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Ein bisschen Kopenhagen in Winterthur

Velo statt Auto. Gegen diese Devise ist seit Dienstag höchstens noch das Wetterargument einzu­wenden: Acht elektrische Lastenvelos stehen nun zur Leihe bereit.

Deborah Stoffel
Barbara Günthard-Maier präsentiert die neue Winterthurer Lastenvelo-Flotte. Ein «Landbote»-Reporter wagt sich auf Probefahrt.

Mit einem Lachen im Gesicht stellte Stadträtin Barbara Günthard (FDP) vor dem Quartierladen im Inneren Lind am Dienstag die erste Winterthurer Lastenvelo-Flotte vor. Acht solche Fahrräder mit einer Transportkiste zwischen Lenker und Vorderrad kann man ab sofort an verschiedenen Standorten in der Stadt ausleihen. Und auch in Zürich stehen seit gestern 22 Cargo-Bikes zur Leihe bereit.

Das Sharing elektrischer Lastenvelos ist ein Projekt der Mobilitätsakademie des TCS und des Förderfonds Engagement Migros. Bern war 2015 die erste Stadt, die diesen Veloverleih angeboten hat, seither sind zehn weitere Standorte hinzugekommen. Bis Ende Jahr will «carvelo2go» die aktuell 90 Lastenvelos schweizweit auf 120 aufstocken. Dahinter steckt die Idee, dass man einmal mehr das Auto zuhause stehen lässt und stattdessen die Getränke für sein Gartenfest mit dem Lastenvelo transportiert.

2 Franken pro Stunde plus 5 Franken Buchungsgebühr

Um ein Velo zu mieten, muss man sich auf www.carvelo2go.ch registrieren und auf der Webseite ein Velo reservieren, ab Juli geht das auch via App. Die Buchungsgebühr beträgt fünf Franken und jede Stunde kostet zwei Franken, ausser in der Nacht zwischen 22 und 8 Uhr. Holt man das Velo beim sogenannten Host ab, braucht man bloss noch seinen Ausweis vorzuweisen und kann losfahren.

Die Hosts sind für die Lastenvelos verantwortlich, sie übergeben den Schlüssel an die Kunden und laden das E-Bike auf. Im Gegenzug können sie das Velo während 25 Stunden pro Monat für ihren eigenen Betrieb brauchen. Für Service und Wartung kommt «carvelo2go» auf.

Rollstühle mit dem Velo transportieren

In Winterthur steht ein solches Lastenvelo bei der Stiftung Läbesruum. «Das Velo passt zu uns», sagt Stabsmitarbeiterin Katrin Cometta, die auch für die GLP im Gemeinderat sitzt. «Für uns ist es attraktiv, gratis ein solches Velo nutzen zu können.» Ein anderer Host ist die Double Dutch GmbH, die selbst seit über zehn Jahren Lastenvelos herstellt und verkauft. Sjoerd von Rooijen stellt ein eigenes Velo vom holländischen Hersteller Urban Arrows zur Verfügung – das grösste in der Winterthurer Flotte. Mit dem Velo kann man selbst einen Rollstuhl transportieren. Eine Seitenwand lässt sich abklappen und dient so als Rampe.

Auch Sarah Schneebeli von der Kita Loki stellt ihr Velo zur Verfügung. In ihrem dänischen Modell sitzen Kinder besonders bequem. Die restlichen sechs Lastenvelos (siehe Testbericht) kommen aus Deutschland und haben je 6500 Franken gekostet. Zwei davon hat Stadtwerk Winterthur bezahlt.

Für Barbara Günthard, die Tochter eines Velohändlers, sind Lastenvelos eine «Antwort auf viele Herausforderungen», wie sie bei der Präsentation sagte. «Sie helfen uns neben der vielen Arbeit fit zu bleiben, sie verpesten die Luft nicht und machen keinen Lärm.» Auch sei Velos teilen nachhaltiger, als sie zu besitzen.

Mit den Mieteinnahmen kann «carvelo2go» Service und Unterhalt der Velos decken. Finanzielle Unterstützung erhält das Projekt noch für die Plattform und die App. Nebst TCS und Migros bezahlt auch das Bundesamt für Energie einen Beitrag. Ziel ist laut Mobilitätsakademie, dass der Verleih in zwei Jahren selbsttragend ist.

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