Winterthur

Ein Burgercontainer gibt zu reden

Seit einem Monat steht am Graben ein schwarzer Container mit einem Hamburgergrill drin. Passt der dorthin? Eine Jury der Stadtpolizei fand: Ja. Doch manche stören sich am «Ungetüm».

Die «Burger Chuchi» beim Graben sorgt für Diskussionen.

Die «Burger Chuchi» beim Graben sorgt für Diskussionen. Bild: Marc Dahinden

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Der Burger selber ist gut, da gibts nichts zu meckern. Rindfleisch aus der Region, ergänzt mit etwas Poulet- und Schweinefleisch. Mehr wird über das Geheimrezept nicht verraten.

Die Saucen seien hausgemacht, und die Salat-Zutaten werden nach Wunsch der Kundschaft individuell beigefügt. 9 Franken ohne und 9.50 mit Käse kostet so ein Burger. Das ist nicht wenig, aber der Burger ist auch gut. Die Kolonne über Mittag ist nicht überlang, auch das ist gut so: Denn zehn Minuten Anstehen will ja niemand.

Die Crew mit dem Chefburgerkoch Kurt «Küde» Bühler ist effizient und freundlich. Und er selber sagt beim Wenden der Fleischscheiben, er sei zufrieden, wie das Geschäft angelaufen sei. So weit - so gut.

Ein Ungetüm ohne Toilette

Mühe haben aber manche Leute mit der Tatsache, dass dieser Container an diesem Ort überhaupt bewilligt wurde. Schwarz ist er, viereckig, im industriellen Look - nicht zu vergleichen mit dem romantischen Marronistand, der früher dort gestanden und geduftet hatte.

«Der Verkaufsstand muss geeignet sein, sich ins Altstadtbild einzufügen»

«Ein Ungetüm in den nostalgischen Graben stellen», das sei «einfach unglaublich», schrieb eine Leserin dem «Landboten». Auch unter Gastronomen in der Altstadt gab der Container zu reden, weil er ohne Toilette und ohne Abluftanlage dort stehen darf.

Dazu ist festzuhalten: Ein festes Lokal und ein mobiler Stand, wozu auch der Container zählt, sind rechtlich zwei verschiedene Dinge. «Das Standmaterial muss nach Verkaufsschluss täglich aus der Fussgängerzone bewegt werden», heisst es beispielsweise in den Unterlagen der Stadtpolizei. Ein fixes Kebab- oder Burgerrestaurant muss das nicht, hat aber baulich viel strengere Auflagen.

Polizisten-Jury entschied

Die Stadtpolizei hatte den Standplatz am Graben neben der Rathaus-Apotheke «für ein Verpflegungsangebot (Marroni, Currywurst oder andere Esswaren» im letzten Sommer ausgeschrieben. Verlangt waren nebst Betriebsdaten und Konzept auch «Angaben über das Verkaufsgut» (beispielsweise Herkunft oder Labels) sowie eine Fotodokumentation.

«Der Verkaufsstand muss geeignet sein, sich ins Altstadtbild einzufügen», und «es dürfen keine übermässigen Immissionen entstehen», hiess es in der Ausschreibung. Zudem sollte «das Verkaufsgut einem tatsächlichen Konsumentenbedürfnis» entsprechen. Eine allfällige Bewilligung wird jeweils für höchstens ein Jahr erteilt, mit der Möglichkeit zu verlängern.

Sechs Bewerbungen gingen in der Folge bei der Stadtpolizei ein, und nicht weniger als zwölf Mitarbeitende der Stapo haben dann als Jury die Bewerbungen aufgrund der geforderten Kriterien bewertet. Jedes Kriterium sei von jedem Jurymitglied mit Noten zwischen 1 und 6 beurteilt worden, so die Medienstelle der Stadtpolizei.

Der Zuschlag ging an den jetzigen Container-Wirt Kurt Bühler aus Elgg, der die Gesamtnote 4,9 erreichte. Den unterlegenen Bewerbern teilte man mit, warum sie nicht in die Kränze kamen.

Bedenken, einen so grossen schwarzen Container dort zu platzieren, gabs bei der Jury nicht. Der Standplatz, der monatlich wie bis anhin 1125 Franken kostet, sei zuvor ausgemessen worden. Zudem hat Kurt Bühler einen kleineren Container speziell für diesen Ort am Graben in Auftrag gegeben. Sobald der geliefert ist, will er ihn platzieren.

Warum aber, fragt man sich, darf der Container nachts dort stehen bleiben, wo es doch in der Ausschreibung geheissen hatte, er müsse täglich weggekarrt werden? Antwort der Stadtpolizei: «Im Sinne einer Ausnahme ist dies möglich. Die Anwohnenden und das Gewerbe haben gewünscht, dass der Stand nur wöchentlich verschoben wird.»

Erstellt: 13.11.2019, 12:48 Uhr

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