neue Erscheinung, das gehört für mich dazu. Es ist Teil eines Kunstverständnisses, das Kunst nicht nur als Produkt von Männerbünden sieht.

Erstellt: 23.01.2020, 10:43 Uhr

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Den Landboten digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat.
Jetzt abonnieren!