Winterthur

«Eigentlich ist es richtig, etwas zu verlangen»

Der Verbandspräsident empfiehlt den Wirten, ­Leitungswasser zu verrechnen, tut sich aber selber schwer damit.

«Wir können keine Preisvorgabe machen»: Kari Fatzer, Gastro-Winterthur-Präsident.

«Wir können keine Preisvorgabe machen»: Kari Fatzer, Gastro-Winterthur-Präsident. Bild: Stefan Schaufelberger

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Herr Fatzer, soll ein Wirt etwas verlangen fürs Leitungswasser?
Kari Fatzer: Das muss jeder Wirt für sich entscheiden. Klar ist aber: Wenn ein Gast Leitungswasser bestellt, macht der Wirt weniger Gewinn. Die Gäste übersehen oft, dass es einen Wirt fast gleich viel kostet, Mineralwasser oder Leitungswasser zu servieren.

Wasser ist doch fast ­gratis!
Der Warenwert macht nur einen kleinen Teil der Kosten aus. ­Sagen wir, ein Wirt bietet eine Flasche Mineralwasser für vier Franken an. Diese Flasche kostet ihn im Einkauf weniger als einen Franken, aber er braucht zwei Franken für die Löhne der An­gestellten, hinzu kommen Aus­gaben für die Miete und so weiter. Die Lohn- und Mietkosten fallen auch beim Leitungswasser an, nur hat der Wirt unter Umständen keine Einnahmen.

Sie sagen, der faire Preis liegt bei drei Franken?
Genau. Ob man diesen Betrag ­tatsächlich vom Gast einfordern kann, ist eine andere Frage.

Aber die Wirte verdienen doch sehr gut an den Getränken.
Es stimmt, dass die Margen oft höher sind als bei Speisen. Gerade darum ist es für ein Restaurant fatal, wenn die Getränkeeinnahmen wegfallen. Die Mischrechnung geht dann nicht mehr auf.

Manche Wirte wünschen sich eine Preisempfehlung von Ihrem Verband. Dann könnten sie auf diese verweisen und so Diskussionen mit den Gästen umgehen.
Das ist verständlich, doch wir können keine Preisvorgabe machen. Jeder Betrieb ist anders. Was für den einen richtig ist, kann für den anderen falsch sein.

Sie haben eben gesagt, drei Franken seien ein fairer Preis.
Ja. Dennoch kann es richtig sein, nichts zu verlangen. Wenn ich in meinem Restaurant eine gute Flasche Wein verkaufe, finde ich es passend, die Wasserkaraffe gratis zu reichen. Es kommt immer auf die Situation an.

Also tut der Verband nichts?
Doch. Wir versuchen, die Gäste darüber aufzuklären, dass Leitungswasser für den Wirt nicht einfach gratis ist. Die Wirte können bei uns Tischaufsteller bestellen, die die Gäste informieren.

Bringt das etwas?
Ja. Die meisten Leute kennen heute den Sachverhalt. Viele Gäste, die Wasser bestellen, sagen: «Ich bezahle auch etwas dafür.»

Sie sagen, Wirte sollten etwas verlangen. Was verlangen Sie im Rössli Seen, wo sie Wirt sind?
Ich verlange nichts.

Sie getrauen sich nicht?
Ich muss zugeben, dass das eine heikle Sache ist. Die Ausfälle belasten uns aber auch nicht so stark wie ein Restaurant in der Altstadt mit supergünstigen Mittags­menüs. Wie gesagt: Die Situation ist überall anders. (Landbote)

Erstellt: 29.08.2016, 08:25 Uhr

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