Winterthur

Doppelleu verdoppelt sein Tanklager

Wo in der Grüze früher Gastanks standen, lagert heute Bier. Doppelleu Boxer wächst weiter.

Philip Bucher auf den bestehenden Lagertanks, im Hintergrund die Baugespanne.  Fotos: Madeleine Schoder

Philip Bucher auf den bestehenden Lagertanks, im Hintergrund die Baugespanne. Fotos: Madeleine Schoder

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Über zwei Leitern klettert Philip Bucher aufs Dach des Tanklagers. Ihm zu Füssen liegen 24 glänzende Chromstahltanks. Hinter ihm ragen die Baugespanne noch viele Meter höher in die Luft. Der Chef von Doppelleu Boxer braucht gar nicht viele Worte, um das Wachstum seiner Brauerei zu beschreiben. Die Branche ist traditionell verschwiegen. Wie viele Hektoliter Bier verkauft werden, verrät kaum jemand, und Doppelleu Boxer ist keine Ausnahme.

So viel ist bekannt: Nach der Fusion mit der etwa gleich grossen Brauerei Boxer in Yverdon vor zwei Jahren ist das Winterthurer Unternehmen die Nummer sechs im Schweizer Biermarkt, wobei die Kolosse Carlsberg («Feldschlösschen») und Heineken («Haldengut», «Calanda», «Eichhof») den Löwenanteil unter sich aufteilen. Doppelleu Boxer ist da nach wie vor ein kleiner Fisch – aber ein erfolgreicher. «Alle unsere Marken wachsen ungefähr 20 Prozent pro Jahr», sagt Bucher.

Das «Kurvenöl» auf der Schützi liefert Haldengut
Der FC Winterthur hat seine Partnerschaft mit Haldengut um fünf Jahre verlängert. Zur Feier wurde das «Kurvenöl» lanciert, ein Festbier mit speziell gestalteter Etikette, das ausschliesslich in der Libero Bar erhältlich ist. Es wurde auf 1896 Flaschen limitiert, eine Anspielung aufs Gründungsjahr des FCW. Die Schützenwiese bleibt also, bis auf weiteres, fest in Haldengut-Hand.(mig)

Das neueste Baugesuch für den Standort Winterthur zeugt davon, dass man an Grenzen gestossen ist. Und es lässt die Ambitionen erahnen. Wenn in einem ersten Schritt zehn neue Tanks gebaut werden, verdoppelt sich die Kapazität des Tanklagers. Im Vollausbau mit 20 neuen Tanks kann mehr als dreimal so viel Bier gebraut werden wie heute.

Die neuen Leitungen bei Doppelleu. Bild: mas

Auch Boxer Bier? «Selbstverständlich nicht, das wird nur in Yverdon gebraut», sagt Bucher. Doch die welsche Marke ist auch in der Deutschschweiz gefragt. «Die Deutschschweizer trinken mehr untergäriges Bier als die Romands», sagt Bucher. «Durch die Fusion haben wir nun fast sämtliche Bierstile, die es gibt im Angebot – mit Ausnahme eines bayerischen Weissbiers.»

Wachstum am Zapfhahn

An grossen Stadtfesten, ein wichtiger Markt, wird nun oft Boxer Old statt Chopfab ausgeschenkt, auch an den Musikfestwochen. Doppelleu Boxer verzichtet fast vollständig auf klassische Werbung und markiert dafür an Grossanlässen Präsenz. Erfolgreich ist auch das Verkaufsteam. In den Anfangsjahren setzte Dopelleu fast ausschliesslich auf Flaschen und Dosen. Restaurants und Bars wollte man vor allem motivieren, Chopfab als Zweitbier ins Angebot aufzunehmen. «Inzwischen haben wir eine Grösse und Bekanntheit erreicht, die Gastronomen veranlasst, uns auch als Erstbier zu nehmen», sagt Bucher. Allein in den letzten 12 Monaten seien über 350 Lokale dazugekommen.

In diesen Tanks wird das flüssige Gold gegärt. Bild: mas

Französischkurse für alle

Nach bald zwei Jahren sei die Fusion mit Boxer allmählich komplett, Teams und Systeme arbeiten einheitlich. Es war ein gegenseitiger Kennenlernprozess nötig, sagt Bucher. «Als erstes haben wir Mitarbeitende in Winterthur in einen Französischkurs geschickt und Romands in einen Deutschkurs.» Erklärtes Ziel sei es, dass in Yverdon nur französisch geredet wird – das zieht Bucher auch selbst durch – und in Winterthur deutsch. «Dass unsere Mitarbeiter miteinander englisch reden, würde nicht passen», findet er.

Wie viel Bier durch diese Leitungen fliesst, verrät Doppelleu aber nicht. Bild: mas

In Winterthur hat Doppelleu auf dem alten Pangas-Areal eine Wachstumsreserve. Doch einfach mehr Tanks aufstellen wäre nach dem nun geplanten Ausbauschritt nicht möglich, dann müsste auch ein grösseres Sudhaus her. Bis es soweit ist, muss noch viel Chopfab die Kehlen runter fliessen. Durst auf mehr hat man in Winterthur aber immer: «Wir decken ja noch nicht einmal zwei Prozent des Schweizer Biermarkts ab», sagt Bucher.

Erstellt: 18.10.2019, 16:23 Uhr

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