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Durchs Quartier radeln ohne lästiges Abbremsen

Sechs Städte berichteten an der Pro-Velo-Tagung von ihren Erfahrungen mit der «Velostrasse». Winterthur hat keine Teststrecke. Nicht schlimm, findet Velo-Lobbyist Kurt Egli.

Ein Traum für Velofahrer:; Unterwegs sein ohne lästige, gefährliche Autos auf der neuen Veloschnellstrasse Technorama stadtauswärts.
Ein Traum für Velofahrer:; Unterwegs sein ohne lästige, gefährliche Autos auf der neuen Veloschnellstrasse Technorama stadtauswärts.

Fahrradstrassen sind in Deutschland oder Österreich weit verbreitet. Das schweizerische Pendant, die Velostrasse, wird derzeit erprobt. Bis im Herbst läuft die Pilotstudie im Auftrag des Amts für Strassen (Astra). Doch bereits gestern zogen Vertreter von fünf Städten an der Pro-Velo-Tagung im Gewerbemuseum eine erste Bilanz über ihre Erfahrungen.

Tempo 30 ohne Rechtsvortritt

Eine Velostrasse ist eine Quartierstrasse, auf der die Velos Vortritt haben. Sie soll, laut den Vorgaben des Astra, in Tempo-30-Zonen eingerichtet werden. Die wichtigste Änderung ist, dass an den einmündenden Strassen der Rechtsvortritt aufgehoben wird. «Für eine attraktive Veloverbindung ist er ein Hindernis, denn die Velofahrer müssen an jeder Kreuzung abbremsen», sagt der Organisator der Tagung, Kurt Egli, Vorstandsmitglied von Pro Velo Schweiz. Die Velostrassen werden durch Schilder (ein weisses Velo auf blauem, rechteckigem Grund) und grosse weisse Bodenmarkierungen gekennzeichnet.

In Luzern ist seit letztem Juni eine solche Strecke von gut einem Kilometer eingerichtet, und die Städte Basel, Bern, Zürich und St. Gallen haben sogar je zwei Teststrecken gestaltet, jeweils auf Strecken, die bereits zuvor einen hohen Velo-Anteil hatten. Ab Mai wird gemessen, ob sich die Nutzung durch die Neu-Markierung erhöht hat. In Sachen Akzeptanz und Sicherheit ziehen die Städte aber bereits heute eine positive Bilanz: Es gab keine Einsprachen und keinen Unfall. Einen Blick über die Grenze bot der Konstanzer Radbeauftragte. In Konstanz werde die bestehende Fahrradstrasse besonders von Studenten rege benutzt. Sie wird nun verlängert und auf Kreuzungen mit blauem Belag auffällig markiert.

Basel und Bern als Veloturbos

Was in den Kurzvorträgen der Städtevertreter deutlich wurde: Viele Städte meinen es sehr ernst mit der Veloförderung. In Basel hat sich der Veloverkehr in den letzten fünf Jahren um fast 20 Prozent erhöht. Bern strebt eine Verdoppelung an und hat, zusätzlich zum Velostrassen-Projekt eine eigentliche Schnellverbindung vom Stadtzentrum zum Wankdorf eingerichtet, mit neuen Querungen und einer grünen Welle für Velofahrer. Die Reisezeit hat sich von 8.30 Minuten auf 6.10 Minuten verkürzt. Damit ist das Velo auf dieser Strecke sogar zehn Sekunden schneller als das Auto oder der Bus.

Hauptsache ein Schnell-Netz

Die Stadt Winterthur macht aus Spargründen nicht mit beim Velo­strassen-Pilotversuch, obwohl sie einst sogar als erste Stadt im Gespräch war.

«Hier können Sie mit Tempo 45 bolzen»

Das findet Egli nicht schlimm. «Viel wichtiger ist es, dass der Stadtrat ein Veloschnellstrassen-Netz beschlossen hat, das auch im Richtplan verankert wurde.» Die Umsetzung erfolgt stückweise: Wo immer entlang der eingetragenen Routen, «Velobahnen» genannt, eine Strasse gebaut oder saniert wird, muss darauf geachtet werden, dass die Velos genug Platz haben und möglichst ohne Stopps und Rotlichter zufahren können.

Der Goldstandard ist dabei 4.80 Meter Fahrbahnbreite, so dass auch zwei nebeneinander fahrende Velos pro Richtung sicher kreuzen können. Das neue Stück Veloweg in Oberwinterthur, entlang der Frauenfelder­strasse, das diesen Anforderungen genügt, war dann auch ein Ziel der Exkursion der Pro-Velo-Vertreter und Stadtplaner, die aus der ganzen Deutschschweiz. angereist waren. «Hier können Sie mit Tempo 45 bolzen», sagt Egli. Dank E-Bikes sei das Wort «Langsamverkehr» längst nicht mehr zutreffend.

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