Winterthur

Ein Beitrag, Wikipedia etwas weiblicher zu machen

In der Stadtbibliothek Winterthur fand am Samstag das erste offene Wikipedia-Atelier statt.

Konzentriertes Schaffen: Am Samstag wurde Wikipedia um ein paar neue Einträge reicher.

Konzentriertes Schaffen: Am Samstag wurde Wikipedia um ein paar neue Einträge reicher. Bild: Marc Dahinden

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Kennen Sie Jimmy Wales? Nein? Googlen Sie den Namen und Sie werden innert Sekundenschnelle einen ausführlichen Lexikon-Eintrag dazu finden, mit interessanten Quellen und Interviews. An diesem Eintrag haben bis heute ganz viele Leute mitgearbeitet. Und er wird ständig ergänzt.

Genau das wollte der 53-jährige US-amerikanische Internet-Unternehmer erreichen, als er 2001 zusammen mit einem Partner Wikipedia gründete: eine gemeinnützige Online-Enzyklopädie, die erstens allen kostenlos zur Verfügung steht und zweitens von den Nutzerinnen und Nutzern selbst verfasst wird. Ein Lexikon vom Volk für das Volk.

Zuwenig Frauen

Es scheint zu funktionieren. Bis heute gibt es weltweit über 40 Millionen Einträge in über 300 Sprachen, davon rund 2,2 Millionen deutschsprachig. Doch eines hatte Wales nicht vorausgesehen: Es gibt seit Entstehung von Wikipedia zu wenig Frauen, die mitschreiben. Bestimmte Themen sind folglich durch die mangelhafte Frauenquote, die bei rund 15 Prozent liegt, stark unterrepräsentiert.

«Die Idee unseres Ateliers ist, alle zum Mitarbeiten bei Wikipedia einzuladen.»Jonas Bürgi, Mitarbeiter der Sammlung Winterthur

Dieser unbefriedigenden Situation wollte auch die Stadtbibliothek Winterthur an ihrem ersten offenen Wikipedia-Atelier, das sie am Samstag von 10 bis 17 Uhr durchführte, entgegenwirken. 15 Personen nahmen teil. Davon waren vier Frauen.

Doch auch Männer können Wiki-Einträge über Frauen verfassen. «Wir haben deshalb ein paar Winterthurer Frauen vorgeschlagen, die relevant sind», sagt Jonas Bürgi, Mitarbeiter der Sammlung Winterthur, der das offene Atelier organisiert hat. «Die Idee unseres Ateliers ist, alle zum Mitarbeiten bei Wikipedia einzuladen», sagt er. «Wir stellen dazu Bücher, Bilder und Mikrofilme früherer Zeitungsartikeln zur Verfügung, mit dem Ziel, zu Winterthurer Themen Inhalte zu erarbeiten.» 50 Bilder hat die Sammlung Winterthur extra für diesen Workshop auf die Wiki-Bilddatenbank Commons hochgeladen.

Winterthurer Lyrikerin

Am Tisch im vierten Stock der Stadtbibliothek wird an diesem Samstagnachmittag fleissig gearbeitet. Mit von der Partie ist auch eine gestandene Wikipedianerin, die unter dem Pseudonym Lantina schon diverse Beiträge verfasst hat.

Sie erstellt gerade einen Eintrag zur Winterthurer Schriftstellerin und Lyrikerin Lilly Ronchetti (1928-1997). «Ich schreibe selbst auch Gedichte», sagt die 49-Jährige. «Ronchettis Gedichte sind sehr schön und bildhaft.» Und das, obwohl die Schriftstellerin beruflich Leiterin der Kreditabteilung der Zürcher Kantonalbank gewesen sei, meint sie lachend. Neu auf Wikipedia sind seit Samstag auch die Winterthurer Frauenrechtlerinnen Martha Lüthy-Zobrist sowie Elisabeth Studer-von Goumoëns.

«Die Kriterien, einen Beitrag zu publizieren, sind sehr streng.»Diego Hättenschwiler, Bibliothekar und Wikipedianer

Doch wie seriös kann ein Online-Lexikon, an dem alle mitmachen, sein? «Sehr», sagt Diego Hättenschwiler, Bibliothekar aus Bern und überzeugter Wikipedianer, der das Atelier leitet. «Die Kriterien, einen Beitrag zu publizieren, sind sehr streng.» So müsse ein Artikel die Relevanzprüfung bestehen, das heisst zu seinem Thema müssen schon in anderen Nachschlagewerken, in Forschungsbeiträgen oder Zeitungsquellen Beiträge veröffentlicht worden sein. «Ich rate daher zum Einstieg eher, bestehende Einträge zu bearbeiten.»

Und das geht einfach: Nur den Link Bearbeiten oben in der Leiste anklicken, schreiben und speichern. Ob die selbst gemachte Ergänzung, für die es natürlich einen Beleg braucht, dann aber auch publikationswürdig ist, entscheiden gestandene Wikipedianer im Hintergrund.

Erstellt: 24.02.2019, 15:00 Uhr

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