Winterthur

Drei von vier Asylsuchenden sollen in einer eigenen Wohnung leben

Die Stadt schliesst das Busdepot Deutweg als temporäre Asylunterkunft. Die Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass mehr Asylsuchenden (Privat-)wohnungen vermittelt werden konnten, als angenommen.

Haben am Deutweg ausgedient: Die Holzhäuschen, in denen die Stadt Asylsuchende vorübergehend einquartiert hatte.

Haben am Deutweg ausgedient: Die Holzhäuschen, in denen die Stadt Asylsuchende vorübergehend einquartiert hatte.

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Sie sind 17-Quadratmeter klein, spartanisch eingerichtet, aber boten einer dreiköpfigen Flüchtlings-Familie ein Dach über dem Kopf: Die Holzhäuschen, wie sie heute noch im alten Busdepot Deutweg stehen, sind das, wonach sie auch aussehen, provisorische Unterkünfte für Asylsuchende.

Die Stadt hatte sie vor zwei Jahren in aller Eile aufstellen müssen, um ein Teil der 220 zusätzlichen Flüchtlinge unterzubringen, die den Kriegswirren in Syrien entkommen waren. Nun wird die Asylunterkunft per Ende Jahr geschlossen. «Das ist eine gute Nachricht», hielt Sozialvorsteheher Nicolas Galladé (SP) gestern vor den Medien fest. Gut, weil sich eine viel bessere und verträglichere Lösung abzeichnet.

Standbein für Integration

Immer mehr der gegen 770 Asylsuchenden finden eine eigene Mietwohnung, wie eine Grafik eindrücklich zeigt. Waren es Mitte 2016 erst etwa 40 Prozent, sind es inzwischen rund 61 Prozent, und mittelfristig sollen drei von vier Asylsuchenden in ihren den eigenen vier Wänden wohnen, mit eigenem Mietvertrag.

«Macht in so einem Zimmer ein Schulkind seine Hausaufgaben?»Dieter Wirth,
Leiter Soziale Dienste

Neben Bildung und Arbeit, sowie der sozialen Intergration über die Sprache sieht Dieter Wirth, der Leiter Soziale Dienste, im Wohnen das dritte Standbein, das Asylsuchenden eine Basis gibt, um sich zu gesellschaftlich zu integrieren. «Machen Kinder in solchen Holzhütten ihre Hausaufgaben? Laden sie Freunde zu sich nach Hause ein? Kommt man hier mit der Aussenwelt in Kontakt?», fragte er rhetorisch in die Runde.

Spartanisches Provisorium: Die Holzhäuschen für Asylsuchende im alten Busdepot Deutweg.

Der Verdienst der Freiwilligen

Galladé betonte abermals, dass es sich lohne, auf Integration zu setzen. Die meisten der vorläufig aufgenommenen Asylsuchenden (Status F) blieben über Jahre hinweg hier, oft ein Leben lang. Die Stadt hat daher auch entschieden, die Integrationszulagen weiter zu bezahlen, wie es die kantonale Sozialkonferenz empfiehlt, trotz des revidierten Sozialhilfegesetzes, das im Juli in Kraft trat. Demnach hätten vorläufig Aufgenommene lediglich noch Anrecht auf Nothilfe.

Dass immer mehr Flüchtlinge eine Wohnung finden, ist auch ein Verdienst vieler engagierten Freiwilliger der beiden Landeskirchen oder Organisationen wie Solinetz oder Benevol.

Vitamin B beschleunigt die Wohungssuche bekanntlich. Wenn jemand dann noch bei der Bewerbung mithilft und den Kontakt zu den Vermietern herstellt, steigen die Chancen nochmals. Eine, die dies seit dreieinhalb Jahren für den Verein Viwo erfolgreich tut, ist Zita Haselbach (69). In drei Jahren hat die Viwo 60 Wohnungen für 180 Personen vermittelt und diese mit einer kleinen Einführung in den Wohnungs-Knigge vorbereitet. 30 Personen sind im Verein aktiv, der im Neuwiesenquartier inzwischen eine kleine Geschäftsstelle betreibt.

Dass man ihren Verein inzwischen kenne, helfe natürlich bei der Wohnungssuche. «Den Vermieterinnen und Vermietern ist neben der finanziellen Sicherheit vor allem auch wichtig, dass sie eine Ansprechperson haben, jemand, der während er ersten Monate vermittelt», sagt Haselbach.

Hegifeld bald fertig

Mit der neu gebauten Container-Siedlung Grüzefeld (rund 120 Personen) und dem frisch sanierten Wohnheim Hegifeld hat die Stadt gemäss Galladé die Kapazitäten, die sie braucht, um ihr Kontingent an Asylsuchenden (7 pro 1000 Einwohner) zu erfüllen.

Im anfangs 2019 bezugsbereiten Wohnheim in Hegi will die Stadt vor allem auch Leute unterbringen, die durch alle sozialen Maschen gefallen sind, um diese vor der Obdachlosigkeit zu bewahren. Wo die 55 Bewohnerinnen und Bewohner des Busdepots künftig untergebracht werden, ist noch nicht festgelegt. «Wir schauen jeden Fall einzeln an», sagt Wirth.

Wenig Trost gibt es für die acht Betreuerinnen und Betreuer vor Ort. Sie verlieren ihren Job, ohne auf eine Anschlusslösung bei der Stadt hoffen zu dürfen. Sie waren allerdings nur befristet angestellt.

Wer aktuell im Busdepot eingemietet ist – vom Jugendradio über Ateliers – darf bis 2022 bleiben. Für die frei gewordene Fläche hofft die Stadt in den nächsten drei Monaten eine Lösung zu finden. Ideen oder gar Pläne gibt es noch keine. Man sei offen. Vorstellbar sei, die Halle kulturell zu nutzen, aber auch, sie an KMU zu vermieten.

So sah es in der Asylunterkunft im Busdepot aus. Quelle: Stadt Winterthur (Der Landbote)

Erstellt: 21.08.2018, 17:51 Uhr

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