Winterthur

Ein Computer-Nerd kauft Rolf Erbs Schloss

Das Schloss Eugensberg, wo Rolf Erb bis zu seinem Tod wohnte, hat einen neuen Besitzer. Dieser ist noch keine 40 Jahre alt, machte sein Geld mit einer umstrittenen Internet-Börse, und wartet derzeit auf ein Gerichtsurteil.

Schwimmen mit viel Privatsphäre: 81 Hektaren gross ist das Anwesen ums Schloss Eugensberg, wo bis 2017 Rolf Erb lebte. Foto: Samuel Schalch

Schwimmen mit viel Privatsphäre: 81 Hektaren gross ist das Anwesen ums Schloss Eugensberg, wo bis 2017 Rolf Erb lebte. Foto: Samuel Schalch

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Zuletzt war es ein Zweikampf zweier schillernder Figuren: Der 82-jährige Playboy und Ex-Banker Peter Buser hatte in den letzten Wochen medial bekannt gemacht, dass er 36,5 Millionen Franken für das Schloss Eugensberg hoch über dem Untersee geboten habe. Er habe sich in das Haus verliebt.

Waren es die üppig verbauten Goldleisten, die historischen Möbel oder der 37 Meter lange Riesen-Pool? Hier hatte bis zu seinem Tod im Frühling 2017 der Winterthurer Pleitier Rolf Erb mit seiner Familie gewohnt.

Ein Jahr lang wurde nach einem Käufer für Eugensberg gesucht, seit gestern ist bekannt, wer der neue Schlossherr ist. Es ist nicht Buser, sondern ein 38-jähriger IT-Unternehmer aus Zug. Christian Schmid, ein gebürtiger Deutscher, hatte 2002 in Baar (ZG) im Alter von 22 Jahren die Webseite Rapidshare gegründet, die einfaches Teilen von Dateien anbot.

2009 war sie eine der 20 meistbesuchten Seiten des Internets. So schnell wie ihr Aufstieg, kam ihr Fall. 2013 wurden 45 von 60 Angestellten entlassen, 2015 machte Rapidshare den Laden dicht. Was Christian Schmid heute beruflich macht, ist nicht bekannt; offenbar ist er hauptsächlich Privatier.

Ein untypischer Schlossherr

Im Gegensatz zum extrovertierten Buser, dessen Autobiografie «Ich war ein Banker - und Schlimmeres» betitelt ist, meidet Schmid das Rampenlicht, aktuelle Bilder von ihm gibt es nicht. Wie ein typischer Schlossherr sieht er offenbar nicht aus.

Bei einem Gerichtsprozess in Zug, an dem er im September 2018 erscheinen musste, beschreibt der Journalist der «Luzerner Zeitung» sein «kinnlanges, schütteres Haar». Das Onlineportal «Zentralplus» schreibt: «Tatsächlich würde man bei seinem Äusseren beim Erraten des Berufes leicht auf die Informatik-Branche tippen.»

«Es erfüllt uns mit Freude und
Ehrfurcht, Eigentümer eines der schönsten Anwesen der Schweiz zu sein.»
Christian Schmid,
neuer Besitzer von Schloss Eugensberg

Schmid, seine Frau und der frühere Firmenanwalt von Rapidshare wird Gehilfenschaft zu Widerhandlungen gegen das Urheberrechtsgesetz vorgeworfen. Im Klartext: Auf Rapidshare, wo jedermann Inhalte hochladen konnte, seien durch die Nutzer massenhaft geschützte Inhalte wie Filme, Software und anderes verbreitet und getauscht worden: Ein Paradies für Piraten – mit Duldung.

Das Urteil steht noch aus. Die maximalen Kosten - eine Geldstrafe von 576000 Franken und eine Busse von 144000 Franken, würden Schmid wohl kaum wehtun, er überstand den Niedergang von Rapidshare finanziell offenbar unbeschadet. Im Mai gab er dem Gericht ein Vermögen von 107 Millionen Franken an.

Mindestens 36,5 Millionen

Wie viel er für Schloss Eugensberg in der Gemeinde Salenstein gezahlt hat, verrät das Konkursamt Thurgau nicht. Nur so viel: Es waren mindestens 36,5 Millionen Franken. So hoch lag das Gebot von Buser, was übertroffen wurde. Mit dem Kauf ist es aber noch nicht getan. Der zuständige Makler Claude Ginesta schätzt die Kosten für den Unterhalt von Schloss und Umschwung auf jährlich rund eine Million. Was den Verkauf erschwerte, war die Lex Koller. Ausländische Käufer wären nur in Frage gekommen, wenn sie hier ihren Hauptwohnsitz genommen hätten.

«Es erfüllt uns mit Freude und Ehrfurcht, dass wir stolze Eigentümer eines der schönsten Anwesen der Schweiz sein dürfen», lassen die Schmids sich in der Medienmitteilung des Konkursamts zitieren. Sie erhalten ein Grundstück von 81 Hektar, mit Landwirtschaftsbetrieben und viel Wald. Viel diskreter kann man nicht wohnen: Rund zwei Minuten dauert die Autofahrt vom Eingangstor bis zum Schloss.

Goldene Wasserhähne

Aus Winterthurer Sicht schliesst sich damit eins der letzten Kapitel des Erb-Dramas. Rolf Erb, der lieber Kunsthistoriker geworden wäre, als das Auto-Imperium seines Vaters Hugo Erb zu übernehmen, ist es zu verdanken, dass das 1821 erbaute Schlösschen zu seinem alten Glanz zurückfand. Erb investierte Abermillionen in die Sanierung, den Bau des Swimmingpools und die Ausstaffierung mit Gemälden und historischen Möbeln. Selbst die Toiletten waren wahre Spiegelkabinette mit goldenen Wasserhähnen in Schwanenform.

Ein anderes Liebhaberobjekt, das letzte aus der Erb-Konkursmasse, wartet weiterhin auf einen Käufer. Die Villa Wolfensberg in Winterthur sei «noch im Verkaufsprozess», heisst es beim Konkursamt in Frauenfeld. Noch diesen Frühling könnte es klappen, Prognosen mache man aber keine.

Hat einen neuen Besitzer: das riesige Luxusanwesen, in dem Rolf Erb hauste. Video: CA-Media/David Gonzalez

Erstellt: 06.03.2019, 17:50 Uhr

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